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Dolmetscher und Seelentröster

Bad Segeberg Dolmetscher und Seelentröster

Von Hausordnung bis Mülltrennung: Abdulrahman Najjar hilft den ausländischen Mietern der Wankendorfer.

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Ein positiver Typ: Abdulrahman Najjar ist der Dolmetscher für die Wankendorfer Baugenossenschaft im Kreis Segeberg. Sein Job ist es, treppauf treppab Kontakte mit ausländischen Mietern zu pflegen und sie über die deutschen Wohnsitten und -pflichten aufzuklären.

Quelle: Fotos: Glombik

Bad Segeberg. Tee steht auf dem Tisch. Syrische Gastfreundschaft. „Sie müssen etwas trinken!“, heißt es sofort energisch. Eine Großfamilie mit sechs Personen in einer Wohnung mit vier Minizimmern in Bad Segebergs Südstadt. Der Dolmetscher der Wankendorfer ist zu Besuch, schaut nach dem Rechten. Etwas beengt sei es, aber sie seien zufrieden. 60 bis 70 Wohnungen hat die Wankendorfer Baugenossenschaft an Familien und Einzelpersonen in Vermittlung mit der Stadt Bad Segeberg vermietet. Die Stadt ist mehr als dankbar, dass die Wankendorfer ihr die größten Sorgen bei der Unterbringung von Flüchtlingen abnimmt. Damit aus dem Einleben schnell ein Miteinander-Leben wird, hat die Baugenossenschaft jetzt zwei Übersetzer für arabische Sprachen eingestellt.

LN-Bild

Von Hausordnung bis Mülltrennung: Abdulrahman Najjar hilft den ausländischen Mietern der Wankendorfer.

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Der 28-jährige Abdulrahman Najjar ist für den Kreis Segeberg zuständig. Er ist ist die Idealbesetzung für den Job. Nach über zwei Jahren Aufenthalt in Deutschland hat er in extrem kurzer Zeit gut deutsch gelernt, kann auch englisch. Und das Wichtigste, er kann mit den Leuten, ist — wie man so schön sagt — ein positiver Typ.

Gibt es Probleme, fragt er zu Besuch in der Ostlandstraße auf arabisch, schiebt eine Hausordnung über den Couchtisch. Die Hausfrau winkt resolut ab, das kenne sie alles. Auch die Mülltrennung funktioniere. Nur wohin mit der großen Glasscheibe eines ausgedienten Tisches? In den Glascontainer? Das ist eher Sperrmüll, hilft der Dolmetscher. Es sind kleine Dinge, die Riesenprobleme machen.

Der Hund von nebenan, der allen Angst macht. Der erwachsene Sohn wünscht sich einen Kellerschlüssel, um sein Fahrrad einschließen zu können. Fünf Räder seien ihm schon gestohlen worden, trotz Fahrradschlosses. Seit September 2015 wohnt die Familie in dem Haus an der Ostlandstraße. Sie sind Flüchtlinge, haben von Abdulrahman Najjar gelernt, dass man nachts nicht den Staubsauger anwirft.

Wichtig sei auch regelmäßiges Lüften, erzählt Najjar. Die Wohnungen seien hier anders als in Syrien.

Er ist in Vollzeit bei der Wankendorfer angestellt, ist Vermittler, Seelentröster, meldet den Hausmeistern die Schadensmeldungen, steht im Kontakt mit dem Sozialamt der Stadt. Meist hat er mit Familien und Wohngemeinschaften zu tun, es sind noch nicht anerkannte Asylbewerber. Die immer gleichen Sorgen drücken sie. Die Angst, in Untätigkeit den Anschluss zu verlieren, kein Deutsch zu lernen mangels Kursangebote. Die syrische Mutter möchte an einen Alphabetisierungskursus teilnehmen, es gibt keinen Platz. Lehrer fehlen hier.

Abdulrahman Najjar selbst hat in Deutschland Anschluss über den Sport gefunden. Schon in Syrien spielte er Basketball, jetzt ist er Korbjäger beim MTV Segeberg. „Ich war der einzige Ausländer in der Mannschaft, da lernt man ganz schnell die Sprache.“ Der studierte Betriebswirt, der in Damaskus einen Computerladen führte, weiß seine ganze Familie, ja die Großfamilien in Sicherheit. Er kann die Sorgen der Neuankömmlinge nachvollziehen: „Es war auch schwer für mich, anfangs gab es keine arabischen Leute, ich hatte einen Nachbarn in Trappenkamp, der hat den Verein für mich gefunden.“ Deutsch hatte er selbst vor allem in einem Kursus der Wirtschaftsakademie gelernt. Jetzt hat er den Job, wohnt in einer kleiner Wohnung in der Südstadt und wurde in kurzer Zeit bekannt wie ein bunter Hund.

Nur in einem Fall sei er bislang nicht in eine Wohnung hineingelassen worden, berichtet er. Sonst sei er als Dolmetscher der Wankendorfer immer willkommen. Die Wohnungen, in denen Familien aus Syrien, Irak oder Afghanistan lebten, seien durchweg top gepflegt. Es hapert nur, wenn Männer in Wohngemeinschaften oder alleine lebten. Aber da will der diskrete Najjar den Reporter nicht hinführen.

Stattdessen zu Krawan Akrawi in der Falkenburger. Wieder steht Tee auf dem Tisch. Vater von zwei kleinen Kindern, Couch und Tisch sichtlich abgewetzt vom Sperrmüll, aber top sauber. „Er ist sehr dankbar, die Nachbarschaft sei nett, würde viel helfen“, übersetzt Najjar. „Hauptsache Sicherheit!“ Sechs Monate sei die Familie in Bad Segeberg. Zu gerne würde der Vater Deutschkurse belegen, aber es gebe keine Lehrer, berichtet der Iraker. Und arbeiten würde er gerne. Er könne vieles, ja fast alles, ein Allrounder. „Wir sind so“, sagt Abdulrahman Najjar und lächelt etwas stolz.

Hier können Sie helfen

Wer sich für Flüchtlinge engagieren möchte, kann sich an Leeza Lorenz wenden. Sie ist Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche beim Kreis Segeberg, hat Kontakt zu gut 300 Flüchtlingshelfern in mehreren Helferkreisen und kann weitere Kontakte vermitteln. Zu erreichen ist Lorenz unter ☎ 04551/951762 oder per E-Mail: Leeza.Lorenz@kreis-se.de

Weitere Kontakte:

Wahlstedt: E-Mail: fluechtlinge@wahlstedt.de

Trappenkamp : Harald Krille, ☎ 04323/91 4116

Amt Itzstedt: Silke Telemann, ☎ 04535/509-174.

Amt Leezen: Holger Pirdzuhn, ☎ 04552/997727.

Verein „Alleineinboot“: E-Mail info@alleineinboot.com; Internet: www.alleineinboot.com

DRK-Kreisverband Segeberg , Telefon 04551/99211, www.drk-segeberg.de; info@drk-segeberg.de

Verein Willkommen in Boostedt , E-Mail: info@willkommen-in-boostedt.de; Internet: www.willkommen-in-boostedt.de

Von Wolfgang Glombik

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