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Segeberg Durch Großfeuer Zuhause verloren
Lokales Segeberg Durch Großfeuer Zuhause verloren
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09:47 19.12.2017
In der Nacht zu Montag wurden zahlreiche Wehren aus der Umgebung von Schieren zu einem Großbrand gerufen. In einem Geräteschuppen (links) war ein Feuer ausgebrochen, das sich schnell auf die Obergeschosse der angrenzenden Wohnhäuser ausbreitete. Quelle: Foto: Glombik
Schieren

Eine Familie steht kurz vor Weihnachten vor dem Nichts. Gestern Vormittag im Kuhlstücken, einer kleinen Sackgasse in Schieren: Vater, Mutter, Großvater holen sich sichtlich erschüttert aus ihren Wohnungen Unterlagen, Familienpapiere, wenige Habseligkeiten. Sie konnten nur das retten, was sie am Leibe trugen. „Es ist so, wie es ist“, meint der sichtlich angefasste ältere Herr tapfer zu den Feuerwehrmännern, die Brandwache halten. Er zwingt sich zu einem Lächeln. „Das Wichtigste ist doch: Wir sind hier alle heil herausgekommen.“ Auch die vier Kinder der Familie im Alter von zehn bis 16 Jahren haben nichts Ernsthaftes davongetragen. Sie seien im Klinikum Lübeck mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung untersucht worden.

Diese Nacht wird das 280-Seelen-Dorf Schieren so schnell nicht vergessen: Zusammen sind die Feuerwehren Schieren und Stipsdorf als erste am Brandort. Ein Holzschuppen steht in Flammen, das Feuer hat sich schon seinen Weg zu den zwei anliegenden Einfamilienhäusern gebahnt. Die Stipsdorfer starten mit ihrem Tanklöschfahrzeug den ersten Angriff, berichtet Einsatzleiter Michael Mücke in der Nacht.

Gegen 1 Uhr nachts wurden am Montag die Menschen im Ostkreis durch Sirenen aufgeschreckt. Zwei mit einem Anbau verbundene Einfamilienhäuser in Schieren brannten lichterloh. Ein Großaufgebot an Feuerwehren kämpfte gegen die Flammen. Die beiden Häuser sind unbewohnbar.

Die Bewohner haben die Häuser schon aus eigener Kraft verlassen. Sie sind nicht schwer verletzt, sagt Mücke erleichtert. Die Wehr aus Schieren legt die ersten Schlauchleitungen. Insgesamt müssen zwei Leitungen über je 400 Meter und eine über einen halben Kilometer zu Löschteichen verlegt werden. „Wir wollen unbedingt eine weitere Ausbreitung des Brandes verhindern“, sagt Einsatzleiter Michael Mücke. Die Gefahr besteht, denn hier stehen Häuser und Schuppen eng bei eng.

Die Brandschützer müssen vorsichtig sein. Im brennenden Geräteschuppen entweicht aus erhitzten Gasflaschen zischend das Gas, auch ein Knall wie bei einer Explosion ist zu hören. Mit mehreren Atemschutztrupps versuchen die Feuerwehrmänner, über Steckleitern in den Obergeschossen das Feuer in den Zimmern zu bekämpfen. Doch die Flammen haben sich schon weit unter die Dächer der beiden Einfamilienhäuser „durchgefressen“, berichtet Mücke. Dichte Rauschschwaden werden in das Dorf geweht. Die Polizei fordert per Lautsprecher die Anwohner auf, ihre Fenster zu schließen.

Immer noch rollen Feuerwehrfahrzeuge ins Dorf. Per Digitalfunk können die Einsatzfahrzeuge abschnittsweise dirigiert werden, damit kein Chaos entsteht. Erst wird am Ortschild auf den Einsatzbefehl gewartet. Fast ein Wunder: Es kommt zu keinen Blockaden in den engen Straßen. Immerhin sind etwa 200 Feuerwehrleute aus der Umgebung zur Hilfe geeilt. Gegen 2 Uhr morgens rollt auch die Drehleiter der Bad Segeberger Feuerwehr ins Dorf. Überall wabert Qualm. Die Hausdächer werden geöffnet, jetzt kommt man endlich auch von oben an die Brandherde heran.

Die Hilfsbereitschaft im Dorf ist riesig. Nachts um zwei stehen ältere Damen mit gefüllten Thermoskannen in dem kleinen Wohngebiet, wo die Generatoren ohrenbetäubend laufen und Kommandos gebrüllt werden. „Möchte noch jemand Kaffee?“, ruft eine Frau zaghaft zu den Brandbekämpfern, die sich eine Pause gönnen dürfen. Es gibt Säfte, warme Suppe, belegte Brötchen. Um sieben Uhr morgens ist der Brand gelöscht. Mit dem Morgenlicht wird das ganze Ausmaß des Schadens deutlich. Beide Einfamilienhäuser sind unbewohnbar, ja vielleicht abrissreif.

Die Polizeiermittler untersuchen den Brandschutt am Holzschuppen. Dort entzündete sich das Feuer. Die Kriminalpolizei Bad Segeberg hat die Ermittlungen zur Brandursache und Sachschadenshöhe übernommen. Sie sucht Zeugen, die Hinweise auf die Brandentstehung liefern können. Derzeit lägen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.

Im Fokus steht jetzt aber die Familie, die alles verloren hat und derzeit bei Verwandten wohnt. Schon am Morgen habe es ein Hilfsangebot aus Stipsdorf gegeben, berichtet Schierens Bürgermeister Hans-Werner Schumacher. Er habe gleich eine Spendenaktion für die Familie initiiert. Die Resonanz sei schon jetzt sehr groß.

Ein Video dazu sehen Sie auf www.ln-online.de/segeberg

Hilfsaktion

Wer der Familie helfen möchte, kann das über ein Konto der Wählergemeinschaft „Wir für Schieren“ bei der VR Neumünster mit der Kontonummer DE65 21 29 0016 105 352 4010 unter Verwendungszweck „Schönert“. Spontan wurden im Dorf für die Familie bei Haussammlungen schon über 800 Euro gegeben. Auch Wehrführer Mücke ist stolz über die Hilfsbereitschaft in Schieren. „Hier klappt noch die Dorfgemeinschaft.“

 Wolfgang Glombik

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