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Segeberg Emanuel Goldfarb und seine Geschichte eines jüdischen Lebens
Lokales Segeberg Emanuel Goldfarb und seine Geschichte eines jüdischen Lebens
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22:24 11.11.2013

Zum Gedenken an das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte und den 75. Jahrestag der Reichspogromnacht hatten am Sonnabend nicht nur Vertreter der Stadt und der Jüdischen Gemeinden Kränze an der Gedenkstätte der alten Synagoge niedergelegt. Abends gab es in der neuen Synagoge ein Theaterstück, ein Monodrama, in dem der Schauspieler Jan Katzenberger mit sich und seinem Leben, vor allem aber mit seiner geschiedenen Frau Hanna haderte.

Als Emanuel Goldfarb, ein in Hamburg lebender Jude Mitte 50, die Einladung einer Schule bekommt, an einer Sozialkundestunde einer achten Klassen teilzunehmen und Fragen der Schüler zu beantworten, beginnt ein Monolog, der die innere Zerrissenheit des jüdischen Journalisten aufzeigt. Er stand zwischen religiösen Vorgaben und dem Zusammenleben mit seiner Frau Hanna, für die er „unerträglich jüdisch“ geworden war. So hatten sich die Eltern über die Entscheidung, ob ihr Sohn beschnitten werden sollte, entzweit. „Warum war ich bereit, meinen Sohn zu verlieren, anstatt ihn unbeschnitten zu lassen?“

Seine Religion sei in Mode gekommen. Kein Stadtfest ohne jüdisches Essen und jeder, der auf sich halte, fahre nach Fürth zum Festival der Klezmermusik — eine Musik, die er nicht ausstehen könne.

„Wenn ihr schon unsere Musiker umgebracht habt, könnt ihr nicht wenigstens unsere Musik in Ruhe lassen?“, fragte der Schauspieler das Publikum, unter dem auch Schüler der Ahrensburger Heimgartenschule waren.

Walter Blender, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, konnte in dem Theaterstück viele Parallelen zu seinem eigenen Leben entdecken. Sogar Fragen, die Emanuel Goldfarb gestellt wurden, habe er auch beantworten müssen. Stolz war Blender über die Umgestaltung des Saals in der Synagoge, der mithilfe eines Vorhangs und der neuen Empore den Charakter eines Theatersaals bekommen hatte. „Die Thorarolle haben wir herausgebracht und das ewige Licht gelöscht. Meine Mutter hat den Vorhang genäht“, verriet der Vorsitzende , der kurzentschlossen den 9. November zum „Tag der Deutschen“ ausrief.

Begründungen dafür hatte Blender gleich mehrere, so habe der Matrosenaufstand am 9. November 1918 zum Ende der Monarchie geführt. Am 9. November 1923 wurde der Putschversuch Hitlers niedergeschlagen, die Reichspogromnacht 1938 — wieder ein 9. November. Und am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Am 9. November jährte sich auch der Todestag von Werner Hirschfeld, der zwei Jahrzehnte im Krankenhaus des Landesvereins Rickling gelebt hatte. Blender: „Ein einziges Mal war er bei uns und hat das Sukkot-Fest mit uns gefeiert.“ Danach sei er 2002 gestorben. „Er war der zweite Tote auf dem neuen Friedhof.“

pd

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