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Segeberg Ein Zaun zum See soll die Asylunterkunft Warder sichern
Lokales Segeberg Ein Zaun zum See soll die Asylunterkunft Warder sichern
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21:36 10.03.2016
Einen direkten Seezugang von der Asylbewerberunterkunft darf es aus Sicherheitsgründen nicht geben. Das Tor ist für die Feuerwehr. Quelle: Fotos: Glombik

Schon gab es Unkenrufe, dass der Kreis Segeberg kräftig in die Tasche greifen müsse, um den für 1,33 Millionen Euro gekauften „Gasthof am See“ in Warder für die Aufnahme von bis zu 100 Flüchtlingen herzurichten. Hunderttausende Euro mehr an Baukosten für den Brandschutz? Das stimme so nicht, teilte der kommissarische Leiter der Immobilienverwaltung des Kreises (ISE), Stefan Ebert, auf LN-Anfrage mit. Es werde viel spekuliert. „Völliger Unfug. Wir bleiben im Bereich unseres eingeplanten Budgets.“ Wie hoch das sei, wollte Ebert allerdings nicht kundtun. Wenn, dann gebe es nur „geringfügige Überschreitungen“.

In wenigen Tagen ist das Bettenhaus der Kreisunterkunft bezugsfertig / Ausländerbehörde kann Flüchtlinge ohne Probleme an Kommunen weitergeben / Mehr Familien kommen.

„Wöchentlich kommen jetzt 40 bis 60 Neuankömmlinge von den Landesunterkünften zu uns.“Rolf Meenen, Leiter Ausländerbehörde

Die Decke zum Keller sei teilweise aus Holz, müsse wegen der Brandschutzauflagen entsprechend verkleidet werden. Im Keller dürften keine Gegenstände gelagert werden, der müsse „brandlastfrei“ sein. Die Gebäude des ehemaligen Gasthofs müssen auch mit einer Brandschutzmeldeanlage ausgestattet werden. Zum Nachbargrundstück und zum See sei aus Sicherheitsgründen ein Zaun gezogen worden. „Das mussten wir machen, schon wegen der Kinder.“ Eingebaut worden sei ein Tor, damit die Feuerwehr im Falle eines Brandes das Löschwasser aus dem See nehmen könne.

Frei für die Belegung mit Flüchtlingen sei in wenigen Tagen das „Bettenhaus“ am Ex-Gasthof, hier seien nur wenige bauliche Eingriffe erforderlich gewesen, auch das „Betreiberhaus“ auf dem Gelände könne genutzt werden. Zuletzt werde die ehemalige Gastwirtschaft bewohnbar sein. Ebert: „Dort stehen die größten baulichen Veränderungen an.“ Um Kostensteigerungen zu verhindern, suche man erst nach wirtschaftlichen Lösungen. „Im Moment müssen wir große Anstrengungen unternehmen, um überhaupt Fachfirmen zu bekommen, die kleinere Aufträge annehmen.“

In wenigen Tagen könnte das Bettenhaus in Warder bezogen werden, wenn „wir genügend Leute haben“, schränkt Rolf Meenen, Leiter der Ausländerbehörde des Kreises, ein. Die Kreisunterkunft Schackendorf habe jetzt erst zehn Bewohner. Aber zurzeit sei das Raumangebot bei den Kommunen sehr groß, „sodass wir uns aussuchen können, wo wir die Menschen unterbringen“. Der Kreis als Puffer ist gerade nicht so gefragt. Meenen: „Wir können das zurzeit ganz entspannt angehen, wir gehen aber davon aus, dass die Zahlen in den kommenden Wochen wieder hochgehen.“

Auch wenn die Balkanroute geschlossen werde, „die Menschen werden weiter zu uns kommen, davon gehe ich aus“. Wöchentlich kämen jetzt 40 bis 60 Neuankömmlinge. Das seien erheblich weniger als noch vor Weihnachten 2015. Trotzdem liege man in den ersten elf Kalenderwochen des Jahres 75 Prozent über den Zahlen des Vorjahres. Frauen stellen einen Anteil von 35 Prozent aller Flüchtlinge, die in den Kreis kommen — deutlich mehr als 2015. Meenen: „Alleinreisende werden weniger, jetzt kommen Familien.“

Von Wolfgang Glombik

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