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Drei Ärztinnen gegen die China-Seuche

Bad Segeberg Drei Ärztinnen gegen die China-Seuche

Ein reges Kommen und Gehen, am Freitag bei den Tierärztinnen in der Ziegelstraße: Sie hatten einen Impfstoff, den nicht jeder haben darf.

Dorothee Tamm (Travenbrück,Mitte) ließ ihren „Kalle“ von Roschana Wilms und Dr. Tanja Barth impfen.

Quelle: Kullack

Bad Segeberg. Ein gefährliches, ein in den meisten Fällen tödliches Virus. Und der einzig wirksame Impfstoff dagegen ist nur im Ausland erhältlich und darf in Deutschland nur mit Sondergenehmigung verabreicht werden? Unmöglich, denkt man, ginge es hier um den Menschen. Die Rede aber ist vom Virus RHDV-2, Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD), oder kurz China-Seuche genannt. Kaninchen sterben in der Regel daran. Die Bad Segeberger Kleintierpraxis Barth, Lensch und Schroedter in der Ziegelstraße hatte gestern Impftag – und die besorgten Kaninchenbesitzer gaben sich die Klinke in die Hand. Über zwei Stunden lang, bis die Ampulle aufgebraucht war.

Am Dienstag geht’s weiter

Auch am Dienstag, 6. September, werden in der Kleintierpraxis Barth, Lensch und Schroedter wieder Kaninchen gegen das Virus RHDV-2 geimpft. Pro Impfung kostet es 25 Euro.

Anmeldungen unter www.praxisfuerkleintiere.de

Auch einige andere Tierärzte haben den Impfstoff, zum Beispiel Nadine Schröder in Ellerau unter www.tierarzt-in-ellerau.de

Dass es bei der China-Seuche nicht um Panikmache geht, sondern dass RHDV-2 eine höchst gefährliche Krankheit ist, konnten manche der Kaninchenbesitzer, die gestern nach Bad Segeberg kamen, selbst belegen. Lisbeth Nehlsen etwa war den ganzen weiten Weg vom 90 Kilometer entfernten Heringsdorf hergefahren. Sie hatte in den LN nicht allein von Züchter Theodor Lehmberg aus Dahme gelesen, dem 28 Kaninchen gestorben waren, sie weiß auch vom sieben Kilometer entfernten Nachbarort Fargemiel, dass dort von 60 Kaninchen nur drei überlebt hätten.

So kam Lisbeth Nehlsen gleich mit vier Kaninchen nach Bad Segeberg. „Dropsi“ brachte sie mit sowie drei andere Tiere, die ebenfalls geimpft werden sollten. „Das ist hier sowieso die beste Kleintierpraxis im ganzen Land“, sagt die Heringsdorferin, die nicht nur dann ins Drei-Frauen-Haus Barth, Lensch und Schroedter fährt, wenn eine gefährliche Seuche wütet. „Auch sonst kümmert man sich hier vorbildhaft um die Tiere.“

Fast jeder der Patienten, die gestern Nachmittag für ihre Lieblinge eine der 50 Impfungen (mehr gibt eine Ampulle nicht her, am Dienstag folgt die zweite) abholten, hatte eine besondere Geschichte zu erzählen. Larissa Kuchta aus Stockelsdorf zum Beispiel. Sie kam mit „Hühnchen“, einem Fundkaninchen, das man aufgrund seines wuscheligen Äußeren vielleicht besser „Lämmchen“ hätte taufen sollen.

„Hühnchen“ war ein trächtiges Findelweibchen, das Larissa Kuchta mitten in der ostholsteinischen Gemeinde gefunden hatte. Was kam dabei heraus? Ein Wurf von elf gesunden Kaninchenbabys. „Alle haben wir durchgebracht, und nun soll eine Seuche die Tiere dahinraffen?“, fragte die Stockelsdorferin und machte sich kurzentschlossen auf den Weg nach Bad Segeberg, nachdem sie in den LN von der Seuche und den Impfmöglichkeiten gelesen hatte.

Die China-Seuche wird vom Kaninchenbesitzer meist an keinerlei Anzeichen erkannt – die Tiere liegen plötzlich tot da, innerlich verblutet oder erstickt. Die Seuche wurde erstmals 1984 in China beobachtet (daher ihr weit verbreiteter Name) und kam bereits 1988 nach Deutschland. Erkrankten anfangs vor allem Zucht- und Wildkaninchen, werden jetzt zunehmend Hauskaninchen in Norddeutschland befallen, haben die drei Segeberger Tierärztinnen beobachtet. Den Impfstoff vom Umweltministerium bewilligt zu bekommen, sei ein großer Verwaltungsakt gewesen, sagt Dr. Tanja Barth. Zur Not hilft auch eine doppelte Impfung mit dem in Deutschland zugelassenen Wirkstoff gegen Typ 1. Das biete aber nur einen 90prozentigen Schutz gegen die China-Seuche, heißt es im Kreisgesundheitsamt.

 Lothar Hermann Kullack

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