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Ein ganzes Haus für ein einziges Langohr

Wittenborn Ein ganzes Haus für ein einziges Langohr

Wo früher Soldaten kämpften, sollen jetzt Fledermäuse erforscht werden. Allerdings über- wintert nur ein Tier dort. Kein Problem für Biologe Gloza-Rausch: „Sie werden kommen.“.

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So kann man in die Röhren sehen: Florian Gloza-Rausch hält einen Spiegel drunter, strahlt ihn an und kann so feststellen, ob ein Tier in einer der Röhren schläft.

Quelle: Spreer

Wittenborn. Fledermausfreunde brauchen Geduld. Zumindest, wenn sie den Tieren eine neue Unterkunft schmackhaft machen wollen. Auf den Faktor Zeit setzt voller Zuversicht Florian Gloza-Rausch, Experte vom Fledermauszentrum Noctalis. Vor genau zwei Jahren wurde für die Tiere auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Wittenborn ein Haus zu einem möglichen Unterschlupf hergerichtet. Das Gebäude haben Soldaten früher tausendmal zu Übungszwecken gestürmt. Häuserkampf. Jetzt hofft man, dass Fledermäuse das Haus einnehmen. Doch dass es nun dort von Flattermännern wimmelt, kann man echt nicht sagen. Immerhin: Eine einzige, ein Langohr, überwintert dort. „Ein Anfang“, sagt Gloza-Rausch.

LN-Bild

Wo früher Soldaten kämpften, sollen jetzt Fledermäuse erforscht werden. Allerdings über- wintert nur ein Tier dort. Kein Problem für Biologe Gloza-Rausch: „Sie werden kommen.“.

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„Wir hoffen, dass auch Fransenfledermäuse, Wasser- fledermäuse, Bechsteinfleder- mäuse hier einziehen.“ Florian Gloza-Rausch, Biologe am Noctalis

Er weiß: Die Tiere brauchen Zeit, um sich an neue Unterkünfte zu gewöhnen. „Es sind Traditionalisten, sie werden kommen“, ist er sicher. Das wisse man aus ähnlich vorbereiteten Unterkünften. Ist erst mal eine Pionierart da, kämen andere von selbst. In den Sommermonaten kämen sie tatsächlich schon, berichtet er. „Diese Tradition muss sich erst aufbauen. Sie jagen hier, sie ruhen sich hier aus, nehmen das Haus als Tagesquartier.“ Und sie nutzten es „als Liebeslaube“, wird Gloza-Rausch poetisch. Man habe schon viele Paare an den außen am Haus befestigten Nist- und Schlafkästen balzen gesehen. Ein gutes Zeichen.

Im Haus, wo es jetzt kalt und trocken ist, sind dutzende Überwinterungskästen aus Holz und Stein an die Wände geschraubt worden. Im Keller sorgen die Fledermausfreunde dafür, dass er immer feucht ist. Das Fallrohr einer Regenrinne ist so konstruiert, dass es in den Keller entwässert. Das Langohr, das als erste Fledermaus dieses Quartier für sich als Winterruhezone ausgeguckt hat, hat sich in eine der Zementröhren im Keller zurückgezogen. Der winzige Bursche schläft.

Überall sind Spuren von Fledermäusen zu finden — meist Kot. Langohren und Zwergfledermäuse sind vielfach hier gewesen. „Wir hoffen jetzt, dass auch Fransenfledermäuse, Wasserfledermäuse, Bechsteinfledermäuse — alles Arten, die in den Bad Segeberger Kalkberghöhlen leben, auch hier einziehen.“ Allerdings strebe man nicht an, dass sich der Lebenraum der Tiere von den Kalkberghöhlen in den Wittenborner Wald verlagere. Zumal in dem 330 Hektar großen Areal bereits zehn Fledermausarten leben.

Gloza-Rausch sieht das Gebäude als „Erprobungsstation“. Hier sollen verschiedene Ansiedlungsangebote erprobt werden. Das Optimum für ihn wäre, wenn man anderswo von den hiesigen Versuchen profitieren könnte. Er und sein Partner vom landesweiten Fledermaus-Monitoring, Mathias Göttsche, haben den Tieren eine Reihe von Angeboten gemacht. Sie mögen zum Schlafen oder Überwintern schmale Ritzen, in die sie kriechen können. Sie können entweder in das Gebäude hineinfliegen und es sich gemütlich machen oder sie nutzen Kästen und Schlitze an der Fassade. Sogar zwischen Plastikplanen und Rauhputzwänden oder unter Well- oder Trapezplatten aus Plastik, Blech oder Alu können sie sich einigeln.

Nach gut einer Stunde stößt Gloza-Rausch auf die einzige Fledermaus, die hier überwintert. Sie steckt in einer Betonröhre. Sehen kann man sie nur, wenn man einen Spiegel drunter hält und mit der Taschenlampe anstrahlt. Ganz hinten in der Röhre steckt der Winzling. Ihn zu fotografieren ist ein echter Akt und gelingt nur mittelmäßig. Das Tier lässt sich einfach nicht scharfstellen. Und wecken will den Langschläfer ja auch keiner.

Von Christian Spreer

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