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Segeberg Er wollte das Alte bewahren: Des Lehrers Fotoschätze im Rathaus
Lokales Segeberg Er wollte das Alte bewahren: Des Lehrers Fotoschätze im Rathaus
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22:42 07.03.2018
Peter Zastrow zeigt eine originale Negativ-Glasplatte, mit der Fotografen bis in die 30er Jahre ihre Bilder machten. Die alten Bilder von Theodor Möller dürften zwischen 1904 bis 1938 mit der Plattenkamera gemacht worden sein. Zur Ausstellung bietet Zastrow eine kostenlose Broschüre an. Quelle: Foto: Glombik
Bad Segeberg

Für den Organisator der beliebten Rathaus-Ausstellungen, Peter Zastrow, ist es zu schade, die fast 90 Bilder des Fotochronisten, Pädagogen und Heimatforschers so lange unter Verschluss zu halten. Sie sind jetzt noch bis zum 27. April zu sehen. Die Bilder Theodor Möllers, der in Bad Segeberg und Umgebung von der Jahrhundertwende bis in die fünfziger Jahre Landschaft und Straßen ablichtete, sind Dokumente und Momentaufnahmen einer vergangenen Zeit.

Kennen Sie das? Sie kramen Bilder aus der Schublade, die Sie jahrelang nicht gesehen haben, entdecken neue Details, Perspektiven. So ähnlich wird es dem Rathausbesucher der Ausstellung von Theodor Möller (1873-1953) gehen. Denn zuletzt waren seine historischen Bilder hier 2011 zu sehen.

Seine Lichtbilder-Besessenheit begann um 1900. „Irst harr ik de Kamera un naher harr se mi!“ – „Erst hatte ich die Kamera, dann hatte sie mich“, lautet ein Zitat von ihm. Möller war vorher als Lehrer an der Knabenbürgerschule in Segeberg tätig, zog später nach Kiel um. 1924 ließ er sich vom Schuldienst freistellen, widmete sich ganz seinen Leidenschaften Heimatforschung und Fotografie. Bei einem der ersten Fliegerangriffe auf Kiel wurde das Haus von Theodor Möller und seiner Frau Frieda zerstört. Möller wurde verwundet, auch seine Frau erlitt schwere Verletzungen und erlag ihnen wenige Jahre später.

Sein umfangreiches Bildarchiv – auch die Bilder, die jetzt im Rathaus zu sehen sind – konnten aus dem zerstörten Haus gerettet werden. 1950 vermachte Müller sein großes Fotoarchiv, das aus 4615

Glasplatten und fast 2000 Rollfilmaufnahmen besteht, dem Landesamt für Denkmalpflege in Kiel. Die Fielmann AG schenkte 2011 der Stadt Bad Segeberg die fast 100 Fotografien, die in Segeberg und Umgebung zwischen 1904 und 1938 aufgenommen worden sind.

Theodor Möller legte bei seiner Arbeit Wert darauf, das Alte zu bewahren“, erzählt Peter Zastrow. Den um 1909 gebauten Wasserturm hat Möller damals nicht fotografiert, der war ihm damals zu modern, ja „das einfache Bild oft gründlich zerstörend“. Die Altstadt Bad Segebergs, vom Wege nach Stipsdorf aus gesehen, zeige „fast vollständig das Bild einer mittelalterlichen, im Schutze der Burg erwachsenen Stadt“. Die „würde ganz wesentlich gewonnen haben, wenn man dem am Kalkberg stehenden Wasserturm eine Form gegeben hätte, die sich einem Bergfried anlehnt“, kritisierte der Fotograf 1924 die „Bausünden“ anno dazumal. Was hätte Möller wohl ausgerufen, wenn er durch Plastikfenster und Anbauten verhunzte Altstadthäuser sehen würde?

Seine Bilder sind ein Blick in Segebergs Geschichte. Die sehr liebevoll gestalteten Aufnahmen zeigen zum Beispiel den Kalkberg – damals noch rundum ohne Bewuchs mit nacktem Fels – aus verschiedenen Perspektiven. Im Rathaus sind auch längst abgerissene, früher stadtbildprägende Gebäude zu sehen, zum Beispiel die „dänische Post“ am Kleinen Segeberger See. Die alte Lübecker Straße war für Möller „mit das Schönste, was der Ort aufzuweisen hat“. Er schrieb vom „malerisch wirkenden Katzenkopfpflaster dieser breiten Ackerbürgerstraße“. Diese würden ihre Bewohner allerdings nur als „lästig“

empfinden, bedauerte er.

Zu empfehlen ist, beim Betrachten der Fotos die bereitliegende Broschüre von Peter Zastrow und Marion Bejschowetz-Iserhoht zu lesen. Es lohnt sich.

Von Wolfgang Glombik

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