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Segeberg Entwarnung nach sanfter Bohrung an der Oberbergstraße
Lokales Segeberg Entwarnung nach sanfter Bohrung an der Oberbergstraße
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10:30 03.02.2016
Nur mit großer Mühe kam die schwere Bohrmaschine auf das Grundstück an der Oberbergstraße. Quelle: Fotos: Glombik

Matsch klebt an Stiefeln, die Maschine am Bohrgestänge lärmt. Es ist der Tag der Entscheidung für den Architekten Achim Kölbel und seinen Bauherrn.

Alles oder nichts. Einen Plan B gibt es für sie nicht. Darf auf dem Grundstück an der Oberbergstraße das Haus mit fünf Wohnungen gebaut werden oder nicht? Geologen, Biologen, Ingenieure, Bohrtechniker, geballte Fachkenntnis sind dabei. Alle sind gespannt. Nachbarn feixen: „Die bohren wohl nach Öl.“ Von wegen. Eine sanfte Bohrung, fast zehn Meter tief, soll Gewissheit darüber geben, ob der Gipsfels am Kalkberg bis in das Baugrundstück hineinragt. Die Bohrschnecke dreht, Spannung pur.

Wie berichtet, hatte der Bagger Mitte Dezember angefangen, auf dem Grundstück zu graben, da gab es trotz vorliegender Baugenehmigung einen Einspruch seitens des Nachbarn — der Stadt. Architekt Kölbel stoppte jede Bautätigkeit. Dr. Anne Ipsen vom Fledermauszentrum Noctalis war aufgefallen, dass das geplante Haus nur etwa 20 Meter von der sogenannten Wurzelhalle entfernt gebaut werden sollte.

Die Höhlen sind ausgemessen, aber niemand weiß, wie weit das Massiv ragt. Auf Gips darf niemand bauen. Der Fels ist Naturdenkmal, FFH-Gebiet, in Verästelungen der Höhlen überwintern jetzt 20 000 Fledermäuse. Der Bohrer darf ihr Schlafzimmer nicht erschüttern. Höchste Schutzstufe. Die Untere Naturschutzbehörde genehmigte aber eine schonende Bohrung mit Förderschnecke.

„Man muss das prüfen, damit es für uns und auch für den Bauherren später kein böses Erwachen gibt“, sagt Ipsen. Untertage, etwa 15 Meter tiefer in der Wurzelhalle, hockt jetzt ihr Kollege Florian Gloza-Rausch mit Batloggern, das sind sensible Horchgeräte, mit denen Regungen der Fledermäuse aufgefangen werden. „Wenn der Bohrer den Fels treffen würde, würden wir das sofort merken“, sagt Ipsen.

Der Bohrer stockt! Sitzt er auf Fels? Die Fledermäuse bleiben ruhig, heißt es aus der Unterwelt. Die Geologen Christel und Reinhard Völker prüfen die Erde an der Bohrspitze, füllen Erdproben in Tütchen. Kölbels Gesichtsausdruck wird starr. Dann die erlösende Nachricht. Kein Gips! Da wäre die Bohrspitze weiß, doch nur nasser Lehm klebt am Bohrer.

Das Geologen-Ehepaar kennt das Höhlengewirr aus dem Effeff. Sie prüfen viermal im Jahr, ob es Verschiebungen im Massiv gibt, sind quasi Segebergs Höhlen-Tüv. „Wenn wir jetzt beim Bohren den Salzstock, den Gips nicht treffen, kann er bauen“, sagt Völker kategorisch. Sonst würde der resolute Mann den Daumen senken. Auch auf einem Erdfall sei kein Bauen möglich. „Man soll nicht versuchen, die Natur zu überlisten“, weiß Ehefrau Christel. In der Nazi-Zeit, habe es nahe des Baugrundstücks einen Erdfall gegeben. Völker: „Wir wissen genau, wo die Höhle eingebrochen ist, die Wurzelhalle ist mit viel Geld und Aufwand gesichert worden.“ Das dürfe nicht kaputt gemacht werden. Wieder taucht der Bohrer rotierend in schlammigen Schluff, acht Meter tief. Irgendwann gibt Völker Entwarnung. Kein Fels! Happy End nach Wochen des Bangens. Die Stadt werde ihren Einspruch zurücknehmen, erwartet Kölbel. Noch im Februar will er auf der Baustelle loslegen.

„Man muss das prüfen, damit es später kein böses Erwachen gibt.“
Dr. Anne Ipsen, Noctalis

Wolfgang Glombik

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