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Segeberg Ein Instrument so schwer wie der Schulranzen
Lokales Segeberg Ein Instrument so schwer wie der Schulranzen
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10:09 02.03.2016
Josefine Plumhoff (11) spielt seit vier Jahren Akkordeon und nimmt am „Jugend musiziert“-Landesentscheid teil. Quelle: sd

Josefines Finger gleiten über die schwarzen und weißen Tasten. Die zierliche Elfjährige ist kaum zu sehen hinter dem großen, glitzernden Akkordeon. Verträumt schaut sie an die Decke und spielt ein kurzes Stück auswendig. Dann schlägt sie ihre Noten auf: Gebundene Achtelnoten reihen sich auf der DIN-A4-Seite aneinander. „Das ist anspruchsvolle Musik und erfordert Konzentration“, sagt Mama Bettina Plumhoff. Vor vier Jahren hat ihre Tochter angefangen, Akkordeon zu spielen. Nun nimmt sie am Landesentscheid der Kreismusikschulen „Jugend musiziert“

teil.

„Wir haben damals Freunde besucht, die ein Akkordeon hatten. Ich habe das ausprobiert, war begeistert und wollte das Instrument spielen lernen“, erinnert sich Josefine. Gesagt, getan. Sie bekam Einzelunterricht bei Akkordeon-Lehrerin Elisabeth Busse in Trappenkamp. Anfangs spielte sie auf einem Kinderakkordeon, denn mit sieben Jahren konnte das blonde Mädchen weder über ein normal großes Instrument schauen noch reichte die Größe ihrer Hände aus, um darauf zu spielen. „Nach zwei Jahren spielte Josefine so gut, dass wir ein 48-Bass-Instrument gekauft haben“, erzählt die Mutter.

8,1 Kilogramm wiegt das Tasteninstrument. „Genauso viel wie mein Schulranzen“, erzählt Josefine, die die siebte Klasse des Städtischen Gymnasiums besucht. Auf dem Instrument zu spielen, sei eine Art Muskeltraining für sie. „Für mich ist das Akkordeon einfacher zu spielen als das Klavier. Außerdem kann ich mich selbst begleiten.“ Ihre jüngere Schwester Caroline widerspricht. Die Achtjährige lernt Klavier und findet das leichter. Auch Schwester Pauline (13) ist musikalisch. Sie hat sich für Gitarre entschieden. Ein Ziel der Drei ist es, das Stück „Comptine d'un autre été“ aus dem Film „Die wunderbare Welt der Amelie“ gemeinsam zu spielen.

„Musik zu machen, bedeutet für mich, einen Freiraum zu haben. Ich kann kreativ sein und das machen, was ich will“, sagt Josefine. Ihre Akkordeon-Lehrerin hat ihr ein breites Repertoire beigebracht.

Klassik, Film- und Tanzmusik. „Wir haben ,Fluch der Karibik‘ gespielt, das hat richtig Spaß gemacht.“ Auch „Atemlos“ kann zu einem Konzertprogramm gehören. Einmal in der Woche hat Josefine Unterricht, alle zwei bis drei Tage übt sie etwa 15 Minuten zu Hause. Neben Schule und Akkordeon bleibt der Schülerin noch Zeit für weitere Hobbys: Reiten, Schwimmen, Segeln. „Und Lesen — Fini hat ein dickes Buch in einer Stunde durch“, verrät Caroline. Josefine erklärt, dass sie eine Schnellleserin sei. Würde sie ihren Lesehunger stillen wollen, bräuchte sie einen eigenen Bücherbus. Erklärend fügt Mutter Bettina Plumhoff hinzu, dass ihre Tochter hochbegabt sei.

Der Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ findet vom 11. bis zum 13. März in Rendsburg statt. Die Generalprobe dafür ist heute Abend um 19.30 Uhr im Neurologischen Zentrum Bad Segeberg, Hamdorfer Weg 3. Neben Josefine werden weitere Preisträger des Entscheids Südholstein das Konzert gestalten. „Aufgeregt bin ich erst kurz vor dem Konzert, aber ich spiele dann einfach“, verrät die Elfjährige.

Patent aus Österreich

Im Mai 1829 erhielt der Österreicher Cyrill Demian ein Patent für ein neuartiges Musikinstrument. Aufgrund der Belegung der Tasten mit drei- bis fünftönigen Akkorden, nannte er es Accordion. Eine weitere Besonderheit des Accordions im Gegensatz zu vorherigen Instrumenten war die Größe, es passte in einen Kasten.

Das Akkordeon gehört zur Familie der Handzuginstrumente. Der Ton wird durch freischwingende, durchschlagende Zungen (meist Metalllamellen) erzeugt. Neben überwiegend zeitgenössischer Akkordeonliteratur ist es auch möglich, auf manchen Instrumenten mit Melodiebass Orgel- und Klavierstücke zu spielen. sd

Silvie Domann

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