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Segeberg Eine Bockmühle für die Wassermühle
Lokales Segeberg Eine Bockmühle für die Wassermühle
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21:22 07.01.2016
Eine Bockmühle in Ostfriesland zeigt das Bild von Theodor Herrmann, das Bürgermeister Dietrich Herms nun im Trauzimmer der Alten Wassermühle platziert hat. Quelle: Fotos: Petra Dreu/ Museumsinsel Stade

Ein außergewöhnliches Geschenk erhielt die Gemeinde Klein Rönnau in der Vorweihnachtszeit: ein Gemälde des Stader Künstlers Theodor Herrmann. Darauf zu sehen ist eine Bockmühle, wie sie vor mehr als 100 Jahren vielerorts in Ostfriesland zu finden war. Gemalt hatte das inzwischen sehr nachgedunkelte Bildnis der Maler Theodor Herrmann, der zeitweise als ein Künstler der zweiten Generation in der Künstlerkolonie Worpswede gearbeitet hat.

Zu verdanken hat die Gemeinde diese Schenkung Jochen Prahl, der lange Jahre in Klein Rönnau zu Hause war. Dort bewohnte der Schwager des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Klein Rönnauer Ehrenbürgermeisters Peter Kurt Würzbach ein Bauernhaus, zog dann aber nach Bad Segeberg. Als jetzt der nächste Umzug anstand, musste sich Jochen Prahl notgedrungen von ein paar Dingen trennen. Das Bild von Theodor Herrmann — dem 1991 in seiner Heimatstadt Stade ein „Inselfest“ gewidmet war und dessen Arbeiten auf der Museumsinsel in einem separaten Raum ausgestellt sind — gehörte dazu.

Geboren wurde der Maler Theodor Herrmann am 27. Juli 1881 in Stade. Er besuchte das Gymnasium Athenaeum in Stade, das er aber im Alter von 16 Jahren nach dem plötzlichen Tod seines Vaters verlassen musste. Später besuchte er die Großherzogliche Kunstschule in Weimar. Sein Lehrer Theodor Hagen war Wegbereiter des deutschen Impressionismus. Nach einem Wechsel an die Großherzogliche Akademie für bildende Künste in Karlsruhe wurde Herrmann durch die Freilichtmalerei von Leopold Graf von Kalckreuth geprägt.

Theodor Herrmann war in erster Linie als Zeichner für Zeitschriften tätig, fertigte aber auch Buchillustrationen, Wandgemälde und Bühnenbilder.

Seine frühen Werke malte er in der Art des Jugendstils, erst später wurde sein Stil vollkommener und raumfüllender. Seine Illustrationen verstand Theodor Herrmann eher als Möglichkeit zum Broterwerb, darüber hinaus war er als Maler immer auf der Suche nach Anerkennung.

Herrmann reiste viel, lebte zeitweise in der Künstlerkolonie Worpswede, kehrte schließlich aber in seine Heimatstadt Stade zurück, in der er 1914 das erste große Heimatfest gestaltete. Sein privates Glück fand Theodor Herrmann erst 1923, als er Friedel, die Tochter des Malers Karl Müller-Grote heiratete. Das Glück jedoch währte nur kurz: Wenige Wochen nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Beate verstarb Theodor Herrmann am 15. Dezember 1926 in Bremen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er wurde nur 45 Jahre alt.

Von den rund 200 Ölbildern, die er hinterlassen hat, wurden viele im Zweiten Weltkrieg zerstört. Bei einem Brand in einem Restaurant auf der Museumsinsel in Stade wurden am 3. Dezember 1992 weitere Bilder zerstört. Fachleute gehen davon aus, dass nur noch etwa 50 Gemälde von Theodor Herrmann vorhanden sind. Eines davon hängt nun in der Wassermühle.

Die Alte Wassermühle
Wann genau die Mühle in Klein Rönnau gebaut wurde, ist nicht bekannt, erwähnt wurde sie erstmals im Jahr 1342. Seit 1987 steht sie unter Denkmalschutz und befindet sich mit den dazugehörenden Gebäuden seit dem Jahr 2008 im Besitz der Gemeinde. In liebevoller Kleinarbeit haben eine Handvoll Ehrenamtler die Mühle wieder funktionsfähig gemacht, was sie regelmäßig am Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag, demonstrieren. Im ehemaligen Maschinenhaus ist der Kulturraum der Gemeinde entstanden, in dem Gottesdienste, Trauungen und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Für Gruppen ist eine Besichtigung nach Absprache mit Bürgermeister Dietrich Herms unter der Telefonnummer 0 45 51/ 8 47 40 möglich. pd

Petra Dreu

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