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Disco-Schlägerei: Prozess wegen eines Schneidezahns

Bad Segeberg Disco-Schlägerei: Prozess wegen eines Schneidezahns

Das Jugendgericht musste sich am Donnerstag mit einer Auseinandersetzung vor der Bad Segeberger Discothek „Que“ befassen – Alkohol war mal wieder der Grund dafür.

Bad Segeberg. Eine Platzwunde an einem Hinterkopf sowie ein halb ausgeschlagener Schneidezahn sind das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen jungen Erwachsen gewesen.

Dieses Stück Zahn war für Richterin Clivia von Dewitz ausschlaggebend, das Strafverfahren wegen Körperverletzung vor dem Bad Segeberger Jugendschöffengericht stattfinden zu lassen. Letztlich wurde das Verfahren gegen den Segeberger eingestellt.

Am 19. September 2015 war der Angeklagte Uwe A. (gekürzte Name geändert) in der Segeberger Disco „Que“ gewesen. Reichlich alkoholisiert hatte der 21-Jährige mit einer jungen Frau getanzt und war ihr anschließend nach draußen gefolgt. Das wollte sie nicht, sodass es zu einem Streit kam. Plötzlich sei eine Gruppe von Jugendlichen aufgetaucht, die sich eingemischt habe. Der Streit eskalierte, Faustschläge wurden ausgeteilt. A. berichtete der Richterin und den Schöffen, dass er von der Gruppe angegriffen worden sei und sich daraufhin gewehrt habe. „Ich verstehe nicht, warum ich hier bin.

Es war Verteidigung. Wer geht alleine auf eine Gruppe zu“, fragte Uwe A. die Richterin. Er räumte jedoch ein, dass zu einem Streit immer mehrere gehörten und die Situation sicherlich auch auf andere Weise hätte gelöst werden können.

Während A. einige blaue Flecke davon trug und vier Wochen einen Arm geschient hatte, war ein Gruppenmitglied durch A’s Schlag ins Gesicht hingefallen und hatte sich dabei eine Platzwunde am Hinterkopf geholt. Sie musste mit vier Stichen genäht werden. Ein weiterer junger Mann, der im Gerichtssaal als Zeuge auftrat, hatte von A. einen Fausthieb auf die linke Wange bekommen. Der 20-Jährige bestätigte das, erklärte allerdings, dass der Schlag ohne Folgen geblieben sei. „Ich kannte die anderen nicht, bin aber mit ihnen vor die Tür gegangen, wo sie dann mit dem Angeklagten einen Streit anfingen“, erzählte Leon B..

Er habe daraufhin versucht, deeskalierend einzugreifen und deshalb den Angeklagten zur Seite geschubst. Darauf habe ihn die Faust von A. getroffen. Irritiert fragte Oberstaatsanwalt Burger Lux nach.

„Ist der Schneidezahn nun abgeschlagen? So glaubt die Richterin , ich hätte eine bekloppte Anklage gemacht, dabei sind die Anklagen der Staatsanwaltschaft die objektivsten“, betonte Lux. Der Zeuge erklärte, dass der Zahn sich etwas rau angefühlt habe und er nicht zum Zahnarzt gegangen sei. Es habe die Sache eher als Lappalie angesehen und deshalb keinen Strafantrag gestellt. Das hatte der Jugendliche mit der Platzwunde getan.

Richterin Clivia von Dewitz schüttelte den Kopf und ging kurz auf die Auswirkungen von Alkohol ein. „Seit ich Richterin am Jugendschöffengericht bin, schmeckt mir Alkohol nicht mehr.“ Die Auswirkung seien einfach zu verheerend. Würde man auf den übermäßigen Konsum von Alkohol verzichten, könnte man viele Richter, Anwälte und Ärzte nach Hause schicken.

Sie glaube, dass der Zeuge die Sache vor der Polizei etwas aufgebauscht und hier vor Gericht heruntergespielt habe. Über die Folgen habe er sich keine Gedanken gemacht. Denn das fehlende Stück Schneidezahn habe sie veranlasst, das Verfahren vor dem Jugendschöffengericht verhandeln zu lassen. Sein Eingreifen sei zwar löblich gewesen. „Aber was man macht, ist verkehrt.“ Nun bestehe die Gefahr, dass man aus dieser gemachten Erfahrung auf künftige Situationen schließe, so die Richterin. „Man kann nur in dem Moment handeln. Wie das ausgeht, kann man nicht vorhersagen“, betonte Clivia von Dewitz und ergänzte, wenn eine Frau in Gefahr sei, solle er einschreiten.

Letztlich entschuldigte sich der Angeklagte A. bei Zeuge B. per Handschlag – der erforderliche Täter-Opfer-Ausgleich für eine Einstellung. Daraufhin wurde das Verfahren wegen geringer Schuld und nicht öffentlichem Interesse eingestellt.

 Silvie Domann

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