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Eingesetzte Karpfen gefährden seltene Ihlsee-Pflanzen

Bad Segeberg Eingesetzte Karpfen gefährden seltene Ihlsee-Pflanzen

Biologe Joachim Stuhr untersuchte im Auftrag des Landesamtes das städtische Gewässer.

Bad Segeberg. Es ist ein Natur-Kleinod mitten in der Stadt: Nach einer aktuellen Untersuchung des Biologen Joachim Stuhr drohen dem Ihlsee aber neue Gefahren. Dabei ist das nährstoffarme Gewässer mit Abstand der wertvollste See in Schleswig-Holstein — trotz vielfältiger Nutzerinteressen von Angler bis Badegast. Von allen kalkarmen Seen sei dieser einmalig, habe auch deutschlandweit eine hohe Bedeutung, so der Diplombiologe. Von der extrem bedrohten Wasser-Lobelie gebe es Bestände in Schleswig-Holstein nur noch im Ihlsee. „Manche Bad Segeberger wissen gar nicht zu schätzen, an was für einem See sie da wohnen.“ Und doch ist das Gewässer von Nutzern geradezu umzingelt und bedroht — zum Beispiel durch fehlerhaften Fischbesatz und Eintrag durch Baustellenabwässer und Phosphatdünger.

Nach sechs Jahren hat Joachim Stuhr das städtische Gewässer für das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), erneut untersucht. Die Belastung durch Badegäste an der Badeanstalt stuft Stuhr mittlerweile als nicht mehr so hoch ein. Die Zahl der Badenden habe in den vergangenen Jahren nach seiner Beobachtung nachgelassen. Im Bereich der Badestelle gebe es ohnehin durch jahrelangen Vertritt kaum noch empfindliche Pflanzen. „Toiletten sind ja vorhanden, so dass der Nährstoffeintritt durch Urin nicht allzu hoch sein dürfte.“ Dennoch nehme der Schilfbewuchs deutlich zu.

Sorge bereitet Stuhr vor allem der Besatz durch Karpfen. Die werden auch als „Unterwasserschweine“ bezeichnet, da sie genau wie Schweine im Schlamm auf der Suche nach Futter herumwühlen. Stuhr schlägt Alarm: „Ich habe in diesem Jahr bei meinen Tauchgängen beobachtet, dass in bestimmten Zonen höchst seltene Pflanzen von Karpfen freigelegt wurden.“ Dabei sei der nährstoffarme Ihlsee eher ein typischer Hecht- und Barsch-See, da könne man als Angler gar nicht so viel herausholen. „Wer hier Karpfen einsetzt, fügt dem See Nährstoffe und damit Schaden zu.“ Schon seien große Bereiche des Sees wegen der Karpfen vegetationsfrei. Stuhr: „Die Stadt als Gewässer-Eigentümer könnte hier ein ordentliches Fischmanagement von den Sportfischern verlangen, Karpfen gehören hier nicht rein.“ Diese Fische sind nur durch Zufütterung zu halten. Aber das ist im Naturschutzgebiet verboten, aber nach LN-Information von Anliegern beobachtet worden.

Ansonsten leidet die Wasser-Lobelie — sie gehört zur Familie der Glockenblumengewächse — durch Vertritt von Badenden. Je nachdem, ob die Anlieger häufig den Flachwasserbereich betreten, ist die Pflanze gefährdet. Vorteilhaft seien hier übrigens die sonst verteufelten Stege, wenn Badende über sie ins Wasser steigen und so die Wasser-Lobelie schonen,berichtet Stuhr. „Bevor an Privatgrundstücken im Uferbereich die ganze Vegetation im Flachwasserbereich zertrampelt wird, sollte man dort eher Stege erlauben.“ Je nachdem, wer da wohne, seien Uferbereiche naturnah geblieben oder völlig frei von Bewuchs, beobachtete Stuhr von der Wasserseite. In anderen Seen Schleswig-Holsteins sind die Bestände der Wasser-Lobelie mittlerweile völlig verschwunden. Im Ihlsee gebe es noch welche aber rückläufig — vor allem wegen der wühlenden Karpfen.

Früher schwankte der Wasserstand im Ihlsee viel mehr, habe er erfahren. Heute werde das Wasser gestaut. Aber für die Wasser-Lobelie sei es gut, wenn ihre ufernahen Bestände ab und zu trockenfallen.

„So oxidiert der Schlamm, die Nährstoffe werden reduziert“, erklärt Stuhr.

Ganz wichtig ist, dass von Baustellen — davon gibt es derzeit zumindest eine große — kalkreiche Abwässer und Bodenpartikel nicht in den See gespült werden. „Da muss viel mehr darauf geachtet werden.“

Auch das Düngen des Garten durch Phosphate könnte eine schlimme Belastung für den See sein, ruft Stuhr die Anlieger dazu auf, ihren Rasen nicht zu düngen — des einmaligen Ihlsees zuliebe.

Wolfgang Glombik

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