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Dreifacher Mordversuch: Psychiatrie für 19-Jährigen?

Erster Prozesstag Dreifacher Mordversuch: Psychiatrie für 19-Jährigen?

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt das Landgericht Kiel seit Dienstag gegen einen 19-jährigen Pronstorfer. „Aus Wut und Hass“ soll er mit Axt und Messer auf seine Eltern und den jüngeren Bruder losgegangen sein. Ihm droht die Unterbringung in der Psychiatrie.

Ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften war am Abend des Familiendramas in der Gemeinde Pronstorf im Einsatz.

Quelle: Petra Dreu

Kiel/Pronstorf. In Handschellen wird der große, hager wirkende Angeklagte in Saal 137 geführt. Seit dem Gewaltausbruch am 20. März sitzt Karsten T. (Name geändert) in Untersuchungshaft. Körperliche Misshandlung und versuchter Mord in drei Fällen werden ihm vorgeworfen. Die Verteidigung kündigt ein Geständnis ihres Mandanten an.

LN-Bild

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt das Landgericht Kiel seit Dienstag gegen einen 19-jährigen Pronstorfer. „Aus Wut und Hass“ soll er mit Axt und Messer auf seine Eltern und den jüngeren Bruder losgegangen sein. Ihm droht die Unterbringung in der Psychiatrie.

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„Aus Wut und Hass wollte er seine Eltern und den Bruder töten. Er fühlte sich ungeliebt und zurückgesetzt." Barbara Westermeyer, Staatsanwältin

Das Familiendrama beginnt laut Staatsanwältin mit einem Streit unter Geschwistern. Verärgert über die Internetverbindung soll T. zunächst einen Böller in das Zimmer seines jüngeren Bruders geworfen haben. Dann habe der Angeklagte den Arm des damals 16-Jährigen herumgerissen, seinen Bruder auf den Schreibtisch gedrückt und mit Faustschlägen traktiert. Als sein Opfer schließlich am Boden kniet, soll T. seinem Bruder noch mehrfach gegen den Kopf getreten und geschlagen haben. „Dann verließ er das Zimmer“, so Staatsanwältin Barbara Westermeyer. Zurück in seinem Zimmer soll sich T. ein Messer mit einer elf Zentimeter langen Klinge in die Hosentasche gesteckt haben – falls es nochmal Ärger mit dem Bruder geben sollte.

Als am frühen Abend der Vater nach Hause kommt, konfrontiert er seinen Sohn gegen 18.30 Uhr und fordert die Herausgabe der restlichen Böller. T. soll sie in einen Eimer werfen und mit Wasser übergießen. Wütend geht der Angeklagte daraufhin in den Schuppen und holt sich eine Axt, um seine Familie zu töten, schildert die Anklage das weitere Geschehen. T. habe sich ungeliebt und zurückgesetzt gefühlt gegenüber dem jüngeren Bruder. Zurück im Haus trifft T. dann in der Küche zunächst auf seine Mutter und schlägt ihr die Axt ins Gesicht. Er trifft sie oberhalb der linken Augenbraue und verletzt sie massiv im Gesicht.

Als Vater und Bruder versuchen, T. zu entwaffnen, wird auch der jüngere Bruder am Bein mit der Axt getroffen. Den beiden gelingt es zwar, T. die Axt zu entreißen, dieser aber soll dann sein Messer gezogen haben. Laut Anklage sticht er dem Vater in die Brust und trifft die Lunge des 52-Jährigen. Trotz der Verletzungen gelingt es den beiden, T. in sein Zimmer zu drängen. Als der Vater seinen 19-jährigen Sohn auf das Bett drückt und ihn mit den Knien auf dessen Oberkörper fixieren will, greift der Jugendliche nach einem Messer auf dem Nachttisch und sticht erneut zu, verletzt den Vater mehrfach am Oberarm und im Achselbereich. Dabei habe T. geschrien, dass er sie alle hasse und umbringen wolle, heißt es in der Anklage.

Schwer verletzt flüchten der 52-Jährige und der jüngere Sohn schließlich aus dem Zimmer, um den unberechenbaren T. dort einzuschließen. Der 16-Jährige ruft die Polizei. Doch T. entkommt durch das Fenster, bewaffnet mit einem Reiterbogen und vier Pfeilen mit Eisenspitze.

Mit einem Großaufgebot fahndet die Polizei mit Suchhunden und einem Hubschrauber nach dem Flüchtigen – währenddessen die Eltern notoperiert werden. Anwohner werden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Nach stundenlanger, aber erfolgloser Suche stellt sich der Gesuchte schließlich selbst auf der Davidwache in Hamburg.

„Soweit er sich erinnert“, kündigt Verteidigerin Anika Kiep ein Geständnis ihres Mandanten an. Sie beantragt zudem den Ausschluss der Öffentlichkeit. Das sei schon deshalb möglich, weil es in dem Verfahren auch darum geht, ob T. aufgrund einer schweren Persönlichkeitsstörung in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden müsse, erklärt der Vorsitzende Richter Stefan Becker. Zudem würden im Verfahren intimste Familienverhältnisse eine Rolle spielen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits in der Anklageverlesung davon gesprochen, dass die Fähigkeit des Angeklagten, sein Unrecht zu erkennen, aufgrund einer „seelischen Abartigkeit“ vermindert sein könnte.

Bis zur Urteilsverkündung wird also in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt. Angesetzt sind sieben Prozesstage.

 Nadine Materne

 

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