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Segeberg Er liebt und malt den Süden zu jeder Jahreszeit und Stimmung
Lokales Segeberg Er liebt und malt den Süden zu jeder Jahreszeit und Stimmung
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21:19 26.02.2016
Noch wird in der Villa Flath gehängt, Maler Gero Flurschütz (links) macht selbst mit. Klaus Tippmann, der 2. Vorsitzende des Segeberger Kunstvereins, will am Sonntag ab 11.30 Uhr bei der Vernissage zur Einführung sprechen. Quelle: Lothar Kullack
Den mediterranen Süden in jedweder Form und Jahreszeit gilt es ab Sonntag in der Villa Flath zu entdecken. „Schattenweiß und warme Erde“ heißt die Ausstellung des Hamburger Malers Gero Flurschütz (80), angeboten vom Kunstverein. Die Vernissage beginnt um 11.30 Uhr. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 20. März.

Gero Flurschütz: „Schattenweiß und warme Erde“: ab Sonntag bis zum 20. März in der Villa Flath, Bismarckallee 5; donnerstags bis sonnabends 15 bis 18 Uhr; sonntags 11 bis 18 Uhr;

Aquarelle und Eitempera-Bilder 500 bis 2500 Euro, Kataloge 5 bis 25 Euro.

Der erste Raum, wir sind auf Tinos, einer Insel der nördlichen Kykladen in Griechenland. Die Mittagssonne brennt vom Himmel, fast schmerzlich strahlt das Weiß der getünchten Häuser. Dieses mediterrane Licht einzufangen, hat der Hamburger Maler zur Meisterschaft entwickelt.

Basis seiner mit viel Liebe tief empfundenen mediterranen Landschaftsbilder ist eine profunde Kenntnis sowohl der Inselwelt Griechenlands wie auch des Südens der iberischen Halbinsel über Jahrzehnte.

Flurschütz‘ Liebe zum Süden begann bereits 1958. Da war der Student zarte 23 Jahre alt und bekam ein halbjähriges Stipendium für Ibiza. „Das war ein Dorf damals. Einmal pro Woche fuhr ein Dampfer nach Ibiza“, schmunzelt er, wenn er aus dieser Zeit erzählt.

Reisen in den Süden gehörten fortan zum Lebensinhalt des Wahl-Hamburgers. Nachdem er 1962 seine Professur erhielt, reiste Flurschütz nur noch in den Semesterferien, entdeckte so aber eine ganz andere Sicht des Mediterranen, die von der Sonne verbrannte Erde. 50 Shades of Brown: Ab September grünt da nichts mehr. Eine Vorlage für ganz andere Bilder.

Und noch etwas begann in den 60ern, der Massentourismus. Fluschütz musste registrieren, wie an „seinen“ Küsten Hotelburgen die Häuser der Einheimischen verdrängten. Und er zog wie die Spanier und Griechen (so sie nicht vom Tourismus lebten) mit in die Berge, fort von den lärmigen Stränden. Diese Bilder finden wir im zweiten Raum sowie im großen, dem ehemaligen Wohnzimmer Otto Flaths.

Flurschütz hat sich im heimischen Atelier die vor Ort gemalten Aquarelle vorgenommen und abstrahiert die Landschaften in Eitempera-Farben im großen Format. Aus einem Gebirgszug, in dessen ziselierten Linien sich ein Zeichner sonst verlieren mag, wird auf der großen Leinwand eine braune Fläche, im warmen Braun — die Erde des Südens. Dies wiederum kontrastiert mit den Flächen der weißen Häuser . . . eine Strahlkraft, die es auf dieser Welt und in dieser Stimmung nur rund ums Mittelmeer gibt.

Flurschütz räumt ein , dass der Titel „Schattenweiß und warme Erde“ fast gestohlen sei, in der umgekehrten Form jedenfalls: Der von ihm verehrte andalusische Maler-Dichter Rafael Alberti (1902 - 1999) hat einst eine „Ode an das Weiß“ geschrieben, 33 meisterhafte Strophen.

Im dritten Raum, überwiegend mit Aquarellen, hat die Erde schon gebrannt — „Herbstliche Sierra“ heißt es hier. Im vierten Ausstellungsraum finden wir vorwiegend Aquarelle aus Spanien, auch einige griechische Motive. Und als Krönung, praktisch als Lehrbeispiel: Hier Aquarell, da Tempera — die direkte Umsetzung einer aquarellierten in eine Landschaft mit Abstraktion.

Gero Flurschütz hat so viele Bilder nach Bad Segeberg mitgebracht, 46 an der Zahl, dass er sogar den selten für Ausstellungen genutzten fünften Raum bestücken kann. Hier geht es ausnahmsweise um Schwarz, das Lavagestein der Vulkaninseln Lanzarote und Stromboli. Wem das zu viel Finsternis ist (auch wenn Flurschütz selbst diese „Nichtfarbe“ auffächert), der wärmt sich ganz einfach im ersten Raum wieder auf. Eine milde Brise weht trotz Mittagshitze durch den Raum; schließlich ist Tinos nach der griechischen Mythologie Geburtsort des Windgottes Aiolos.

Von Leipzig nach Hamburg nach Spanien

Gero Flurschütz wurde 1935 in Leipzig geboren. Dort studierte er von 1953 bis 1954 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, dann wechselte er an die Kunsthochschule nach Hamburg. In seinen fünf Jahren dort war unter anderem Alfred Mahlau sein Lehrer — Förderer auch des großen Horst Janssen (1929 - 1995).

Während seines Studienaufenthalts auf Ibiza entdeckte er die mediterrane Landschaft für sich. Die bestimmt seitdem denGroßteil seines malerischen und grafischen Werkes, als Motiv wie als Inspiration. Ein Stipendiums führte ihn 1960 nach Sierra Leone, 1962 kam ein weiterer spanischer Studienaufenthalt, dieses Mal in Altea in der Provinz Alicante.

Von 1956 bis 1962 lebte Flurschütz von angewandter Grafik, gestaltete etwa das Helms-Museum in Harburg neu. Danach begann er Zeichnen und Illustration zu lehren, seit 1980 als Professor an der Fachhochschule Hamburg, Fachbereich Gestaltung. jf

Lothar Hermann Kullack
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