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Segeberg Eine Bildergalerie von geschundenen Rindern
Lokales Segeberg Eine Bildergalerie von geschundenen Rindern
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21:12 09.08.2017
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Bad Segeberg

Eine Kuh, die mit krummem Rücken nur auf die linken Läufe gestützt in ihrer Box verkümmert. Ein eineinhalb Jahre altes Jungrind mit stark zurückgebildeter Schultermuskulatur. Ein Bulle, der nicht aufstehen kann, sondern mit dickem Fesselgelenk in der Box kniet – von all dem und noch viel mehr, zum Teil Schlimmerem, war gestern vor dem Bad Segeberger Schöffengericht nicht nur zu hören, sondern die Tiere waren auch zu sehen.

Per Powerpoint-Präsentation führte Richterin Sabine Roggendorf jene Aufnahmen vor, die Amtstierärztin Dr. Maike Branke im April 2011 im Rinderstall des Landwirts Horst P. gemacht hatte. Der 57-Jährige ist angeklagt, in 13 Fällen seine Nutztiere vernachlässigt und ihnen jegliche medizinische Behandlung verwehrt zu haben.

Gleich vier Anwälte – von denen am gestrigen dritten Verhandlungstag drei erschienen waren – vertreten den Landwirt aus Todesfelde. Der fährt seinerseits schweres Geschütz auf: Er wirft dem Veterinäramt des Kreises vor, die Rinder bei Kontrollen mit der Mistgabel aufgescheucht und so verletzt zu haben. In der Tat war gestern das Foto eines Tieres mit einer großen klaffenden Hautwunde zu sehen, dem außerdem der Schwanz amputiert worden war.

Dass die Verletzungen aber von den beiden Tierärzten oder gar den beiden sie begleitenden Polizeibeamten verursacht worden sein könnten, erscheint nach der Zeugenaussage von Dr. Meike Branke äußerst unwahrscheinlich: „Wir haben die Tiere ja nicht einmal untersuchen können, weil niemand da war, der sie uns vorführte“, sagte die Amtstierärztin gestern vor Gericht. Bei mehr als 200 Rindern im Stall habe man nicht noch mehr Unruhe hineinbringen wollen und die Tiere deshalb nicht einzeln genau untersucht, sondern allein durch Inaugenscheinnahme und Fotos ihren zum Teil verheerenden Zustand festgehalten. Warum sie denn den Zustand auch der Tiere in einer speziellen Krankenbox dokumentiert habe, fragte Verteidigerin Verena Rottmann nach. Bei einer Krankenbox sei doch ohnehin klar, dass darin kranke Tiere stünden . . .

Genau das aber, so Dr. Branke, war schließlich der Zustand, den es zu dokumentieren gegolten habe: kranke oder vernachlässigte Tiere, zwar abgeteilt in einer Krankenbox, aber offenbar ohne jede ärztliche Behandlung. Horst P. dagegen hatte am zweiten Verhandlungstag argumentiert, Kontobelege über 36000 Euro für Tierarztrechnungen vorweisen zu können. Gestern hörte er sich alle Beschuldigungen nur an, ohne selbst Stellung zu nehmen.

Auf den Hof war das Veterinäramt erstmals verstärkt aufmerksam geworden, als ein Spaziergänger mit Hund auf der Koppel des Landwirts tote Ferkel entdeckt hatte. Immer wieder war der Hof seitdem Gegenstand von Kontrollen: hochgradig lahme Tiere, ungepflegte und deshalb schmerzhafte Klauen, amputierte Bullenschwänze, mangelnde tierärztliche Versorgung. Einige der Nutztiere sollen wegen der Vernachlässigung sogar verendet sein. Der Prozess wird heute um 9 Uhr fortgesetzt. Lothar Hermann Kullack

LN

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