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21:34 08.01.2018
Großformatige, altertümlich wirkende Reliefs wie dieses hat der Künstler Mehdi Azimi Aref in seiner Heimat gefertigt.
Bad Segeberg

Unterstützung bekommt er durch die Kunstpädagogin Antje Wilkening aus Bad Segeberg. Sie ist von seinen künstlerischen Arbeiten des 34-Jährigen mehr als überzeugt. „Das ist hochprofessionell, was er macht.“ Doch warum kommt so ein in Iran anerkannter Künstler, der sich in Teheran einen Namen gemacht hat, nach Schleswig-Holstein? Wenn Mehdi von seinem früheren Leben erzähle, klinge alles fast wie ein Märchen. Ein junger Mann, dem alles gelingt, der sich nach seinem Kunststudium in Karradsch, einer Stadt in der Nähe von Teheran, knapp 5000 Kilometer von Bad Segeberg entfernt, einen Namen als anerkannter Künstler macht.

Die Jugendakademie (VJKA) hat für den künstlerischen Bereich einen neuen Dozenten – und damit ist ihr ein echter Glücksgriff gelungen, denn Mehdi Azimi Aref (34) ist ein wahrhafter Künstler. Auch für den jungen Iraner ist der Neuanfang in Deutschland ein Glückstreffer. Jetzt bietet der Experte gar einen Ton-Workshop in der Akademie an.

Auf dem Laptop zeigt er stolz Bilder seiner Kunstwerke, die er im Iran angefertigt hat. Für Antje Wilkening ist das „sehr variantenreich – von abstrakt bis hin zu traditionellen Motiven“. Besonders beeindruckend seien dabei großformatigen Reliefs mit figürlichen Motiven. Er arbeitet mit Ton und Gips, die er in der im Iran sehr beliebten traditionellen Mosaikform anfertigt. Sie hängen an den Wänden von luxuriösen Hotels und Restaurants, in Banken, im Teheraner Zoo und an U-Bahn-Stationen. Vom dem Geld, das er mit seiner Kunst verdient, kann sich Mehdi Azimi Aref in seinem alten Leben im Iran schnell eine eigene Galerie einrichten, ein eigenes Haus und zwei Autos kaufen.

Doch dann kommt ihm die Liebe dazwischen. Aller Erfolg, der gute Ruf und das luxuriöse Leben haben auf einmal keinen Bestand mehr. Er muss den Iran verlassen und einen Neuanfang in einer ihm fremden Welt wagen. Antje Wilkening: „Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt er von Sarah, seiner Frau. Er kannte sie schon aus seinen Uni-Zeiten – sie ist Christin, er Moslem. Das stellte für beide kein Problem dar, wohl aber für seine Familie. Als sie heiraten, wendet sich die Familie von ihm ab – der Vater verrät den eigenen Sohn gar an die Polizei. Von dem Haftbefehl erfährt er über den Bruder, und zu Fuß fliehen Sarah und Mehdi in die Türkei. Von dort geht es mit dem Boot weiter nach Griechenland, später mit dem Flugzeug nach Österreich und zum Schluss mit dem Zug nach Deutschland.“ In Flensburg hat Mehdi einen Freund, der das Paar für kurze Zeit aufnimmt. Von dort gelangen sie in das Auffanglager für Flüchtlinge in Neumünster – und von dort dann nach Bebensee. Seine Flucht passierte Hals über Kopf, er konnte nur seine wichtigsten Dinge und Papiere mitnehmen.

In Bebensee lebt das Paar nun. Beide sprechen gut deutsch. Mehdi ist inzwischen zum Christentum konvertiert, hat seine Führerscheinprüfung wiederholt und ist dadurch auch mobil. Durch eine dem Studium vorangegangen Lehre als Friseur kann er sich in einem Friseurladen mit einer Halbtagstätigkeit seinen Lebensunterhalt inzwischen auch selbst verdienen.

In Bebensee findet Mehdi auch Unterstützung für seine künstlerische Arbeit. Bei einer befreundeten Nachbarin kann er einen Raum als Atelier nutzen und aus Ton neue Kunstwerke schaffen.

Die Techniken beherrscht er perfekt, berichtet Antje Wilkening, die selbst künstlerisch arbeitet und Schüler im Städtischen Gymnasium unterrichtet. Mehdi Azimi Aref könne zum Beispiel sehr gute Tipps geben, wie man auch filigrane Tonplastiken aufbaut. Selten sieht man derartig zarte und technisch brillante Figuren. Er könne Anfänger unterstützen, aber auch Fortgeschrittene, die sich weiter entwickeln möchten. Dazu komme, dass Mehdi ein freundlicher aufgeschlossener, immer gut gelaunter Mensch sei, der wirklich Spaß an der Kunst vermitteln könne.

Die KulturAkademie bietet jetzt Jugendlichen ab 15 Jahren und interessierten Erwachsenen und Multiplikatoren die Möglichkeit, von der künstlerischen Kompetenz und Kunstfertigkeit des Iraners zu profitieren. Ab dem 15. Januar wird es wöchentlich immer montags in der Zeit von 17 bis 19 Uhr einen offenen Ton- Workshop im Kunstatelier der KulturAkademie geben. Hiermit bietet Mehdi einen regelmäßigen, aber unverbindlichen Raum für eigene Ideen und erste Schritte, mit Ton künstlerisch zu arbeiten. Mehdi steht mit Anregungen und fachlicher Beratung bereit. Die Kosten betragen pro Montag zehn, ermäßigt sieben Euro zuzüglich Materialkosten nach Verbrauch. Die Teilnahme ist unverbindlich, der Teilnehmer-Betrag wird nur für das jeweilige Treffen entrichtet. Weitere Fragen beantwortet Sabine Lück unter Telefon 04551/95910.  wgl

LN

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