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Segeberg Ein Wirtschaftsraum: Segeberg will zur Marke werden
Lokales Segeberg Ein Wirtschaftsraum: Segeberg will zur Marke werden
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20:13 14.09.2016
Ein Beispiel für Segebergs Anziehungskraft für die Wirtschaft: Ende 2015 zog Tesa mit 800 Mitarbeitern von Hamburg-Eimsbüttel nach Norderstedt – die größte Ansiedlung der jüngsten Zeit im Kreis. Quelle: Lutz Roeßler

Schluss mit der erbitterten Konkurrenz der Kommunen, wenn es um neue Gewerbegebiete geht. Schluss auch mit den Gegensätzen reicher Hamburger Speckgürtel kontra armer Segeberger Osten. „Wir sind ein Wirtschaftsraum“, betonte Hans-Joachim Grote, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg (WKS), gestern nach der konstituierenden Sitzung des Gremiums. Es gelte, den Kreis Segeberg gemeinsam zu einer Marke zu machen.

Der Norderstedter Oberbürgermeister – das ist Grote seit 18 Jahren, er wurde im Frühjahr für weitere sechs Jahre gewählt – als Fürsprecher für eine einheitliche Entwicklung im Kreis? „Wir sind froh, Oberbürgermeister Grote und Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld für den Aufsichtsrat gewonnen zu haben“, sagt Landrat Jan Peter Schröder, der zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wurde. Nun komme es darauf an, gemeinsame Ideen zu entwickeln und den Kreis über die WKS zu einer wirklichen Ausgleichsfunktion für seine Städte und Gemeinden zu entwickeln. Dazu Grote als Beispiel: „Früher hat man Kreisstraßen gebaut. Die waren wichtig. Nun brauchen wir Kreis-Datennetze, die sind heutzutage so wichtig wie die Straßen.“ Was nütze es einer Gemeinde, in der Metropolregion Hamburg zu liegen und direkt in der Nachbarschaft interessante Arbeitsplätze bieten zu können, wenn das Internet im Ort so schwach sei, dass zumindest die jüngeren Familienmitglieder dort nicht hinziehen möchten? Und was nützt einer Unternehmens-Neugründung der schicke neue Standort, wenn keine qualifizierten Arbeitskräfte in der Nähe wohnen?

Hans-Joachim Grote meint: „Große Betriebsverlagerungen wird es in den nächsten Jahren nicht mehr geben. Wegen seiner Mitarbeiter wird kein Unternehmen in Zukunft weiter als 50 Kilometer umziehen.“

Zuwachs sei also allein durch Neuansiedlungen und dadurch zu erreichen, dass man erkenne, dass die Lebensqualität für die ganze Familie heute bei der Jobsuche entscheidend mehr zähle als hoher Verdienst und großer Dienstwagen wie in früheren Jahren. In der Balance zwischen Leben und Arbeit („Work-Life-Balance“) würden sowohl Unternehmen wie Arbeitnehmer nach einem lebenswerten Umfeld suchen. Und da habe der Kreis Segeberg einiges zu bieten. WKS-Geschäftsführerin Maike Moser: „In vielen Bereichen sind wir schon stark, und gemeinsam werden wir noch stärker.“

Allein aber würden selbst so gut entwickelte Städte wie Norderstedt an Grenzen stoßen: „Der Quadratmeter Gewerbeland kostet bei uns um die 200 Euro, für Wohnbebauung sind es in der Spitze 350 bis 400 Euro“, stellt der Oberbürgermeister klar, dass eine engere Zusammenarbeit mit dem Umland auch für Norderstedt künftig unabdingbar sei. Außerdem müsse sich der Kreis Segeberg gegenüber den anderen Hamburg-Randkreisen Stormarn und Pinneberg behaupten, die immer noch vielversprechender in der Alterspyramide dastünden.

Die Zahl der WKS-Aufsichtsratsmitglieder hatte der Kreistag noch im Juni von neun auf sieben verringert. Zum Aufsichtsrat gehören Martin Ahrens (SPD), Jörg Buthmann, Angelika Hahn-Fricke (beide CDU), Regina Spörel (Grüne), Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (CDU, Vorsitzender), Landrat Jan Peter Schröder (Stellvertreter) und Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD). Untergebracht ist die WKS nun in der Kurhausstraße 1 im Gebäude der Volksbank.

Zukunftsatlas: Region hat sich in vielen Punkten verbessert

Der Norden sah bundesweit eher mau aus, der Kreis Segeberg aber hat nach Stormarn die zweitbeste Entwicklung im Land genommen. So stand es im „Zukunftsatlas Regionen 2016“, der im Mai herauskam (die LN berichteten). Nun ist die Detailauswertung für den Kreis Segeberg fertig, die zunächst im Wirtschaftsausschuss des Kreistages und nun von WKS-Geschäftsführerin Maike Moser im Aufsichtsrat der Wirtschaftsentwickler vorgestellt wurde. Die wichtigste Erkenntnis: Gegenüber dem Zukunftsatlas 2013 habe sich der Kreis Segeberg bis 2016 in 15 von 29 Positionen verbessert.

Untersucht haben die Prognos-Experten in den 402 Kreisen und kreisfreien Städten 29 Indikatoren in den vier Bereichen Demografie, Wohlstand & soziale Lage, Arbeitsmarkt sowie Wettbewerb &

Innovation. So sieht es in Segeberg zum Beispiel gut mit der Beschäftigung Hochqualifizierter aus; eine hohe Schulabbrecherquote gibt dagegen zu denken. Der Kreis, so die WKS, sollte an positiven Entwicklungen teilhaben und sich im oberen Mittelfeld behaupten. Insgesamt kam Segeberg unter 402 Körperschaften auf Rang 138, Stormarn auf 75. Lübeck (329) oder Neumünster (356) lagen weit hinten. ark

Lothar Hermann Kullack

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