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Segeberg Einen „Oscar“ für Nachwuchsförderung
Lokales Segeberg Einen „Oscar“ für Nachwuchsförderung
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21:21 03.03.2018
Der Syrer Mohamad Topal absolviert eine Ausbildung als Mechatroniker beim Nutzfahrzeugbetrieb Jeschke in Ellerau. Hier setzt er gerade einen Schneepflug in Gang. Quelle: Foto: Fuchs
Ellerau/Wiemersdorf

Mit einem geliehenen Lkw ist er vor vier Jahren mit seinen Eltern und drei Geschwistern aus dem zerbombten Aleppo in Syrien nach Deutschland gekommen. Heute absolviert der 23 Jahre junge Mohamad Topal in Ellerau beim Nutzfahrzeug-(NFZ)-Service Jeschke eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Ein Vorzeigebetrieb. Gerade hat ihn die Arbeitsagentur für seine vorbildliche Nachwuchsförderung mit dem Ausbildungs-Award 2018 ausgezeichnet – mit dem Straßenbauunternehmen Offen aus Wiemersdorf als zwei von etwa 10000 Ausbildungsbetrieben im Kreis Segeberg.

Mehr Lehrverträge

Im Jahr 2017 verzeichnete die für den Kreis Segeberg zuständige Arbeitsagentur Elmshorn 3486 neue Ausbildungsverträge. Das waren 39 (1,1 Prozent) mehr als im Jahr davor. Landesweit stieg die Zahl der Ausbildungsverträge um 0,6 Prozent auf 20 103 an. Bundesweit begannen rund eine halbe Million junge Menschen mit einem Lehrberuf.

Dabei gibt Firmenchef Andreas Jeschke nicht nur jungen Bürgerkriegsflüchtlingen eine Chance in seinem Elf-Mann-Betrieb. Auch Schulabgänger, die nicht so gute Noten haben, schon mal eine Ausbildung abbrachen oder persönliche Probleme haben, nimmt Jeschke bei sich auf. „Auch die Musterschüler mit den besten Schulnoten kommen in die Pubertät und haben die gleichen Probleme wie Liebeskummer oder Streit im Elternhaus“, erklärt der Ausbildungschef sein Verständnis für die Außenseiter.

Er lege großen Wert auf den persönlichen Eindruck bei der Bewerbung und ein vorheriges Praktikum in seinem Handwerksbetrieb, sagt Jeschke. Denn handwerkliches Geschick sei natürlich Voraussetzung in einem Betrieb, der Nutzfahrzeuge repariert und mit Kränen, Aufbauten oder Schneeschaufeln versieht.

Dabei gebe er dem Interessenten immer eine zweite Chance. Ein Jugendlicher stellte sich bei ihm vor, ohne sein Käppi abzunehmen, erzählt der Ellerauer Kfz-Meister. „Den habe ich noch mal nach draußen zum Nachdenken geschickt“, sagt Jeschke, dem das Unternehmen seit 14 Jahren gehört. Dort drehte der Junge ein paar Runden auf dem Hof, sichtlich verwundert darüber, was er wohl falsch gemacht haben könnte. Dann sei er wieder reingekommen, allerdings ohne das Käppi – und habe schließlich die Ausbildungsstelle bekommen.

„Sie sind ein Vorbild für andere Betriebe und ein Mutmacher für Schulabgänger, die nicht auf Anhieb eine Lehrstelle finden“, lobte Ute Beckmann, Geschäftsführerin der für den Kreis Segeberg zuständigen Arbeitsagentur Elmshorn das Engagement Jeschkes. „Bei Ihnen kann man sogar den ersten Eindruck wiederholen, wenn der nicht so gut war.“

Einem anderen Auszubildenden half der Handwerksmeister sogar persönlich auf die Sprünge. 140 Kilogramm hatte der junge Mann plötzlich gewogen und konnte sich kaum noch bewegen. „Da bin ich zu seinen Eltern gefahren und habe mit ihnen zusammen beratschlagt, wie sie seine Ernährung umstellen könnten.“ Heute gehe es dem jungen Mann gesundheitlich viel besser.

Regelrecht als „Türöffner“ habe sich Jeschke aber für die Arbeitsagentur bei der Vermittlung von geflüchteten Ausbildungsbewerbern erwiesen, lobt der Norderstedter Arbeitsvermittler Oliver Schweins. Drei Syrer habe er bereits in seinem Betrieb aufgenommen und zuvor mit seiner Belegschaft eingehend darüber gesprochen, damit sie die jungen Leute aus dem fremden Land auch kollegial gut aufnähmen. „Die haben sich alle hervorragend integriert“, sagt Jeschke, der sie täglich auffordert, ihre Arbeitsschritte aufzuschreiben, damit sie die fremde Sprache schnell lernen. So wie Mohamad Topal, der sogar gleich das erste Lehrjahr überspringen konnte, weil er bereits in Syrien an Autos und Traktoren geschraubt hatte und sich gleich gut auskannte mit den Maschinen. Der junge Syrer ist begeistert von seiner Aufgabe. „Es macht mir sehr viel Spaß hier“, sagt er, als er gerade mit dem Altgesellen Jonas Endruweit die defekte Elektronik eines Baukrans überprüft. Ende nächsten Jahres ist er mit seiner Ausbildung fertig. Er habe gute Chancen, wie auch die beiden anderen Auszubildenden bei NFZ Jeschke, danach übernommen zu werden.

Burkhard Fuchs

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