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Segeberg Dillblüten und lackierter Hummer
Lokales Segeberg Dillblüten und lackierter Hummer
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21:18 09.01.2018
Melf Mohrdieck (r.) vom Vitalia Seehotel und das Küchenteam richten den Zwischengang „Surf & Turf“ an. Quelle: hil
Bad Segeberg

„Es ging darum, Essen zu zelebrieren – eine tolle Erfahrung.“ Noch nach Tagen kommt Christoph Platzek aus Tensfeld ins Schwärmen. Gerade haben er und seine Freundin Sünnje Ritz die 11. „Tour de Gourmet Jeunesse“ mitgemacht. Ein kulinarischer Kurztrip im Rahmen des 31. Schleswig-Holstein Gourmet-Festivals (SHGF), das sich an junge Leute ab 18 Jahren richtet. Für Student Platzek – „ich gehe gerne mal zum ,Chinamann’, mag Nudeln mit Tomatensauce“ – ein besonderer Einblick in die Feinschmeckerküche.

Schwarzkohl, Meerforelle, lackierter Hummerschwanz, Hirschkalbsrücken: Mit einer Genusstour für angehende Feinschmecker ging das Schleswig-Holstein Gourmet Festival ins neue Jahr. In vier Gängen führte die Route von Kiel über Bad Segeberg nach Timmendorfer Strand.

Ronny Siewert kocht

Um den Feinschmecker-Tourismus in Schleswig-Holstein anzufachen, gründete sich 1987 der Verein „Gastliches Wikingland“. Er organisiert das Schleswig-Holstein Gourmet Festival zum 31. Mal. Rahmen des SHGF stellt sich am 2. und 3. Februar Mecklenburg-Vorpommerns bester Koch Ronny Siewert im Vitalia an den Herd. Infos: www.gourmetfestival.de. hil

Für jeden Gang wird auf der Tour ein anderes Restaurant angesteuert. Dieses Mal tischte zunächst Sternekoch Mathias Apelt vom Romantikhotel Kieler Kaufmann auf: Norwegische Meerforelle, Schwarzkohl, Dillblüte und Sanddorn. Ihm folgte der Zwischengang – „Surf and Turf“ neu interpretiert mit Rindertartar an lauwarmer Pastinakencreme, Trüffel, lackiertem Hummerschwanz und Lakritzschaum, den Melf Mohrdieck im Vitalia Seehotel kreierte. Hirschkalbsrücken in Wacholderrahm zum Hauptgang und ein kleiner Schokoladenplanet mit Erdnussbuttercreme, Salzkaramell und Popcorneis zum Dessert waren schließlich Sache von Sternekoch Lutz Niemann, dem Herrn über Pütt und Pann in der Orangerie des Maritim Timmendorfer Strand.

„Ich dachte immer, ich hasse Erdnussbutter. Aber der Mix aus Süßem und Salzigem war sehr ungewöhnlich“, sagt Christoph Platzek. Und Hummer habe er sowieso noch nie in seinem Leben gegessen. „Hätte ich wohl auch nie.“ Mit solchen Produkten komme er sonst nicht in Berührung. Überraschend sei für ihn das Popcorneis gewesen. Köche, die sich auf die jungen Gäste einlassen, alle Fragen beantworten, Autos mit Chauffeur, ausgesuchte Weine und das Ambiente, die Gespräche: „Der Tag war ein Rundum-Erlebnis“, lobt der junge Gast. Und das zum Preis von 90 Euro pro Person, inklusive Shuttle und Getränken, auch erschwinglich. „Der Plan ist, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.“

Damit geht das Konzept der Tour, deren Ziel es ist, junge Leute an die gehobene Küche heranzuführen, offenbar auf. Und das Schleswig-Holstein Gourmet Festival, das sich dem kulinarischer Kulturaustausch verschrieben hat, gewinnt weiter Fans.

Die im Segebergischen zu finden grenzt jedoch beinahe an den Fund der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen, wie Vitalia Seehotel-Direktor Guido Eschholz bedauernd feststellt. „Wir wollen mit dem Gourmet-Festival die gehobene Küche nach Bad Segeberg bringen. Dafür kommen Gäste von weit her zu uns, Segeberger bleiben bisher aber die Ausnahme.“

Und das, obwohl schon mancher Sternekoch hier mit Einblicken und Kostproben seiner Kunst begonnen hat, Farbe auf den kulinarisch weißen Fleck Bad Segeberg zu bringen. So brutzelte unter anderem die aus TV-Kochshows bekannte Sternköchin Maria Groß im Vitalia, und demnächst macht das SHGF erneut hier Station.

 Heike Hiltrop

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