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Segeberg Dorfputz — auch Flüchtlinge machten mit
Lokales Segeberg Dorfputz — auch Flüchtlinge machten mit
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20:44 20.03.2016
In Klein Rönnau war die Beteiligung am Dorfputz groß. Angemeldet hatten sich 73 Helfer. Unterwegs kamen spontan weitere hinzu. Quelle: Fotos: Petra Dreu

„Viele Hände machen schnell ein Ende“: Mit genau diesen Worten hatte Sabine Jürgens der afghanischen Familie, die sie betreut, klar gemacht, dass der Dorfputz eine Gemeinschaftsarbeit ist und dass je mehr Einwohner mit Zange und Abfallsack losziehen, umso schneller alles wieder sauber ist. Dabei war die Anzahl der Beteiligten so groß wie schon lange nicht mehr: 73 Voranmeldungen waren bei Bürgermeister Dietrich Herms eingegangen, weitere Menschen schlossen sich unterwegs spontan den einzelnen Gruppen an.

Für sie war das eine ganz neue Erfahrung / In Klein Rönnau sammelten rund 80 Bürger Müll und Unrat.

Im Deutschunterricht hatten die freiwilligen Helfer mit ihren Zöglingen den Zettel übersetzt, auf dem der Aufruf zum Dorfputz stand. Aber selbst mit Übersetzung war eine solche Gemeinschaftsaktion Neuland für den armenischen Feuerwehr-Anwärter Caro und sechs weitere Asylbewerber aus Syrien und Afghanistan. In Kabul, der afghanischen Heimatstadt von Mobina (12), gibt es solche Aktionen nicht.

Nicht anders ist es auf den Dörfern. „Auch dort kommen Firmen hin, die alles sauber halten“, erzählt die junge Afghanin, die erst seit acht Monaten in Klein Rönnau wohnt. Ihre Mutter und zwei Geschwister hat sie zum Dorfputz mitgebracht.

Aber auch in Damaskus, der Heimatstadt der jungen syrischen Frau Rand (20), sind gemeinsame Aktionen wie ein Dorfputz unbekannt. „Zum Saubermachen kommen Firmen“, erzählt Rand, die im Haus von Sabine Jürgens wohnt. Nicht nur dort wird sie dazu verdonnert Deutsch zu sprechen, Rand nimmt auch an einem Sprachkursus der Volkshochschule teil, und den Deutschunterricht von Monika Rybka im Haus Rönnau lässt sie sich ebenfalls nicht entgehen. Rand hat ein Ziel: „Wenn ich die Sprache gut genug kann, möchte ich gerne eine Ausbildung machen. Altenpflegerin würde mich interessieren“, erzählt die junge Syrerin.

Neben vielen Flaschen, Plastik, Pizzakartons, einem alten Gartenstuhl, Medikamenten, Haarspray, einem halben Personalausweis, einem CD-Player und diversen Radkappen haben die fleißigen Helfer auch einen toten Marder gefunden. Etwas verwundert waren die Helfer, als sie auf dem Stipsdorfer Weg angekommen waren. Von der Badestelle bis zur Gemeindegrenze nämlich hatte sich jemand die Mühe gemacht, eine ganzes Arsenal an Wodkaflaschen kopfüber auf Sträucher zu drapieren. Darüber hinaus holten sie massenweise vollgeschieterte Hundekotbeutel aus den Knicks. „Genau deshalb weigere ich mich, Beutelspender für Klein Rönnau zu kaufen. Wenn die Hunde in den Knick machen, ist ihre Hinterlassenschaft nach kurzer Zeit verrottet. In Plastikbeuteln aber hält sich das ewig“, ärgert sich Bürgermeister Dietrich Herms, der alle Helfer nach getaner Arbeit zu einer Gemüsesuppe mit Rindfleisch eingeladen hatte. Für die Kinder gab es Spaghetti mit Tomatensoße und jede Menge Lob.

Hier wird noch geputzt

An diesem Wochenende waren in vielen Gemeinden Menschen mit Trecker und Mülltüten unterwegs, um das Dorf wieder sauber zu machen und anschließend bei einer deftigen Suppe zu einem Klönschnack zusammenzukommen. In einigen Gemeinden findet der Dorfputz erst später statt, unter anderem in Eilsdorf (28. März), Reinsbek (29. März) . Die Gönnebeker sind erst am 2. April dran, die Blunker am 3.

April, und die Westerrade ziehen am 16. April mit den Tüten los. pd

Von Petra Dreu

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