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Segeberg Ein Künstler, der seine Bilder im Kopf gemalt hat
Lokales Segeberg Ein Künstler, der seine Bilder im Kopf gemalt hat
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21:23 20.04.2016
Walter Meinhart war Kollege und Freund von Werner Thiele (Selbstbildnis). Nach dessen Tod hat Meinhart einen Teil der Werke geerbt. Quelle: sd

Sturmgepeitschte Bäume, ein Haus auf Amrum, Fische als Stillleben und ein Selbstbildnis des Künstlers — im Hof-Café Groß Niendorf werden derzeit Ölgemälde des Hamburger Künstlers Werner Thiele (15. März 1911 bis 31. Dezember 1992) ausgestellt. Auch einige Holzschnitte sind zu sehen, viele der Drucke hat Arbeitskollege und Freund Walter Meinhart gedruckt. „Als Handwerker wird man nicht reich, also haben wir uns eine eigene Tiefdruckpresse gebaut und die Holzschnitte selbst gedruckt“, erzählt der 90-Jährige, der viele Werke seines Freundes geerbt und auch Drucke für Horst Janssen gefertigt hat.

Thiele war Autodidakt. Bereits als Kind war seine zeichnerische Begabung erkennbar. Sein Kunstlehrer hatte seinen Eltern nahegelegt, eine Ausbildung an einer Kunsthochschule zu absolvieren. Das wollte der Vater aber nicht, und so wurde Thiele Feinmechaniker. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat, landete in russischer Kriegsgefangenschaft und arbeitete in einem sibirischen Bleibergwerk.

Wieder zurück in Hamburg begann er, sich das Erlebte von der Seele zu zeichnen. „Diese Bilder zeigen wir hier nicht, es ist ein Café, kein Museum. Besucher sollen sich entspannen, nicht mit Problemen belasten“, erklärt Claus Bärwald, verantwortlich für die Veranstaltungsreihe im Hof-Café. Thematisch reihe sich Thiele in die Liste der norddeutschen Expressionisten ein, so Bärwald.

Landschaft, Stillleben, Menschen haben den Künstler beschäftigt. Bewegte, farbenprächtige, ausdrucksstarke Bilder sind entstanden.

„Thiele hat mit dem Raum experimentiert“, sagt Meinhart und zeigt auf das Gemälde ohne Titel. Mann und Mädchen sind darauf zu erkennen, die sich in einem abstrakten Raum mit diversen Fluchtpunkten aufhalten. „Thiele war ein Maler, der im Kopf gemalt hat. Erst wenn das Bild im Kopf perfekt war, hat er Papier oder Leinwand angefasst,“ so Meinhart. Das sei absolut beeindruckend gewesen. Ebenso wie die Tatsache, dass bei der Holzschnitt-Serie „Apokalypse“ 23 der 25 Druckplatten sofort perfekt waren. Farbdrucke habe Thiele selbst hergestellt, die habe sich Meinhart nicht zugetraut. Einige sind im Hof-Café ausgestellt.

Die Ausstellung läuft noch bis Mitte Juni und ist zu den Öffnungszeiten des Cafés freitags bis sonntags sowie an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. sd

LN

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