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Segeberg Droht ein Spardiktat für die Offenen Ganztagsschulen?
Lokales Segeberg Droht ein Spardiktat für die Offenen Ganztagsschulen?
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11:45 07.06.2016
„Wir müssen an die Elternbeiträge ’ran, die Zuschüsse für die Offene Ganztagsschule laufen aus dem Ruder.“ Hans-Heinrich Jaacks, Schulverband

Zu teuer: Der Schulverband will die Notbremse ziehen. Über Jahre wurde die Offene Ganztagsschule in den Schulen des Schulverbandes Bad Segeberg nach Kräften gefördert, sie galt gar als Aushängeschild, ja als wichtiger wirtschaftlicher Standortvorteil, damit Eltern ihre Berufstätigkeit nicht aufgeben müssen, wenn ihre Kinder aus der umfassenden Betreuung der Kitas an die Grundschule wechseln. Eine flexible Rund-um-die-Uhr-Betreuung wie manche Kindergärten können Schulen nicht bieten. Da ist die Offene Ganztagsschule die einzige Chance vor allem für Alleinerziehende, berufstätig bleiben zu können.

Doch jetzt steigen die Zuschüsse für die Offene Ganztagsschule beim Schulverband Bad Segeberg von 295470 Euro in 2015 auf 357000 in diesem Jahr auf eine Rekordsumme. „Das sind fast zehn Prozent der Schulverbandsumlage, das können wir auf Dauer nicht halten“, erklärte Hauptausschussvorsitzender Hans-Heinrich Jaacks. Er sprach im Ausschuss gar von einem steigenden „Anspruchsdenken der Eltern“. Sei das unbegrenzt erweiterbar? „Es läuft aus dem Ruder, weil wir es nicht mehr stoppen können.“ Sein Resümee klang dramatisch.

Er forderte dazu auf, an „verschiedenen Stellschrauben zu drehen. Über Einsparmöglichkeiten, Erhöhungen von Elternbeiträgen und größere Gruppen soll jetzt ein Gremium, bestehend aus Schulleitern, OGS-Koordinatoren und Politikern, verhandeln. Der Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg (VJKA), der die OGS-Arbeit organisiert, sei selbst in finanzielle Schieflage geraten, Mitarbeiter mussten auf ihr Weihnachtsgeld verzichten, hob der Verbandsvorsteher, Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld, hervor. Wie am Sonntag berichtet, möchte sich nun der Schulverband wegen drohender hoher Mehrkosten nicht noch eine weitere Offene Ganztagsschule an der Heinrich-Rantzau-Schule ans Bein binden und verfolgt die Idee deshalb betont halbherzig. Für Schönfeld steht jetzt das Land im Fokus, das sich seit Jahren weigere, zum Beispiel an der Franz-Claudius-Schule eine gebundene Ganztagsschule einzurichten. Für diese verpflichtende Ganztagsschule müsste allein das Land die Kosten tragen. Aber zwei Interessenbekundungen ihrer Schule dafür seien gescheitert, berichtete Schulleiterin Göntje Braren. Das Einzugsgebiet der Grund- und Förderschule in der Südstadt ist für die Landesbehörde kein sozialer Brennpunkt – eine Voraussetzung, damit sich das Land hier engagiere.

Schönfeld warnte davor, den Betrieb der Offenen Ganztagsschulen per Kredit zu bezahlen. Er sprach gar „vom Aufnahmestopp als Notwehrmaßnahme, weil wir das finanziell nicht mehr schaffen“. Nun will der Schulverband eine Resolution an das Land verabschieden. Darin soll Kiel aufgefordert werden, selbst eine Ganztagsschule in Bad Segeberg zu gründen, die auch mit Landesmitteln finanziert werde.

Ziel müsse es sein, die Spielregeln zu ändern, dass auch in Kommunen mit vielen kleinen Schulen derartiges möglich werde. Ob die Resolution beim Land jemanden aufregt, ist eher unwahrscheinlich.

CDU-Politikerin Ursula Michalak schlug vor, den einzelnen Schulen für ihre Offene Ganztagsschule seitens des Schulverbandes ein festes Budget zuzuteilen. Die Schulen könnten sich dann selbst Gedanken machen, wie sie mit dem Geld kostengünstige Schülerbetreuung organisieren.

 Wolfgang Glombik

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