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Segeberg Ein kleiner Rüpel mit viel Talent
Lokales Segeberg Ein kleiner Rüpel mit viel Talent
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14:22 22.01.2016
Pauli zeigt gern auf dem Podest, was er dort schon kann. Ihm macht die „Zirkusarbeit“ sichtlich Spaß. Quelle: Fotos: Spr
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Wiemersdorf

Pauli ist nicht ganz einfach. Aber das soll er auch gar nicht, meint Paulis zweibeiniger Chef, Yvonne Hübner. Sie mag es, wenn Pferde einen eigenen Kopf haben. Und den hat das neunjährige Shetland-Pony zweifellos.

Außerdem hat der Bursche Talent. Es ist fast zirkusreif, was Yvonne Hübner ihrem Pferdchen beigebracht hat. Etwa ein Dutzend Kunststücke kann Pauli schon. Im Spanischen Schritt zu gehen, beispielsweise, ist für ihn ein Klacks. Und „Kompliment“ zu machen, also eine Art Knicks, bei dem ein Vorderbein gestreckt und das andere nach hinten eingeknickt wird, so dass eine „Verbeugung“

entsteht, ist auch kein Thema für ihn. Aus dem „Kompliment“ entwickelten sich alle anderen Tricks — wie hinlegen, hinsetzen, drehen, rückwärts oder seitwärts gehen, Beine kreuzen, sich verneigen.

Pauli apportiert auch, etwa ein Tuch, das herunterfällt. Das hebt er mit den Zähnen auf und wedelt es hin und her. Oder er rennt einem Ball hinterher und liefert ihn bei Yvonne wieder ab. Er steigt auch gern auf ein Podest. Als Nächstes soll er die Piaffe lernen, eine Übung der klassischen Reitkunst, bei der das Pferd quasi auf der Stelle trabt.

Bei all seinen Kunststückchen ist Pauli ganz auf seine Halterin fixiert. Sie hängen aneinander. Das war nicht immer so. Yvonne Hübner: „Pauli ist ein kleiner Rüpel, doch als ich ihn das erste Mal sah, wollte ich ihn haben.“ Dabei war er „total unerzogen und übergewichtig“ — das Resultat einer besonderen „Liebe“ der Vorbesitzerin zu ihrem Shetty. Von so einem Pferdchen träumt man gemeinhin nicht. „Ich musste meinen Mann echt überzeugen, dass wir dringend noch dieses Pony brauchten.“ Damals war Pauli fünf.

Denn Yvonne Hübner hatte gleich erkannt: „Das ist ein Pony mit Feuer.“ Aber bissig, neugierig, frech und zickig. „Ich erlaube ihm das auch. Würde ich ihm das verbieten, hätte ich ein dumpfes Pony, das sich dumm-dusselig an meinen Bewegungen orientiert. Das will ich nicht.“ Ihr Ansatz war: Pauli soll nicht als „Rasenmäher“ sein Dasein fristen, er soll vielmehr das zwanglose Üben in der Wiemersdorfer Reithalle als Spiel empfinden.

Dass er Talent für Zirkuskunststücke hat, wie hat sie das erkannt? Den Anstoß gab eher eine Freundin. Die habe schnell gemerkt, dass das Pony gelehrig ist. „Mein Wunsch war, ihm ein schönes Zuhause zu geben mit einer Aufgabe. Wir haben vieles ausprobiert. Mit dem Führen fing es an. Da stellte sich raus, dass er wirklich plietsch ist.“

Aber er ist auch eigen. Das Longieren mag er gar nicht. „Das findet er doof und hält es für total überflüssig. Er sieht nicht ein, warum er immer im Kreis laufen soll.“ Pauli hat mehr Lust auf „Zirkusarbeit“. Mit leisen Kommandos und zaghaften Bewegungen vermittelt die 47-jährige Hartenholmerin dem Tier, was sie von ihm erwartet. Er mag das, will Neues ausprobieren. Beim Longieren zum Aufwärmen dagegen schert er immer wieder aus, bleibt einfach stehen. Auch wenn es sie manchmal nervt, eigentlich mag Yvonne Hübner es, wenn ihr Pferd zeigt, dass es einen eigenen Kopf hat.

Paulis Lieblingsübung ist das Hinsetzen. Das sieht irgendwie ulkig aus. Für den Zeitungsmann macht Pauli ganz brav alles mit, was seine zweibeinige Freundin von ihm will. Ist ja auch interessant, immer wieder fotografiert zu werden. Manchmal scheint er gar zu posen. Allerdings: Wiederholungen findet er öde. Yvonne Hübner: „Ich muss mir im Idealfall jeden Tag was Neues für ihn einfallen lassen.“ Die Arbeit mit Pauli ist auch für sie eine stete Herausforderung. Manchmal kommen dabei auch Leckerlis wie Möhrenstückchen zum Einsatz.

Yvonne würde gern mal mit Pauli in einer Zirkusarena einige Kabinettstückchen vorführen. Sie hat sogar mal beim Zirkus Krone angefragt, „ob ich mal mit ihm in das leere Zelt darf — nur zum Üben“. Ein Antwort habe sie leider nicht erhalten. In der Manege mit Pauli zu proben, ist für sie etwas ganz anderes als in einer Reithalle. „Dort riecht es nach Zuckerwatte und Mandeln, das muss eine ganz besondere Atmosphäre sein“, glaubt sie. Sie ist sicher, dass das auch ihrem Pony gefallen würde. „Je mehr Pauli sieht, hört und erlebt, umso abgeklärter wird er. Ein unerschrockenes Pony mit viel Selbstbewusstsein soll er sein, gesund und glücklich, ausgeglichen und mitdenkend — das sind meine Ambitionen.“

„Je mehr Pauli sieht, hört und erlebt, umso abgeklärter wird er.“
Yvonne Hübner

Christian Spreer

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