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Ein Menschenleben retten: „Ein unbeschreibliches Gefühl“

Seedorf-Berlin Ein Menschenleben retten: „Ein unbeschreibliches Gefühl“

Stammzellenspender in Deutschland sind im Schnitt 40 Jahre alt - Kevin Schultz aus Seedorf ist erst 20 und hat gerade für eine 66-jährige Dänin Knochenmark gespendet. Er ermutigt junge Leute, sich bei der DKMS zu registrieren.

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Zellentnahme in Köln: Als ein Stammzellenspender für Jana Lenz gesucht wurde, ließ sich Kevin Schultz (20) aus Seedorf registrieren. Jetzt sollen seine Zellen eine 66-Jährige aus Dänemark retten.

Quelle: Fotos: Privat (2)/nam (1)

Seedorf-Berlin. Tim ist stolz auf seinen großen Bruder Kevin. Der 20-Jährige ist vielleicht ein Lebensretter. Er hat kürzlich Knochenmark gespendet für eine 66-Jährige aus Dänemark. So viel weiß der Seedorfer bereits. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man vielleicht jemandem das Leben retten kann“, sagt Kevin Schultz. Er will andere – vor allem junge Leute – dazu animieren, sich auch registrieren zu lassen. „Es gibt viel zu wenig junge Spender“, sagt er. Das habe ihm einer der Ärzte in der Kölner Klinik Cellex gesagt, wo Schultz die Stammzellenspende entnommen wurde. Tatsächlich beträgt das Durchschnittsalter der 4,7 Millionen registrierten Spender der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) 39,9 Jahre.

LN-Bild

Stammzellenspender in Deutschland sind im Schnitt 40 Jahre alt – Kevin Schultz ist 20 und hat gerade gespendet – Der Seedorfer ermutigt junge Leute, sich zu registrieren.

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Wie wichtig es ist, sich als Spender zu registrieren, weiß Kevin Schultz bereits aus eigener Erfahrung. „Mein Opa hat Blutkrebs gehabt.“ Damals sei Kevin erst 17 Jahre alt gewesen und durfte noch nicht spenden. Zum Glück konnte ein passender Spender gefunden werden. Die Behandlung schlug gut an. „Meinem Opa geht es super“, sagt Kevin Schultz. Er zögerte also nicht, als im Februar 2015 für die an Blutkrebs erkrankte Jana Lenz aus Garbek eine Typisierungsaktion gestartet wurde. Der damals 18-Jährige war einer der über 1000 Freiwilligen, die sich ein Röhrchen Blut haben abnehmen lassen.

Für die Garbekerin ist Schultz kein Spender, aber für die besagte Dänin. „Als der Anruf kam, dass ich als Spender in Frage komme, habe ich gejubelt.“ Kevin Schultz weiß noch genau, was er an jenem 2. Juni getan hat. „Ich saß auf dem Trecker.“ In Nehms, dort half er bei einem Bauern aus. Auch sein kleiner Bruder Tim war dabei.

Doch zunächst musste der junge Mann zum Gesundheitscheck und zu weiteren Untersuchungen nach Köln. Und dann nochmal zur eigentlichen Spende am 26. Juli. „Das war gar keine große Sache“, erklärt der 20-Jährige, der potenziellen Spendern die Angst nehmen will. „Das ist wie eine Blutabnahme und tut gar nicht weh.“ Das Blut werde aus dem einen Arm entnommen, laufe durch eine Maschine, die Plasma und die Stammzellen herausfiltert. „Und im anderen Arm ging das Blut wieder rein.“ Nach zwei Stunden war er fertig. „Ich habe es nicht mal geschafft, den Film zu Ende zu schauen.“ Alles in allem konnte er die Klinik nach drei Stunden verlassen, berichtet Kevin Schultz. „Alle sind total nett dort. Und man darf auch eine Begleitung mitnehmen. Meine Freundin ist mitgekommen, schwanger im neunten Monat.“ Hotel, Anreise, Verpflegung – alle Kosten im Zusammenhang mit der Spende würden bezahlt, betont Schultz. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet.“

Nun heißt es, abwarten und hoffen. „Nach etwa 100 Tagen erfahre ich, ob die Empfängerin aus dem Krankenhaus entlassen wurde, und ob es ihr gut geht.“ Das hofft Kevin Schultz natürlich. Dann möchte er ihr auch einen Brief schreiben. Anonym. Zwei Jahre lang bleiben die Identität von Spender und Empfänger geheim. Danach dürfen sie Kontakt aufnehmen, wenn beide das wollen.

Zwei Jahre lang ist Schultz’ Knochenmark auch für die Spenderin quasi reserviert. Die Frage, ob er, falls nötig, erneut für sie zur Verfügung stehe, stelle sich ihm gar nicht, sagt er und hofft auf viele Nachahmer. Einen hat er schon: Tim will auch Stammzellenspender werden, muss aber noch ein paar Jahre warten. Er ist erst 14.

Junge Spender gesucht

4,7 Millionen Stammzellenspender sind in Deutschland bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registriert. Das Durchschnittsalter beträgt fast 40 Jahre. „Wir brauchen junge Spender, weil uns die älteren nach hinten raus wegbrechen“, sagt Klaus Ludwiczak von der DKMS. Bis zum 55. Lebensjahr darf Knochenmark gespendet werden. Knapp 700000 der Registrierten sind 25 Jahre und jünger. Ab 17 Jahren ist eine Registrierung möglich, die Spende ab 18.

Zweite Stammzellen-Transplantation für Jana Lenz

Mehr als ein Jahr nach der ersten Stammzellentransplantation ist die Garbekerin Jana Lenz (Foto) wieder in der Uniklinik Hamburg. „Ich muss die Therapie erneut machen, weil die erste nicht angeschlagen hat“, schreibt sie aus der Klinik kurz vor der erneuten Transplantation diese Woche. „Bei meiner Erkrankung soll das wohl öfter vorkommen.“ Wie mehrfach berichtet, wurde bei Jana Lenz Myelofibrose diagnostiziert, eine seltene Form von Blutkrebs. Die Stammzellentherapie ist ihre einzige Chance auf Heilung. Erschwerend kommt hinzu, dass die 37-Jährige vor 14 Jahren eine Spenderleber erhalten hat. Die Medikamente, die sie einnehmen muss, hemmen die Stammzellenvermehrung. Nun nimmt Jana Lenz einen weiteren Anlauf. Das heißt wieder: Chemo, wochenlang Isolierstation, heftige Nebenwirkungen. Freunde und Bekannte hält sie über Facebook auf dem Laufenden. „Ich würde den Krebs gern mit einem K.o. besiegen, doch er hält sich hartnäckig“, schreibt sie. Aufgeben kommt für Jana Lenz nicht in Frage.

Viele Menschen nehmen Anteil am Schicksal von Jana Lenz. Über 1000 ließen sich für sie typisieren – wie auch Kevin Schultz. Und sie freut sich, dass durch die Typisierungsaktion „ein anderer Mensch die Chance hat, gerettet zu werden“, schreibt sie. „Das ist eine schöne Nachricht.“

 Nadine Materne

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