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Dolmetscherin entlassen, weil sie helfen wollte?

Bad Segeberg Dolmetscherin entlassen, weil sie helfen wollte?

Korruptionsfall: Übersetzerin verlor ihren Job in DRK-Flüchtlingsunterkunft, nachdem sie Anschuldigungen gegen Asylberater erhob. Jetzt spricht eine Dolmetscherin der Schackendorfer Gemeinschaftsunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes.

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Quelle: Archiv

Bad Segeberg. Der Fall um die Korruptionsvorwürfe gegen einen Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Kreises Segeberg (die LN berichteten) zieht weitere Kreise: Jetzt spricht eine Dolmetscherin der Schackendorfer Gemeinschaftsunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes. Sie bestätigt die Aussagen der syrischen Familie und erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber: „Als ich der Leiterin der Unterkunft von den Anschuldigungen der Familie gegen den Kreismitarbeiter berichtete, wurde ich entlassen.“ Das DRK weist diese Behauptung zurück.

Am Wochenende wurden Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei gegen einen 38-jährigen Berater der Ausländerbehörde des Kreises Segeberg bekannt. Eine aus Syrien stammende Familie hatte Strafanzeige wegen Nötigung und Bedrohung erstattet und den Kreismitarbeiter beschuldigt, Geld für die Unterbringung aller sieben Angehörigen in einer Wohnung verlangt zu haben. Der Beschuldigte soll die Familie dabei massiv unter Druck gesetzt haben. Nach Aussagen der Mutter habe er gedroht, dafür zu sorgen, dass die Familie keinen Aufenthaltsstatus bekommt.

Gestützt werden die Aussagen der Flüchtlingsfamilie von einer sogenannten Sprachmittlerin. Die 34-Jährige war seit dem 7. März in der Schackendorfer DRK-Unterkunft beschäftigt. Am 11. März zog die syrische Familie die junge Frau ins Vertrauen und berichtete ihr von den Vorfällen. Für die 34-Jährige blieb das nicht folgenlos. „Als ich durch Übersetzungsarbeit Zeugin einer Nötigung-, Bedrohungs- beziehungsweise Korruptionsangelegenheit eines arabischstämmigen Kreismitarbeiters zum Nachteil einer Flüchtlingsfamilie wurde, sprach die Heimleiterin in Schackendorf mir die mündliche Kündigung aus“, schreibt die 34-Jährige in einem Brief an den DRK-Landesverband. Dazu folgten ein Kontaktverbot zur betroffenen Flüchtlingsfamilie sowie ein Hausverbot.

Auf Nachfrage sagt die gekündigte DRK-Mitarbeiterin, die sich seit Jahren ehrenamtlich in sozialen Projekten engagiert, sie sei „zutiefst erschrocken“ über das Verhalten des DRK: „Als ich bei der Leiterin des Heimes von den Vorwürfen berichtete, behauptete sie mir gegenüber, dass die Familie lüge. Überdies habe das DRK den Auftrag für das Betreiben der Unterkunft vom Kreis Segeberg erhalten, da könne man nun nicht solche Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter erheben.“ Nach der Strafanzeige der syrischen Familie gegen den Mitarbeiter der Ausländerbehörde ist die 34-Jährige bereits von der Polizei in Kiel vernommen worden.

Torsten Geerdts, DRK-Landesgeschäftsführer, will sich zu dem Fall nicht äußern, verweist „zuständigkeitshalber“ an den Segeberger Kreisvorstand Stefan Gerke. Dieser teilt schriftlich mit: „Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses steht in keinem Zusammenhang mit den beschriebenen strafrechtlichen Ermittlungen.“ Zu den Hintergründen werde sich das DRK aber nicht äußern.

Auch die Frage, ob das DRK Segeberg von den Anschuldigungen gegen den Mitarbeiter des Kreises gewusst habe oder den Aussagen der betroffenen Familie und der ehemaligen Dolmetscherin, dass die Leiterin der Schackendorfer Unterkunft über die Vorwürfe informiert worden war, will Gerke wegen „laufender strafrechtlicher Ermittlungen“ nicht beantworten.

Ein Sprecher von Landrat Jan Peter Schröder (parteilos) wollte auf LN-Anfrage „aus Gründen des Personaldatenschutzes und des Schutzes von Persönlichkeitsrechten sowie unter Berücksichtigung der Unschuldsvermutung gegenwärtig keine Auskünfte erteilen“.

Die geflüchtete Familie stammt ursprünglich aus Aleppo. „Ich bin im Herbst 2015 gemeinsam mit meiner Familie aus dem Bürgerkriegsland nach Deutschland geflohen, am 11. Dezember 2015 habe ich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster einen Asylantrag gestellt“, berichtet die Mutter. Zunächst war die siebenköpfige Familie in Lütjenburg untergebracht, Anfang März wurden sie nach Segeberg weiter vermittelt.

 bas

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