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Segeberg Ein Glashaus voller Frühlingsboten
Lokales Segeberg Ein Glashaus voller Frühlingsboten
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21:18 04.09.2013
1000 Primeln pro Stunde topfen Rainer Binder (l.) und Uwe Meier ein. 250 000 werden es insgesamt in der Gärtnerei Kotzam sein. Quelle: Fotos: Materne

Es riecht morgens schon nach Herbst, viele graust es beim Gedanken an den Winter, in den Gewächshäusern des Kreises aber bereiten sich die Gärtner bereits auf den Frühling vor. Seit Wochen werden Millionen Primeln getopft — hierzulande der wohl beliebteste Frühlingsbote. Allein in der Gärtnerei von Lars Kotzam in der Gönnebeker Gärtnersiedlung stehen eine Viertelmillion Pflanzen. Wegen des Wetterrisikos sind die Gärtner aber etwas vorsichtiger geworden bei der Primelproduktion.

Im Gewächshaus stehen sich Rainer Binder und Uwe Meier in einem Meer aus Töpfen gegenüber. Im Akkord stecken sie kleine Setzlinge in die Erde. Mit dem Zeigefinger der einen Hand wird ein Loch in den Topf gedrückt, die andere hat schon die nächste Miniprimel parat. Die Zentimeter-kleinen Pflanzen werden auf Paletten geliefert — jede mit genau 336 Stück. „Wir säen die Primeln nicht selbst aus“, erklärt Lars Kotzam.

Viele Hände sind selbst für 250 000 Primeln nicht notwendig. „Wir pflanzen etwa 20 000 Primeln jede Woche, zwölf Wochen lang“, so Kotzam. Die Töpfe werden maschinell am Fließband mit Erde befüllt. Stehen sie einmal sauber sortiert auf den Pflanztischen im Gewächshaus, geht der Rest ganz schnell. Nach etwa einer Stunde werden Binder und Meier jeder an die 1000 Primeln eingetopft haben. „Wir haben im August angefangen“, berichtet Kotzam. Im Dezember, fünf Monate später, sind die ersten Primeln dann bereit für den Verkauf. „Kurz nach Silvester wollen die Ersten Primeln haben“, weiß der Geschäftsmann. „Sie wollen dann kräftige Farben im grauen Winter.“

Und farblich hat die Primel einiges zu bieten. Weiß, gelb, orange, rosa, pink, lila, verschiedene Blauschattierungen, einfarbig, mehrfarbig, es gibt sie mit Auge oder mit Rand, gestreift, gefüllt und halb gefüllt — die Aufzählung Kotzams scheint kein Ende zu nehmen. Die Vielfalt sei ein Grund für die Beliebtheit der Primel. Außerdem blüht sie lange, verträgt auch mal Frost und sie ist günstig.

„In der Regel kosten Primeln unter zwei Euro“, so Kotzam. Entsprechend klein sei aber auch die Gewinnspanne. Ganz sachlich bezeichnet er den herrlich duftenden Frühlingsboten als „Lückenfüller für viele Gärtner“. Man könne nicht das ganze Gewächshaus mit Weihnachtssternen vollstellen. Und viel heizen müssten die Gärtner auch nicht bei der Primelaufzucht.

Trotzdem birgt sie ein gewisses finanzielles Risiko. Durch den späten Winter dieses Jahr, mit Schneefall bis in den späten April sind viele Gärtner hohe Produktionsanteile an Primeln und Stiefmütterchen nicht losgeworden. „Ich habe von Gärtnern gehört, die 50 Prozent weggeschmissen haben“, so Kotzam. Er selbst habe fast alles verkaufen können. Glück gehabt. Trotzdem pflanzt er in diesem Jahr etwa zehn Prozent weniger Primeln an, Stiefmütterchen hat er nicht.

Um 50 Prozent hat Jan Eberlein seine Primelproduktion zurückgefahren in diesem Jahr. Der Kreisgärtnermeister für Mittelholstein beim Gartenbauverband Nord habe im vergangenen Frühjahr 60 Prozent seiner Produktion wegwerfen müssen. Dieses Jahr produziere er nur noch für die Direktvermarktung in seinem Betrieb in Kleinkummerfeld. „Auf Großhandel habe ich keine Lust mehr“, sagt er.

Für den Großhandel produzieren die Gönnebeker Gärtner ausschließlich. Etwa eine Million Primeln insgesamt, schätzt Kotzam. Für das Kreisgebiet schätzt Eberlein die Primelproduktion der etwa 50 im Verband organisierten Betriebe auf 1,5 bis zwei Millionen Stück. Der Bedarf liege für Schleswig-Holstein und Hamburg bei etwa fünf Millionen.

Eine der meistverkauften Topfpflanzen

500 Arten gehören zur Gattung der Primel. Der lateinische Name Primula bedeutet „die Erste“. Damit macht sie ihrem Namen alle Ehre, gehört sie doch zu den ersten Blumen für Terrasse und Balkon im Frühling. Mit ihrer Farbvielfalt gehört zu den meistverkauften Topfpflanzen.

Wilde Primeln sind auf der gesamten Nordhalbkugel zu finden. Etwa die Hälfte der Arten wächst in China. Primeln im Flachland blühen gelb, alpine Primeln sind dagegen rosa, rotviolett bis blau. Insbesondere asiatische Arten werden als Zierpflanzen kultiviert.

Nadine Materne

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