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Segeberg Ein Tabu-Thema in der Mitte der Gesellschaft
Lokales Segeberg Ein Tabu-Thema in der Mitte der Gesellschaft
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18:24 02.04.2016
Stellten die Broschüre vor: Stadträtin Anette Reinders (3.v.r.), Diakonie-Chefin Andrea Makies (l. dahinter), Frauenhaus-Leiterin Anita Brüning (r. dahinter), die Mitarbeiterinnen Katja Heinsen (l.) und Nina Höft sowie Stadtwerke-Chef Jens Seedorff und Pastor Gunnar Urbach. Quelle: bf
Norderstedt

Erst im November ist das neue Frauenhaus in Norderstedt, das 1,8 Millionen Euro gekostet hat und das einzige im Kreis Segeberg ist, eingeweiht worden. Jetzt hat das Diakonische Werk des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein, das den Zufluchtsort für bis zu 25 Frauen und deren Kinder in Not in Garstedt betreibt, eine in dieser Form bislang einmalige Informationsbroschüre über diese Herberge, in die von ihren Männern verprügelte Frauen jederzeit flüchten und darin Schutz finden können, herausgegeben.

Auf 72 Seiten wird die Arbeit der Mitarbeiterinnen und das Leben im Frauenhaus aus der Innensicht beschrieben. Das Thema häusliche Gewalt wird von Experten aus der Wissenschaft, des Jugendamtes, der Polizei und dem Familiengericht beleuchtet. Außerdem erhalten betroffenen Frauen alle nötigen Kontaktadressen sowie Ratschläge, was sie in einem akuten Notfall machen müssen. „Diese Info-Broschüre richtet sich an Betroffene, welche Hilfestellung wir ihnen geben können, sowie an alle Freunde des Frauenhauses, die uns bei diesem Projekt mit Rat und Tat und Geld zur Seite gestanden haben“, erläutert Diakonie-Geschäftsführerin Andrea Makies.

Denn als das alte Frauenhaus, in das jetzt junge unbegleitete Flüchtlinge eingezogen sind, zu klein wurde, dauerte es noch einige Jahre, bis der Traum vom Neubau wahr werden konnte. „Es fehlten rund 100000 Euro“, erinnert sich Makies. Das Land gab 700000 Euro, der Kirchenkreis 380000 Euro, der Kreis Segeberg 300000 Euro, die Stadt Norderstedt 210000 Euro und das Deutsche Hilfswerk der Fernsehlotterie 145000 Euro. Den Rest warb der für Fundraising zuständige Diakonie-Pastor Gunnar Urbach bei Privatleuten und Unternehmen ein. So beteiligten sich die Stadtwerke, indem sie für die Kosten des Fahrstuhls im neuen Gebäude aufkamen, erklärte jetzt Werkleiter Jens Seedorff bei der Vorstellung der Broschüre. „Soziales Engagement ist für uns als Unternehmen der Stadt Norderstedt selbstverständlich.“

Auch die Kreispolitik äußert sich in dem Frauenhaus-Buch ausschließlich positiv über diese Einrichtung, von denen es 16 mit 300 Plätzen in Schleswig-Holstein gibt. So unterstützt SPD-Bundestagsabgeordneter Franz Thönnes das Frauenhaus, „weil Gewalt gegenüber Frauen immer noch eine Alltagsrealität ist.“ Dass diese allseitige Akzeptanz des Frauenhauses nicht immer so war, ist ebenfalls in dem Heft nachzulesen. So musste die damals noch autonom betriebene Zufluchtsstätte 1980 jahrelang um Anerkennung der Norderstedter Politik kämpfen. 1983 stand es sogar vor dem Aus. „Das war alles andere als konsensfähig damals in Norderstedt“, erinnert sich die heutige Pastorin des Kirchenkreises Plön-Segeberg, Fanny Dethloff, an die beschwerlichen Anfänge. Wenn die autonomen Frauen wegen möglicher Zuschüsse auf die Stadtvertretersitzungen kamen, schlug ihnen von den überwiegend männlichen Politikern nur Hass und Ablehnung entgegen. „Die Patriarchen hatten Angst vor der Gewalt der Frauen.“

Insofern sei es „ein wichtiger Meilenstein“ gewesen, dass das zuvor überfüllte Frauenhaus jetzt in Norderstedt neu gebaut werden konnte, sagt Sozialdezernentin Anette Reinders. „Es zeigt auch die Entwicklung, dass dieses frühere Tabu-Thema heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Ich freue mich, dass es so weit gekommen ist.“ Etwa 60 Frauen und deren Kinder finden jedes Jahr Schutz und Sicherheit im Norderstedter Frauenhaus, sagt Leiterin Anita Brüning. Landesweit sind es etwa 1000. Die Broschüre über das Norderstedter Frauenhaus ist über die Buchhandlungen in Norderstedt-Mitte und am Schmuggelstieg für eine Schutzgebühr von 2,50 Euro zu erwerben sowie im Norderstedter Rathaus und bei den Stadtwerken erhältlich.

Von bf

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