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Segeberg Echte Kerzen: Ein zu großes Risiko?
Lokales Segeberg Echte Kerzen: Ein zu großes Risiko?
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20:48 22.12.2017
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Bad Segeberg

So heimelig und friedlich der von Wachskerzen illuminierte Tannenbaum auch wirken mag. Welche Katastrophen brennende Kerzen in Kombination mit Unachtsamkeit anzurichten imstande sind, dürfte gerade den Bad Segebergern in schmerzhafter Erinnerung sein: Während eines Krippenspiels am Heiligen Abend 2011 in der katholischen Johanneskirche hatte das Kostüm einer als Lämmchen verkleideten Siebenjährigen an einem umgestürzten Teelicht plötzlich Feuer gefangen. Das Mädchen überlebte das Unglück damals nur knapp und musste eine schwere Zeit durchschreiten, um wieder den Weg zurück ins Leben zu finden. Noch immer ist der Schatten, den das Unglück damals über das Weihnachtsfest der Gemeinde gelegt hat, nicht ganz verflogen.

Bad Segeberg In vielen Familien fast eine Glaubensfrage: echte Kerzen am Baum oder doch lieber eine Lichterkette? Vom Standpunkt der Sicherheit aus betrachtet, gibt es darauf eigentlich nur eine Antwort, sind sich Brandschutz-Experten einig. Denn offenes Feuer bedeutet immer ein Risiko.

Adelheid Gottwald, die vor Kurzem von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Vorsitzende der Norderstedter Paulinchen-Initiative für brandverletzte Kinder, hat nicht nur wegen dieses Unglücks eine klare Präferenz für die Weihnachtsbeleuchtung: „Wenn Kinder dabei sind, ist eine Lichterkette immer die sicherere Wahl.“ Kinder gingen nun mal nicht immer mit allergrößter Vorsicht vor, vergessen beim Spielen die zuvor gehörten Ermahnungen auch mal. Ebenso seien Kerzen auf dem Esstisch bei Anwesenheit von Kindern keine gute Idee. „Aus Unachtsamkeit fassen sie leicht mal über die brennende Kerze, sodass die Kleidung Feuer fangen kann“, sagt Gottwald.

Dass Kerzen in der Advents- und Weihnachtszeit für die meisten selbstverständlich dazu gehören, ist Gottwald natürlich bewusst. Daher gelte es, bestimmte Regeln zu beachten: Feuerzeuge und Streichhölzer dürfen niemals ohne Aufsicht von Erwachsenen in Kinderhände gelangen. Und nicht einmal für kurze Zeit sollten Kinder mit brennenden Kerzen allein im Raum sein. Wenn Kinder Kerzen anzünden möchten, dann auch das nur unter erwachsener Aufsicht. Dass Erwachsene zudem nicht herumkokeln sollten, schon gar nicht wenn Kinder zusehen, verstehe sich ebenfalls von selbst. „Mit gutem Beispiel vorangehen, ist das A und O“, sagt Gottwald.

Bei Bad Segebergs Feuerwehrchef Mark Zielinski zu Hause gibt es aus langer Berufserfahrung schon lange keine echten Kerzen am Weihnachtsbaum mehr, er benutzt nur noch Lichterketten. „Mit einem GS-Prüfzeichen. Darauf sollte man beim Kauf auch immer achten“, rät Zielinski. Denn schlecht verarbeiteter Lichterschmuck berge ebenfalls ein hohes Risiko von Bränden, Stromschlägen oder beidem.

Erfüllt die Kette aber diese Voraussetzung, sei sie in punkto Sicherheit echten Wachskerzen vorzuziehen. Denn das „offene Feuer“ ist in der Brandursachenstatistik Schleswig-Holstein für vier Prozent aller Brände verantwortlich.

Zielinski will sich trotzdem nicht für einen Totalverzicht auf echte Kerzen aussprechen, zumal sie in vielen Familien lange Tradition hätten und nun einmal immer noch eine Atmosphäre versprühten, die durch Kunstlicht kaum zu ersetzten sei. Es bedürfe allerdings einiger Vorsichtsmaßnahmen, damit die gemütliche Weihnachtsfeier nicht in einem Feuer-Desaster vor verkohlten Ruinen ende. So gehöre ein Eimer Wasser oder ein Feuerlöscher immer in die Nähe des Weihnachtsbaums. Die Kerzen daran sollten zudem immer von hinten nach vorne und von oben nach unten angezündet werden – beim Löschen in der umgekehrten Richtung. „Und ganz wichtig: Kerzen niemals auspusten, sondern mit einem Kerzenlöscher ausmachen. Sonst können Funken in den Baum geraten.“ Und dadurch könne es auch noch zu fatalen Bränden kommen, wenn die Weihnachtsfeier längst vorbei ist und die Bewohner schlafen. Ebenfalls zu beachten: Kerzen gehören ausschließlich an frische Tannenzweige. Ausgetrocke Bäume oder Adventsgestecke seien extrem feuergefährlich.

Von Oliver Vogt

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