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Segeberg Erinnerungen an die alte Bahnlinie
Lokales Segeberg Erinnerungen an die alte Bahnlinie
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21:24 20.01.2016
Dieter Harfst (l.) und Hans-Heinrich Tonn, der zehn Jahre lang die Schienenbusse fuhr, eröffneten gestern die Ausstellung. Quelle: Fotos: Domann

Fotos von Dampflokomotiven und roten Schienenbussen, alte Fahrkarten, Schriftstücke: zwölf Plakate hängen an den Wänden im Erdgeschoss des Amtes Trave-Land.

Sie gehören zur Ausstellung „Die Lübeck-Segeberger-Eisenbahn — eine Zeitreise in die Vergangenheit“, die noch bis Ende März im Amtsgebäude zu besichtigen ist.

In einer Vitrine sind Modelle von Lokomotiven und dem Güterschuppen aus Geschendorf zu sehen. Dieter Harfst und Hans Rahlf vom Arbeitskreis Geschichte im Amt Trave-Land haben die Gegenstände der Zeitreise zusammengetragen. „Dieter Harfst ist unser aktivster, er hat viel recherchiert und bereits eine Broschüre über die Geschichte der Kleinbahn Lübeck—Segeberg herausgegeben“, erzählt Rahlf. So stammt ein Großteil der Ausstellungsstücke aus Harfsts Fundus. Thomas Dziuk, stellvertretender Amtsleiter, lobt Arbeitskreis und Ausstellung: „Der Arbeitskreis ist ein Bürgermagnet und belebt das Haus ungemein. Gerade die Eisenbahn interessiert viele Leute.“

Fast 100 Jahre ist es her, dass die Bahnstrecke von Bad Segeberg nach Lübeck eingeweiht wurde. Am Nikolaustag 1916 wurde der Zugverkehr auf der knapp 30 Kilometer langen Strecke eröffnet. Etwa drei Jahre dauerten die Bauarbeiten, die Kosten betrugen um die 2,4 Millionen Mark. Betreiber war die Lübecker-Büchener-Bahn, bis sie 1937 in die Reichsbahn überging. 13 Haltepunkte gab es zum Schluss auf der Strecke zwischen Bad Segeberg und Lübeck.

„Vorplanungen für die Strecke gab es bereits in den 1880er Jahren“, so Harfst. Lübeck strebte eine direkte Anbindung an Itzehoe und Hagenow an, um seine Wirtschaftlichkeit zu verbessern, doch das habe Kiel nicht gewollt. Die Segeberger unterstützten die Idee, um schneller nach Lübeck zu kommen. Denn über Bad Oldesloe bedeutete einmal Umsteigen und ein Umweg von etwa 15 Kilometern. Zwölf Seiten lang war eine Machbarkeits- und Wirtschaftsstudie aus dem Jahr 1897, ein extra dafür gebildetes Komitee aus Vertretern der beiden Städte sowie des Kreises Segeberg hatte die Studie erstellt.

Sie stellten unter anderem fest: „Das Verkehrsgebiet wird von rund 84300 Seelen bewohnt: Die Bevölkerung befindet sich durchweg in ziemlicher Wohlhabenheit. Das Segeberger Solbad mit ansehnlichem Kurhause am Segeberger See wird gern von Lübeckern aufgesucht.“

„Wir waren 54 Minuten unterwegs, der letzte Zug von Lübeck fuhr kurz vor Mitternacht, da musste ich auch die Fahrkarten verkaufen“, sagt Hans-Heinrich Tonn. Von 1954 bis 1964 war der heute 83-Jährige bei der Lübeck-Segeberg-Eisenbahn (LSE) als Triebwagenfahrer tätig. Insgesamt gab es sechs Fahrer, tagsüber gehörte auch ein Schaffner zur Besatzung, der auch für das Stellen der Weichen zuständig war. Acht Zugpaare habe es damals gegeben. Morgens sei der rote Schienenbus, er wurde „Therese“ genannt, proppevoll gewesen. „Schüler und Pendler haben den Zug genutzt, doch die hatten verbilligte Monatskarten, sodass kaum Geld hereinkam“, erinnert sich Tonn.

Die Wirtschaftlichkeit sei das Problem der Linie gewesen, so Harfst. So war der Verlust 1953 auf 249882 Mark angestiegen. Es waren zwar 404082 Fahrgäste — doch nur 13 Prozent davon zahlten den vollen Fahrpreis. Der Personenverkehr auf der Strecke wurde im September 1964 eingestellt.

Kuriose Anekdoten
Die Ausstellung ist noch bis Ende März im Gebäude des Amtes Trave- Land, Waldemar-von-Mohl-Straße 10, in Bad Segeberg zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Im Amt ist auch die Broschüre zum Thema für 9,80 Euro erhältlich.



Neben historischen Daten und Fotografien hat Dieter Harfst auch einige Geschichten rund um die Bahnstrecke gesammelt. So stand häufig Vieh auf den Gleisen. Mit einer Tute wurde versucht, die Tiere zu vertreiben. Dies löste einmal Alarm für die Feuerwehr Geschendorf aus. Ein anderes Mal war der Weichensteller verloren gegangen, sodass die Bahn rückwärts fahren musste, um ihn wieder einzusammeln. Im Sommer soll es zudem häufiger zu „Motorschäden“ vor der Gaststätte „Oase“ gekommen sein. Die Pause wurde zum Durstlöschen der Reisenden genutzt. sd

Silvie Domann

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