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Edelstein auf vier Rädern: Ein Mix aus Porsche und Käfer

Kayhude Edelstein auf vier Rädern: Ein Mix aus Porsche und Käfer

Der rollende Diamant von Jürgen Grendel aus Kayhude — eine absolute Seltenheit.

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Vom Schrotthaufen bis zur äußerst seltenen Rarität: 17 Jahre hat es gedauert, bis Jürgen Grendel aus einem bemitleidenswerten Dannenhauer & Stauss-Wrack eine automobile Schönheit ersten Ranges gemacht hatte. Nur noch 18 Fahrzeuge soll es weltweit davon geben.

Quelle: Fotos: Spreer

Kayhude. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das zu tun, was Jürgen Grendel (57) getan hat. 17 Jahre lang hat er an seinem Traum geschraubt, tausende Stunden Arbeit und viel Geld ‘reingesteckt. Und das alles für Momente voller Glück. Die durchfahren ihn, wenn er mit seinem Dannenhauer & Stauss über die Straßen gleitet.

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Offen oder geschlossen: Das Auto hat eine tolle Linienführung.

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Dannenhauer & Stauss? Wer diese Automarke kennt, darf als Kenner gelten. Für die anderen eine kleine Nachhilfe: Dannenhauer & Stauss waren zwei schwäbische Autonarren, die in den 50er Jahren aus dem Porsche 356 und dem VW-Käfer eine Synthese schufen. Ein exklusives Auto, von dem nur etwa 100 Stück gebaut wurden. Dann stellte die insolvente Firma die Produktion ein. Von dem sehr seltenen Auto gibt es in Deutschland noch fünf: Drei stehen in Museen, zwei sind fahrbereit, eines davon ist der bordeauxfarbene Flitzer von Jürgen Grendel, Erstzulassung am 2. Juni 1953.

15 000 Mark für‘n

Haufen Schrott

40 Jahre später hat er ihn gekauft. Er zeigt ein Foto des Autos von damals. Ein Wrack, ausgeschlachtet bis aufs Gerippe, nur von Rost und Gammel zusammengehalten. „15 000 Mark habe ich dafür gegeben“, sagt er. Er muss tatsächlich verrückt gewesen sein. „Wollen wir mal fahren?“, fragt er. Liebend gern. Der Blick aufs Armaturenbrett ist ein Blick in die Vergangenheit: Anlassknopf vom Brezelkäfer, das Blaupunkt-Radio, der runde Tacho, die Vase mit der Plastikblume. Aber da verbirgt sich auch ein bisschen Porsche: Die Kennzeichenleuchte. Die Griffe für die nach vorn öffnenden Türen. Das Zündschloss für Linkshänder, ein „Diebstahlschloss“ sitzt am Schaltgestänge. „Das war vorgeschrieben, der Wagen hat ja kein Lenkradschloss: Rückwärtsgang ‘rein, Schlüssel ‘raus, und der Wagen ist verriegelt.“ Sicherheitsgurte? „Gibt‘s nicht. Wo sollten die auch befestigt werden?“

Grendel wirft die Maschine an. Er hat die große: 30 PS. Das reicht für Tempo 120, dann wird‘s gefährlich. Das Heckmotörchen röchelt wie man es vom Käfer im Ohr hat. Das Wägelchen zieht zügig an. Grendel, Medizintechniker von Beruf, schrubbt es über die Landstraße bei Kayhude. Er liebt sein Auto, aber er hätschelt es nicht. Er will Spaß, zu lange hat er an dem Ding geschraubt, geschweißt und gezahlt. Passanten blicken sich um, die Frage im Gesicht: „Was‘n das für‘n Auto?“ „Wenn ich tanke, dauert das immer lange“, sagt er. Jeder will wissen, was er da betankt. 40 Liter.

Die Sonne steht tief. Der Beifahrer hat keine Sonnenblende. „Beim Standardkäfer hatte nicht mal der Fahrer eine“, relativiert Grendel. Sein Dannenhauer & Stauss hat dafür über dem Rückspiegel einen klappbaren Sonnenschutz. Ein unnützes Teil, aber schick. Es gibt auch eine Innenleuchte, die kann aber nur der Fahrer anknipsen. Von allein geht die nicht an, weil das Auto keine Türkontakte hat, die das Licht einschalten, sobald eine Tür geöffnet wird. Niedlich ist der Kofferraum. Grendel: „Der hat Alibifunktion: Drin ist Platz für den Tank und das Reserverad. Und eine Werkzeugtasche.“

Immerhin: Ein Kulturbeutel ginge auch noch.

Grendel fährt gern offen. „Moin, Moin“, grüßt er nach links und nach rechts. Im Dorf ist er „der mit den ollen Autos“. Bei so einem Wagen machst du das Verdeck nur zu, wenn‘s regnet. Grendel hat es handfertigen lassen. Als die kleine Heckglasscheibe, die auch handgefertigt wurde und auf die er fünf Jahre warten musste, eingesetzt wurde, machte es knack . . . Und als das Verdeck angepasst wurde, wollte der Monteur noch schnell einen Faden abschneiden und rutschte mit dem Cutter aus.

Von den rund 100 gebauten Dannenhauer & Stauss soll es weltweit nur noch 18 Cabrios und ein Coupé geben. „Es wurde vor sechs Jahren in einem Pferdestall in Oregon entdeckt“, berichtet der Autofreak.

„Eine Sensation — und es hatte Huftritte in der Karosserie.“

Was hat ihn der Aufbau seines Autos gekostet? Grendel lächelt gütig, als wollte er fragen: „Wen interessiert das heute noch?“ 17 Jahre Arbeit (bei achtjähriger Pause — „da habe ich nichts am Auto gemacht“), sehr viel Geld für Teile, Helfer, Lackierer, Schweißer . . . Und wie teuer ist heute so ein Auto? „Man hat mir Angebote weit im sechsstelligen Bereich gemacht — aber warum sollte ich verkaufen?“ Gute Frage. „Ich habe 17 Jahre meines Lebens daran gearbeitet“, da wird Geld unwichtig. Und würde er seinen Dannenhauer & Stauss gegen einen nagelneuen Porsche eintauschen? Grendel:

„Niemals!“

Mit dem Karman Ghia kam das Aus
Dannenhauer & Stauss existierte nur fünf Jahre, von 1950 bis 1955. In dieser Zeit fertigten Gottfried Dannenhauer und sein Schwiegersohn Kurt Stauss ungefähr 100 Cabriolets, von denen heute weltweit wahrscheinlich nur noch fünf Fahrzeuge in fahrbereitem Zustand sind. Zunächst führte die Firma ausschließlich Karosseriereparaturen aus, ab 1951 baute sie Cabriolets in Ponton-Form.

D&S gelang es mit Hilfe der TH Stuttgart, das Fahrzeug verwindungsstabil zu bekommen. Alle D&S-Karosserien entstanden ab 1951 überwiegend in Handarbeit unter Verwendung hölzerner Klopfformen. Nur die Türen und Hauben kamen aus einem Presswerk. Die geringe Höhe der sportlichen Autos erforderte eigens gefertigte Sitze. Der Motor kam wahlweise vom VW-Käfer oder Porsche 356. Mit dem Produktionsbeginn des Karmann Ghia 1955 verlor das Unternehmen die Konkurrenzfähigkeit.

„Tanken dauert bei mir immer lange, weil jeder wissen will, was für ein Auto das ist.“
Jürgen Grendel

Christian Spreer

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