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Segeberg Ein Teamplayer schreckt auch vor Heiligen Kühen nicht zurück
Lokales Segeberg Ein Teamplayer schreckt auch vor Heiligen Kühen nicht zurück
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16:04 21.09.2017
Alexander Wagner tritt als Kandidat für die SPD im Wahlkreis 8 an. Quelle: von Dahlen
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Bad Segeberg

Das Wahlkampfauto, mit dem Alexander Wagner (30) seit Juli durch die Lande tourt, hat bereits 7000 Kilometer auf dem Tacho, 8000-mal hat der SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Segeberg/Stormarn-Mitte schon an Haustüren zwischen Stocksee und Ammersbek geklingelt. Nicht alle Menschen öffnen. Einige haben Wagner gar für einen Zeugen Jehovas gehalten. Und als er eines Tages zufällig selbst bei einem Anhänger dieser Religionsgemeinschaft vorstellig wurde, sagte dieser nur: „Ich habe meine Regierung schon gefunden.“

Bei einem kurzen Zwischenstopp in der Goldmarie am Großen Segeberger See hat er das Smartphone stets im Blick. Nur wenn er gut erreichbar ist und sich der Diskussion stellt, kann er die Segeberger und Stormarner dazu anhalten, ihre beiden Stimmen am 24. September den Sozialdemokraten zu geben. Sein Ziel: das Direktmandat zu erlangen.

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Auf seinen Streifzügen durch den Wahlkreis dreht er kleine Video-Botschaften für seine Website. „Soziale Netzwerke eröffnen schon die Möglichkeit, sehr nah an die Menschen heranzukommen. Auch deshalb gehören Kamera und Selfie-Stab zur Grundausstattung des netzaffinen Politikers. „Aber ich gehe auch von Haus zu Haus und spreche mit den Leuten. Denn was im Raumschiff Berlin passiert, ist für viele Menschen weit weg“, erklärt Wagner. Wenn es gut läuft, öffnen die Menschen nicht nur die Tür, sondern auch ihre Herzen, erzählen, welche Sorgen sie haben.

Die Angst vor Altersarmut gehört eindeutig dazu. „Die SPD hat da ein klares Konzept. Das Rentenniveau darf nicht unter 48 Prozent abgesenkt werden. Auch die Beiträge dürfen nicht exorbitant steigen“, legt Wagner dar, was er den Leuten in solchen Fällen erzählt. Um die Lasten gleichmäßiger zu verteilen, schreckt der SPD-Politiker auch vor sogenannten Heiligen Kühen nicht zurück. „Der Satz ,Das haben wir immer schon so gemacht‘ zählt für mich nicht“, sagt er und plädiert genauso für ein Rentensystem, in das Beamte einzahlen, wie für die Bürgerversicherung, die auf dem Solidarprinzip basiert und einer Zwei-Klassen-Medizin den Riegel vorschiebt.

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Wagners Steckenpferde sind jedoch Arbeitswelt und Ausbildung. „Für die Menschen ist doch wichtig, dass sie im Leben vorankommen. Der Kreis Stormarn gehört zu den wirtschaftsstärksten Kreisen in ganz Deutschland. Deshalb sollten wir doch hier klug in neue Technologien investieren, um auch in Zukunft einen Spitzenplatz einzunehmen“, sagt der Politologe. Weitere Anstrengungen, um die Digitalisierung voranzutreiben, seien wichtig, aber auch dafür zu sorgen, dass mehr Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen auskömmliche Stellen bekommen. Dazu gehöre auch, Frauen in Teilzeit eine Rückkehr in die Vollzeit zu ermöglichen. Eng an diesen Themenkomplex seien auch die hohen Kosten für Kinderbetreuung gekoppelt. „Einige Frauen stecken in einem Teufelskreis. Damit sie überhaupt arbeiten können, bringen sie die Kinder zur Kita. Aber das Gehalt reicht gerade so, um die Gebühren zu bezahlen. Das kann es nicht sein“, sagt Wagner. Da seine Partei auch die Kita als Bildungsstätte betrachte, sollten die Kosten schrittweise abgebaut werden, bis der Besuch letztlich kostenlos sei.

Im Hinblick auf den beruflichen Nachwuchs schwebt Wagner unter anderem vor, ein Bildungsbündnis zu gründen, dem Unternehmen, Gewerkschaften, Schulen und die öffentliche Hand angehören. So lasse sich gemeinsam ausloten, wie eine gute Ausbildung aussehen müsse, um den Fachkräftemangel ausgleichen zu können.

Nach seiner eigenen Jugend befragt, fällt dem Segeberger spontan ein, wie wichtig für ihn die Zeit beim Leezener SC gewesen ist. „Da habe ich Fußballspielen gelernt. Man ist ein Team und kann nur gewinnen, wenn man zusammenhält, sich diszipliniert und einen guten Trainer hat“, sagt Wagner, der inzwischen Vereinschef des SV Wahlstedt ist.

Sein Trainer auf dem politischen Spielfeld heißt übrigens Franz Thönnes. Von seinem Vorgänger als Direktkandidat im Wahlkreis hat er nach eigenem Bekunden gelernt, wie Politik funktioniert, sich von seinem Fleiß anstecken lassen. Jetzt ist Wagner selbst am Ball.

Schon früh politisch aktiv

Geboren: 4. Februar 1987 in Güstrow. Anfang der 90er Jahre Umzug nach Bad Segeberg, dann nach Bebensee.

Studium: Politikwissenschaft und Germanistik in Kiel.
Politik: Mit 17 in die SPD, mit 18 Jahren jüngstes Mitglied der SPD-Kreistagsfraktion. Seit 2008 Mitglied in Kreistag und SPD-Kreisvorstand. Seit 2013 ist Alexander Wagner Mitglied im SPD-Landesvorstand.

Dorothea von Dahlen

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