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Segeberg Eine Scherbe Ton kann alles verderben
Lokales Segeberg Eine Scherbe Ton kann alles verderben
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20:14 19.09.2016
Den spannende Blick hinter die Kulissen wagten am Tag der offenen Tür auf dem Firmengelände von Glasrecycling Nord (GRN) in Wahlstedt gut 50 Verbraucher. Es ist das einzige Unternehmen in Schleswig-Holstein, das den Rohstoff für die Wiederverwendung vorbereitet. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Flaschenberge so hoch wie Einfamilienhäuser, durchsichtig, braun, blau, mal beklebt, mal mit Deckel oder Korken: Altglas. Ein wertvoller Rohstoff, der zu über 90 Prozent immer wieder verwendet werden kann, also fast keinen Verlust hat – wenn er denn gut vorbereitet ist. Was mit Gurken-, Rotkohl-, Senf oder Marmeladengläsern, mit Wein- und Saftflaschen passiert, nachdem sie im Altglascontainer gelandet sind, davon konnten sich Besucher beim deutschlandweit ersten „Glasrecyclingtag“ ein Bild machen. Den Verbraucher zu sensibilisieren und zu informieren, stand bei der bundesweiten Aktion im Vordergrund. Auch die Firma Glasrecycling Nord (GRN) in Wahlstedt öffnete einen Vormittag lang ihre Tore für Neugierige. Es ist der einzige Betrieb dieser Art in Schleswig-Holstein.

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Beim ersten Glasrecyclingtag konnten Verbraucher bei GRN in Wahlstedt einen Blick hinter die Kulissen werfen.

„Heute: weiß, weiß, braun“ steht auf einem Plan im Bürotrakt und gibt den Lkw-Fahrern an, an welchem Sortierbunker sie ihre Ladung abkippen sollen. Diese Woche wird Weißglas vorbereitet. Um es für die Wiederverwertung aufzubereiten, steht vor allem eines im Vordergrund: sorgfältigstes Sortieren. Und das nicht nur nach farbig und nicht farbig. „Wenn das hier nicht ’rausgefischt ist, dann versaut es eine ganze Lkw-Ladung“, sagt Andreas Werner und hält den Besuchern eine Tonscherbe hin. Hans Teutsch, Betriebleiter bei Ardagh Glass – der Glashütte, die von GRN beliefert wird – konkretisiert, macht deutlich, wie schmal der Grat zwischen bester Qualität und Ausschuss ist: „In einer Tonne Altglas tolerieren wir maximal 25 Gramm Porzellan, Keramik oder Steine.“ Hochwertige Glasverpackungen aus der Wahlstedter Hütte bestehen zu 70 Prozent aus Recyclingglas.

„Man glaubt gar nicht, was die Leute alles in die Altglascontainer schmeißen: Blumentöpfe, Steingut, Porzellanvasen, benutzte Windeln, Plastiktüten, sogar tote Hamster und tote Katzen“, weiß GRN-Schichtleiter Andreas Werner. Die Bänder stehen still, sonst könnten die rund 50 Personen, die in kleinen Gruppen herumgeführt werden, kaum verstehen, was Werner erklärt.

Klirrend und lärmend befördern die Bänder normalerweise das, was die Laster aus den Containern im Land zusammengetragen haben.

Altglas so vorzubereiten, dass daraus wieder ein neuer Glasbehälter wird, ist ein dreckiger Job. Die Maschinen machen ohrenbetäubenden Krach: Ohrenschutz, lange Gummihandschuhe, Gummischürze, Sicherheitsschuhe – Frauen sortieren an den Förderbändern das aus, was nicht ins Recycling gehört. Mit Kameras wird der mehrfach zerkleinerte Rohstoff kontrolliert, selbst Kleinstteilchen „herausgeschossen“.

Der Aufwand lohnt sich, denn das dem Kreislauf zurückgeführte Glas hat einen deutlich niedrigeren Schmelzpunkt, als wenn man Sand, Soda und Kalk zu neuem Glas verarbeiten würde: „Pro zehn Prozent Scherbeneinsatz reduziert sich die Schmelzenergie um drei Prozent“, rechnet GRN-Betriebsleiter Torsten Büge vor.

Der Kreislauf des Glases

2 Millionen Tonnen Altglas etwa werden in Deutschland jedes Jahr gesammelt und wiederverwertet.

88,7 Prozent beträgt die Altglas-Recyclingquote in Deutschland.

40 000 Tonnen Altglas durchlaufen in diesem Jahr bei GRN die Sortieranlagen, um später in der nahegelegenen Glashütte weiterverarbeitet zu werden. 1,5 Millionen Glasbehälter produziert die Ardagh Group in ihrem Werk in Wahlstedt täglich. Hier sind 190 Mitarbeiter beschäftigt.

Heike Hiltrop

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