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Segeberg „Er sah in der Tötung den einzigen Ausweg“
Lokales Segeberg „Er sah in der Tötung den einzigen Ausweg“
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22:21 08.11.2013

Wegen Mordes hat die Jugendstrafkammer unter Vorsitz von Richter Stefan Becker gestern Anton V. (21, Name geändert) zu acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. V. hat, wie berichtet, am 8. April dieses Jahres seine 20-jährige Freundin Ingeborg M. in einem Waldweg in Lentföhrden nach Sex in seinem Auto erstochen, und zwar heimtückisch und unter Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers. Das sah die Kammer als bewiesen an.

Mit ihrem Urteil blieben die Richter knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Dr. Axel Hackethal hatte am Donnerstag neun Jahre gefordert; Nebenklage, Rechtsanwalt Sebastian Knops und Verteidiger Hans-Joachim Liebe hatten keine konkreten Anträge gestellt. Will Liebe Revision einlegen? „Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich muss das mit meinem Mandanten besprechen“, sagte er.

Der Prozess wurde seit Beginn Anfang Oktober zum Schutz der Intimsphäre des Opfers, der Familie und des Angeklagten nichtöffentlich geführt; nur zur Anklageverlesung und zum Urteil war die Öffentlichkeit zugelassen. Der vergleichsweise kleine Schwurgerichtssaal fasste gestern kaum die Zuschauermenge; überwiegend waren Verwandte und Freunde gekommen, Schmerz, Trauer und Leid standen in ihren Gesichtern, die Stimmung war emotional aufgeladen. Nach dem Urteil fielen sich Mutter und Schwester des Opfers weinend in die Arme. „Das ist viel zu wenig“, kommentierte eine jüngere Frau beim Hinausgehen laut das Strafmaß. „Die Familie hatte sich eine härtere Strafe erhofft“, bemerkte Sebastian Knops für die Nebenklage.

Die Beziehung der beiden doch recht gegensätzlichen jungen Leute — seit 2009 ein Paar — war ein ständiges Hin und Her; sie trennten sich und kamen wieder zusammen. „Sie konnten nicht mit-, aber auch nicht ohne einander“, bemerkte der Richter. V. kam nicht damit zurecht, dass seine Freundin sich aus der Beziehung zu lösen begann und doch ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter behielt. „Sie wurde selbstbewusster und suchte einen Mann, der sie so nahm wie sie ist“, beschrieb Stefan Becker. Ingeborg M. galt als gesellig und lebenslustig. Er hingegen als introvertierter Einzelgänger. Zunehmend wuchs seine Eifersucht, er unterstellte seiner Freundin Beziehungen zu anderen Männern, die es vereinzelt auch gegeben haben soll. Damit sei der reifeverzögerte junge Mann nicht zurecht gekommen, so Becker. Kurz vor der Tat am 8. April hatte V. schon einmal beabsichtigt, Ingeborg zu töten, dann aber davon abgesehen. Der Mord sei geschehen vor dem Hintergrund eines schweren narzisstischen Gekränktseins, als Ausfluss einer Reifungskrise, so die Kammer. V. glaubte, sie habe einen anderen, will den Mann auch in der Wohnung gesehen haben und plante ihren Tod. „Er sah, so unverständlich es auch bleibt, in der Tötung den einzigen Ausweg aus dem von ihm nicht anders zu lösenden Beziehungskonflikt“, sagte Stefan Becker.

Ob der junge Mann aus Wut und Eifersucht oder aus Verzweiflung gehandelt habe, habe die Kammer letztlich nicht schlüssig klären können. Ihm sei aufgrund seiner Persönlichkeit, für die er nichts könne, der Blick auf andere Menschen, auf deren Gefühle verstellt. Trotzdem sei V. schuldfähig. Der Angeklagte galt zur Tatzeit noch als Heranwachsender, wegen seiner Unreife wurde das Jugendstrafrecht angelegt. Denn der junge Mann lebe nicht autonom, habe keine organisierte Lebensplanung und vor kurzem sein Mathematikstudium aufgegeben, so die Begründung.

Gericht und auch Staatsanwaltschaft erkannten beide nicht auf eine besondere Schwere der Schuld. „Auch wenn der Wunsch der Nebenklage nach Sühne verständlich ist, so liegt juristisch kein Fall der besonderen Schwere der Schuld vor“, betonte Stefan Becker. Dann wäre eine Höchststrafe von 15 Jahren möglich gewesen. „Doch das soll eine Ausnahme bleiben“, unterstrich der Richter.

Ursula Kronlage

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