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Segeberg Emotionale Momente in der Kirche
Lokales Segeberg Emotionale Momente in der Kirche
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20:37 07.11.2016
Michael Kröning hatte die Idee zu der Konzert-Lesung. Hier interviewt er Denise Bartels. Sie leidet an dem Ehlers-Danlos-Syndrom. Quelle: Fotos: Dreu

Es hat schon viele gute Veranstaltungen in der Kirche zu Warder gegeben, doch keine war so emotional wie die Konzertlesung mit dem Titel „Sehenswürdigkeiten“.

Vier Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten und Behinderungen berichten bei einer Konzertlesung in Rohlstorf, wie sie ihr Leben trotz allem meistern.

„Ich dachte, von allen schlimmen Krankheiten befreit zu sein.“Jana Lenz

Einfühlsam waren die Lieder der jungen Band „Rising Church“, bewegend die Geschichten, mit denen vier Menschen im Schein einer Stehlampe die Besucher der Kirche an ihrem Leben teilhaben ließen.

Inszeniert hatte die Konzertlesung Michael Kröning, der seine „Models“, wie er sie selbst immer wieder nannte, zuvor in einem Fotoshooting in Szene gesetzt hatte.

„Sehenswürdigkeiten bleiben uns in Erinnerung, aber sie bleiben nicht in unserem Herzen“, sagte der Hobbyfotograf Kröning bei der Begrüßung der Besucher im restlos gefüllten Kirchenschiff. Dass seine vier „Models“ in Erinnerung bleiben würden, daran hatte er jedoch gar keinen Zweifel. Er dankte all jenen, die das Wertvollste mitgebracht hatten, was auch noch definitiv begrenzt ist: Zeit. Die hatten auch die jungen Musiker mitgebracht, die für weitere emotionale Momente in der Kirche sorgten.

Eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre hatte Kröning mit zwei Sesseln, Beistelltisch und Stehlampe in die Kirche gezaubert. Kerstin Scheinert war seine erste Interviewpartnerin. Seit einem Reitunfall ist sie querschnittsgelähmt und auf einem Auge blind. Es gebe die Kerstin vor dem Unfall und die Kerstin nach dem Unfall, erzählt sie und sorgt für Bewunderung, denn die andere Kerstin möchte sie gar nicht mehr sein. „Ich bin nicht mehr fähig, alles zu machen, ich bin aber auch nicht zu bedauern“, erzählt sie.

Denise Bartels leidet an der sehr seltenen Krankheit „Ehlers Danlos“, einer Überbeweglichkeit mit Bindegewebsschwäche. Nur 5000 Menschen von 80 Millionen Deutschen haben diese Krankheit. „Morgens, wenn ich aufwache, bin ich froh, wenn meine Hüfte noch dort ist, wo sie hingehört. Ist sie das nicht, muss ich darauf hoffen, dass sie wieder zurückhüpft, denn sonst kann ich nicht aufstehen“, erzählt Bartels. Die meiste Lebensqualität schenke ihr der Rollstuhl mit dem sie sich weiter als 500 Meter von zu Hause wegbewegen kann.

„La Türe“, ein großer schwarzer Hund, den er von einer Punkerin geerbt hat, hat das Leben von Thomas Techowski verändert, der mit einer Halbseitenlähmung zur Welt kam. „In der Schule wurde ich gemobbt. Das hat sehr weh getan. Ich glaube, jeder auf einer normalen Schule kennt das“, sagt er und freut sich, einen Job gefunden zu haben, bei dem er ohne staatliche Unterstützung auskommt.

Kann ich den Hut in der Kirche aufbehalten? Die Frage hatte sich Jana Lenz gestellt, die an gleicher Stelle schon so oft mit dem Gospelchor aufgetreten ist. „Der Rolli gehört dazu, Orthesen gehören dazu und zu Deiner Krankheit gehört die Glatze“, ermuntert sie Michael Kröning. „Als Kind war ich nie krank“, begann Jana Lenz, deren Leben mit Anfang 20 durch eine Lebertransplantation gerettet wurde. „Ich bin stolz, dass die Narbe auf meinem Bauch zu mir gehört“, erzählt die junge Frau, die seitdem geglaubt hat, von allen schweren Krankheiten befreit zu sein. Doch dann kam der Blutkrebs.

Die erste Stammzellenübertragung misslang, jetzt hat sie die zweite hinter sich und hofft erneut auf eine Heilung. „Manchmal träume ich, wir würden den Jackpot knacken. Mein Mann ist mein Jackpot.“

Petra Dreu

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