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Segeberg Elektrorollstuhl für querschnittsgelähmten Flüchtling
Lokales Segeberg Elektrorollstuhl für querschnittsgelähmten Flüchtling
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22:11 10.05.2016
Siegfried Peter Huss und Pastor Steffen Paar (hinten, v. l.) haben einen Elektrorollstuhl für den jungen Armenier Aghasi besorgt, der in Sülfeld von seiner Mutter Schuschanik Hovhannisyan betreut wird. Quelle: Dreu

26 Jahre ist Aghasi Hovhannisyan alt, ein junger Mann mit breiten Schultern. In seiner Heimat Armenien hat er auf dem Bau als Schweißer gearbeitet. Ein harter Job, aber Aghasi sah dem Leben positiv entgegen. Bis er 2014 brutal zusammengeschlagen wurde, seine Angreifer ihn mit Tritten und Schlägen malträtierten, erzählen er und seine Mutter. Über die Hintergründe aber möchte die Familie nicht sprechen. Aber die Folgen sind offensichtlich: Der junge Mann erlitt einen Wirbelbruch und ist seither querschnittsgelähmt.

Für Aghasi und seine Familie begann die schlimmste Zeit ihres Lebens zwischen Resignation und einem Funken Hoffnung, dass der 26-Jährige irgendwann wieder laufen kann. Die Familie kratzte all ihre Ersparnisse zusammen, damit sich Aghasi und seine Mutter Shushanik auf den Weg nach Deutschland machen konnten. Sie hofften auf eine Operation, die das Gefühl in Aghasis Beine zurückbringen sollte.

Und sie hofften — und hoffen immer noch —, dass sie in Deutschland bleiben können.

Der Anfang war vielversprechend. Mutter und Sohn fanden im Sommer 2015 in Sülfeld ein neues Zuhause und Unterstützung beim dortigen Helferkreis der Kirche, der sich um Flüchtlinge kümmert. Besonders das Ehepaar Heike und Siegfried Huss nahm sich der beiden verzweifelten Armenier an. Hausarzt Matthias Herbold leitete eine Untersuchung in der Asklepios Klinik Nord (ehemals Heidberg-Krankenhaus) in Hamburg in die Wege. Aghasi wurde operiert. Die Ärzte entfernten veraltetes Stützmaterial an der Wirbelsäule und ersetzten es durch neues nach hiesigen Standards. Seine Querschnittslähmung aber konnten die Operateure nicht rückgängig machen.

„Als der junge Mann die Nachricht bekam, für immer auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, brach für ihn und seine Mutter eine Welt zusammen. Bis zuletzt hatten sie die Hoffnung gehabt, dass nach der Operation alles wieder gut werden würde“, erzählt Siegfried Huss. Erst während einer Rehabilitationsmaßnahme in Greifswald habe der junge Armenier gelernt, mit seiner Behinderung umzugehen und seinen unabänderlichen Zustand zu akzeptieren. Wieder zurück in Sülfeld haben ihn die niedergelassenen Ärzte weiterversorgt. In einer Physiotherapie-Praxis bekommt er zudem eine auf ihn zugeschnittene Therapie. Dabei jedoch wollte es Siegfried Huss mit seiner persönlichen Hilfe nicht bewenden lassen. „Aghasi ist ein junger, kräftiger Mann. Er kann doch nicht den ganzen Tag zu Hause in der Wohnung mit seiner Mutter und anderen Flüchtlingen verbringen“, erzählt der engagierte Sülfelder. Er kümmerte sich darum, eine sinnvolle Beschäftigung für ihn zu finden. Das jedoch war alles andere als einfach, denn Asylbewerber ohne abgeschlossenes Verfahren dürfen grundsätzlich nicht arbeiten. Als noch schwieriger erwies es sich, eine sinnvolle Tätigkeit für einen behinderten Flüchtling zu finden.

Siegfried Huss fand schließlich offene Türen in der Förderwerkstatt des Oldesloer Pflegeheims „Forsthaus“. Mit Genehmigung der Ausländerbehörde kann der junge Mann dort ein Praktikum in der Recycling-Abteilung absolvieren und seine Fähigkeiten trotz Behinderung ausprobieren. Die Hilfe von Siegried Huss ging aber noch weiter: Dank der finanziellen Unterstützung des Fördervereins „Kirchliches Leben in Sülfeld“ und Spendengeldern der Kirchengemeinde, die im vergangenen Jahr bei einem Benefizkonzert für Flüchtling zusammengekommen sind, besorgte er nun für 450 Euro einen gebrauchten Elektrorollstuhl, den er jetzt zusammen mit Pastor Steffen Paar dem jungen Armenier übergab. Steffen Paar: „Wir helfen jedem Menschen, der unsere Hilfe benötigt.“ Siegfried Huss: „Mit seiner Querschnittslähmung umzugehen, ist für ihn schwer genug. Mit dem Elektrorollstuhl ermöglichen ihm die Sülfelder größere Ausfahrten durch die Gemeinde und mehr Lebensqualität.“

Förderverein sucht Vorsitzenden

Der „Förderverein Kirchliches Leben in Sülfeld“ wurde 2004 von engagierten Sülfeldern gegründet und schüttet aus Spendengeldern jährlich rund 10000 Euro an die Kirchengemeinde aus.

Überall dort, wo das Budget der Kirche nicht ausreicht, hilft der Förderverein.

Zu den geförderten Projekten gehören neben der Musikerziehung von Kindern Aktionen im Kindergarten und in der Seniorenarbeit. Der Förderverein sucht neue Mitglieder mittleren Alters, die das kirchliche Leben in Sülfeld aktiv mitgestalten wollen. Mindestens drei Euro kostet der Monatsbeitrag. Rentner zahlen zwei Euro. Außerdem ist der Verein auf der Suche nach einem Vorsitzenden.

Wer sich engagieren möchte, erhält nähere Infos bei Siegfried Huss unter der Telefonnummer 04537/681. pd

Von Petra Dreu

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