Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Ein Kurhaus-Schatz liegt in Negernbötel
Lokales Segeberg Ein Kurhaus-Schatz liegt in Negernbötel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 21.07.2018
Je 4,60 Meter lang und 620 Kilo schwer: In seinem Carport bewahrt Hans Reiners die gusseisernen Säulen aus dem alten Kurhaus auf. Quelle: Foto: Glombik
Bad Segeberg

Da liegen sie bei Hans Reiners im Carport. Top erhalten, drei gusseiserne, schön verzierte Säulen aus dem Café oder Restaurant im früheren Kurhaus von 1884. 4,60 Meter lang. Jedes Stück wiegt 620 Kilogramm – obwohl die Säulen innen hohl sind. Nicht anzuheben. Reiners musste sie mit einem Frontlader transportieren. Sie sehen aus, als könnte man sie sofort irgendwo einbauen. Altbauer Reiners weiß mit ziemlicher Sicherheit, dass die Stücke in der Ahlmann-Carlshütte bei Rendsburg (gegründet 1827) gegossen wurden.

Der LN-Aufruf an die Leser, sich zu melden, wenn sie Möbelstücke oder andere Teile des 1968 abgerissenen Kurhauses verwahren, ist ein voller Erfolg. Es gibt sie tatsächlich doch noch, einige schöne Erinnerungsstücke an das abgerissene Kleinod. Zum Beispiel in Negernbötel.

Wer hat weitere Teile?

Bad Segebergs Stadtgeschichte ist über 80 Jahre eng mit dem 1968 abgerissenen Kurhaus verknüpft. In der Rathaus-Ausstellung „Streifzüge durch Segeberg“ von Hans-Werner Baurycza und Peter Zastrow geht es auch um das historische Kurhaus. Wer weitere „Schätze“ aus dem Abriss-Gebäude gerettet hat, kann sich melden per E-Mail an redaktion.segeberg@ln-luebeck.de

Die drei langen Säulen dürften heute ein Paradebeispiel für die Eisenguss-Kunst darstellen. Mit ihren reichhaltigen, jugendstilartigen Verzierungen gehören sie wohl in ein Museum. Wenn man allein diese Stücke sieht – und sich dazu das historische Haus mit seinem reichhaltigen Interior vorstellt –, dann versteht man immer weniger, wie die damaligen Verantwortlichen vor 50 Jahren das vom Krieg verschonte, stadtbildprägende Gebäude einfach zunichte machen konnten.

Übrig blieben nur seltene Artefakte. Die Wahlstedter Firma Mauruschat hatte 1968, wie berichtet, das Kurhaus abgerissen, die Steine wurden in die sumpfige Backofenwiese geschüttet. Die Säulen wurden aus dem Bauschutt gerettet. „Die lagen noch etwa 15 Jahre bei Georg Mauruschat auf dem Hof“, erzählt Reiners. Die beiden waren damals Jagdkollegen. Immer hatte Reiners ein Auge auf die Stücke geworfen. „Ich habe sie ihm dann eines Tages abgekauft“, erzählt Reiners. Inzwischen ist der Freund schon lange tot.

35 Jahre lang hütet Hans Reiners nun diese seltenen Stücke. Über die Jahre gab es in der Familie des 74-Jährigen viele Ideen, was man aus den Säulen alles machen könnte. „Wir hatten schon überlegt, sie als Kandelaber für Laternen herzurichten.“ Reiners Tochter ist Bauingenieurin. Sie hatte schon einen Pavillon mit den Säulen entworfen. Es blieben nur Pläne. Reiners selbst blieb nicht untätig, brachte die Eisenteile zum Sandstrahlen nach Trappenkamp und lackierte sie später über.

Als Jugendlicher hat er selbst noch das Haus erlebt, kann sich an die „Berufsschul-Bälle“ Anfang der sechziger Jahre erinnern. Mit der ganzen Familie ging es sommers in den Fünfzigern zum Kaffeetrinken in den Garten. – Tatsächlich diente das stolze Kurhaus schon um 1900 längst nicht nur Kurgästen als gesellschaftlicher Mittelpunkt. Hier konnten auch Nichtkurgäste logieren. Das Restaurant bestand aus mehreren Räumen. Der große Speisesaal lag in der Mitte des Kurhauses und hatte eine Höhe von zwei Stockwerken.

Daneben gab es kleine Gasträume und einen Salon für kleine Gesellschaften. Dazu gehörten Lesezimmer, die nur den Kurgästen vorbehalten waren, heißt es in dem detailreichen Band „Einst stand ein Kurhaus hoch über dem See“ von Hans-Werner Baurycza und Peter Zastrow. In dem großen Speisesaal konnten Kurgäste ein Mittagsmenü für zwei Mark einnehmen. Billig? Nein. Um 1910 verdiente ein mittlerer Beamter gerade einmal 340 Mark im Monat. Auf den historischen Restaurant-Fotos aus dem Kalkberg-Archiv von Hans-Werner Baurycza sind einige der Säulen zu erkennen, die jetzt bei Reiners liegen.

Mindestens sechs davon muss es damals gegeben haben. In der guten Stube hängt noch ein kleines Gemälde vom alten Kurhaus. Reiners will die Erinnerung daran in Ehren halten.

Wolfgang Glombik

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Bad Segeberg sucht eine Kulturbeauftragte oder einen Kulturbeauftragten. Laut der Mitteilung der Stadt bestellt jede neu gewählte Stadtvertretung einen Kulturbeauftragten für ihre Wahlzeit.

21.07.2018

Das dritte und vorletzte Konzert im Garten in diesem Jahr hat die Sülfelderin Barbara Schütze für Freitag, 27. Juli terminiert. In ihrem großen Garten (Kassburg 20 D) spielen ab 20 Uhr die Kieler Marc Breitfelder und Georg Schroeter. Einlass ist um 18 Uhr.

21.07.2018

Eng kann es bei der hausärztlichen Versorgung werden, da sind sich Mediziner und Politik in Wahlstedt einig. In Zusammenarbeit mit der Ärztegenossenschaft soll nun ein Konzept erarbeitet werden. Es gab viel Gesprächsbedarf im Hauptausschuss.

21.07.2018