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Segeberg Amtsausschuss Itzstedt bläht Gremien auf
Lokales Segeberg Amtsausschuss Itzstedt bläht Gremien auf
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15:02 09.11.2018
Der Leitende Verwaltungsbeamte Andreas Bigott (l.) verabschiedet den ehemaligen Amtsvorsteher Volker Bumann. Quelle: Irene Burow
Itzstedt

Der Amtsausschuss Itzstedt setzt noch einen drauf: Auch der vierte Termin brachte keinen neuen Amtsvorsteher hervor. Zumindest ist ein vages Einlenken erkennbar. „Ich habe nicht mehr mitgezählt, wie oft wir das Prozedere jetzt wiederholt haben“, sagte Helmut Thran (SPD) am Donnerstagabend nach dem ersten Wahlgang, bei dem CDU-Kandidat Jürgen Lamp erneut keine Zustimmung fand. „Es ist wichtig, dass wir möglichst schnell einen Amtsvorsteher wählen. Es ist klar, dass die CDU das Vorschlagsrecht hat. Wenn sie weiter darauf besteht, möchten wir darum bitten darüber nachzudenken, Bernhard Dwenger vorzuschlagen“, so Thran. Aus mehreren Fraktionen wisse er von Personen, die ihm ihre Stimme geben würden. Dwenger ist Bürgermeister von Kayhude.

Wie aus den Reihen des Publikums wiederholt zu vernehmen war, sei Jürgen Lamp offenbar nicht gewollt, weil er als Bürgermeister von Tangstedt die Gemeinde aus dem Amt Itzstedt herauslösen wolle – um sich Norderstedt zuzuwenden. „Das hat er vor der Kommunalwahl behauptet und später wieder zurückgenommen. Aber das glaubt jetzt natürlich niemand mehr“, hieß es.

CDU begrüßt den Vorschlag

Helmut Thran betonte außerdem: „Nach dem Gesetz sind wir souverän. Es sollte keiner von außen bestimmen, wie wir wählen und abstimmen.“ Zu befürchten haben die Kommunalpolitiker ein Einschreiten der Kommunalaufsicht, wenn das Hickhack so weitergeht. Die fraktionsstärkste CDU kommt mit ihrem Kandidaten seit Juli nicht gegen die Mehrheit von SPD, Grüne, FDP und Wählergemeinschaften an. Keine Seite wollte bisher einlenken.

Die CDU begrüßte den neuen Vorschlag. Kommt jetzt Bewegung in die Sache? „Wir möchten das in Ruhe beraten“, sagte Arne Müssig (CDU) am Donnerstagabend, „und jetzt mit der Sacharbeit fortfahren“.

Ausschüsse aufgebläht

Einen langen Atem müssen die Itzstedter ohnehin schon beweisen, wenn es um die im Land einmalige Situation geht. Statt dieses Problem nun endlich pragmatisch zu beenden, legte der Amtsausschuss noch nach. So wurde infolge eines CDU-Antrags beschlossen, dass in Zukunft in allen Fachausschüssen statt sieben Mitglieder zehn sitzen. Mit knappem Ergebnis: 37 Ja-Stimmen, 35 Nein-Stimmen und eine Enthaltung (entspricht drei Stimmen). Im personell aufgeblähten Umweltausschuss, Finanz- und Prüfungsausschuss sowie im neuen Bauausschuss haben sich dadurch die Mehrheitsverhältnisse verschoben. Die SPD und kleineren Fraktionen hatten zuvor bei sieben Sitzen eine Stimme mehr als die CDU. Bei jetzt zehn Sitzen entsteht eine Patt-Situation von fünf zu fünf.

Patt-Situation geht weiter

Die Diskussion half nichts: „Es ist nicht akzeptabel, dass wir gegen den Wählerwillen die Mehrheiten verschieben“, appellierte Bodo Nagel (WGO) noch. „Wir sind in den Ausschüssen immer um Einigung bemüht. Die Empfehlungen werden im Amtsausschuss oft abgesegnet. So aber haben wir immer eine Patt-Situation. Das ist kein Weg, um die Arbeit pragmatisch voranzutreiben“, sagte auch Marc-André Ehlers (SPD). „Am Ende des Protokolls wird immer stehen, dass keine Entscheidung getroffen werden konnte. Und wir holen im Amtsausschuss alle Diskussionen nach.“ Helmut Thran: „Damit werden aus 24 Ausschusssitzen 41. Muss das wirklich sein?“ Es sei nicht nur eine finanzielle Frage.

Ergo: Die Fachausschüsse, die bisher die Hauptarbeit geleistet haben und Empfehlungen aussprachen, sind absehbar handlungsunfähig – obwohl sie mehr Mitglieder haben und den Bürger mehr kosten. Es dürfte eine zähe Wahlperiode für die 13 000 Menschen im Amt Itzstedt bleiben.

Bumann verabschiedet

Dabei ging die Verabschiedung des alten und zwangsläufig weiterhin eingesetzten Amtsvorstehers Volker Bumann, der seit Juli gern schon mehr Zeit mit seiner Familie verbracht hätte, beinahe unter. „Er ist eine Persönlichkeit, die Autorität genießt, aber auch immer empathisch gegenüber den Bürgern war“, sagte der Leitende Verwaltungsbeamte Andreas Bigott. „Er hat fast alles im Leben erreicht, beruflich wie auch familiär. Diese Zufriedenheit hat er auf andere übertragen.“ Für ihn und andere sei er ein Vorbild, dessen Herz für die Familie und Allgemeinheit schlage. „Mit Verstand, Strategie und Taktik, aber immer auch mit einem verschmitzten Lächeln hat er es geschafft, die Menschen zu vereinen“, so Bigott. „Es war eine wirklich schöne Zeit. Wir werden Sie nicht so schnell vergessen.“ Bumann freut sich auf seine acht Enkelkinder. Und ist zuversichtlich, dass er beim nächsten Termin offiziell als Amtsvorsteher abgelöst wird.

Irene Burow

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