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Segeberg Enkel-Masche: Seniorin trickst Betrüger aus
Lokales Segeberg Enkel-Masche: Seniorin trickst Betrüger aus
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21:48 04.06.2018
Die Seniorin durchschaute den Betrüger und legt ihn kurzerhand selbst aufs Kreuz. Quelle: Fotolia
Bad Bramstedt

Er brauche wegen einer persönlichen Notlage dringend 19 000 Euro, versuchte ihr der Anrufer weiszumachen, der sich Freitagmittag bei der Rentnerin meldete und behauptete, der Enkel der Frau zu sein. Offenbar roch die Dame den Braten aber sofort – auch weil ihr wirklicher Enkel zu diesem Zeitpunkt bei ihr zu Hause auf der Couch saß.

Doch anstatt den Betrüger am Telefon einfach abzuwimmeln, spielte sie dessen Spiel kurzentschlossen mit – um ihn von der Polizei zur Rechenschaft ziehen zu lassen. „Sie ist auf das Gespräch eingestiegen und hat dem Anrufer versichert, dass er das Geld haben könne, sie aber lediglich zehntausend Euro würde aufbringen können“, sagt Arnd Habermann, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg.

Betrüger ahnten offenbar nichts

Den Betrüger überzeugte die Geschichte offenbar. Er kündigte an, das Geld später abholen zu kommen, legte auf. „Nach unserer Erfahrung reagieren diese Täter sehr sensibel. Schon auf den kleinsten Verdacht hin, ihr Opfer würde sich mit Angehörigen oder der Polizei in Verbindung setzen, nehmen sie von ihrem Vorhaben Abstand“, erklärt Habermann. Direkt nach dem ersten Anruf riefen die Betrüger oft noch ein zweites Mal an, um sicherzugehen, dass niemand Drittes angerufen werde.

In diesem Fall ahnten die Betrüger aber offenbar nichts. Statt zur Bank zu gehen, wie sie dem „Enkel“ am Telefon versicherte, setzten sich die 83-Jährige und ihr – echter – Enkel mit der Polizei in Verbindung. „Wir haben die ganze Zeit über Kontakt mit beiden gehalten und zivile Kräfte eingesetzt“, sagt Habermann.

Etwa anderthalb Stunden später habe sich der Anrufer erneut gemeldet und der Dame erzählt, verhindert zu sein, aber jemanden zu schicken, der das Geld abholen werde – eine beim Enkeltrick übliche Vorgehensweise.

Der Polizei ist nur ein "Läufer" ins Netz gegangen

Kurz darauf sei die beschriebene Person auch erschienen. Statt eines Umschlags mit Barem wartete jedoch die Polizei auf den 18-Jährigen. Nach dessen Vernehmung wurde er nach Rücksprache mit der Kieler Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Sicherheitsleistung zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen ihn läuft jetzt einer Strafverfahren wegen Betruges.

Habermann räumt ein, dass es sich bei dem Mann lediglich um einen sogenannten „Läufer“ handelt, einen Gehilfen der eigentlichen Betrüger. „Wir haben aber die Hoffnung, durch ihn auch an die Hintermänner dieser Tat zu kommen.“ Die Ermittlungen der Kriminalpolizei gingen daher weiter. Geprüft wird auch, ob dieselben Täter für drei weitere versuchte Betrugstaten am Donnerstag und Freitag in Bad Bramstedt verantwortlich sind.

Von Oliver Vogt

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