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Erste Hilfe für Fledermäuse

Bad Segeberg Erste Hilfe für Fledermäuse

In Britta Wesches Workshop richtet man gebrochene Flügel und päppelt unterernährte Flattermänner auf. Sie leitet einen fünfstündigen Erste-Hilfe-Kursus für Fledermäuse.

Antreten zum Essenfassen: Hier wird „Mäuschen“ mit leckeren Mehlwürmern gefüttert.

Quelle: Silvie Domann

Bad Segeberg. Gehaltvolle Mehlwürmer, Flügelschienen aus Wattestäbchen und Hautkleber, alte Gardinenstores, um das Zimmer zu verhängen: Die Liste für die Fledermauspflege ist lang, und aufmerksam schreiben zehn Damen und ein Herr mit. Sie nehmen an einem fünfstündigen Erste-Hilfe-Kursus für Fledermäuse teil.

Britta Wesche von der Nabu-Fledermausambulanz hat ihre Erfahrungen aus elf Jahren Fledermauspflege zu einem Workshop komprimiert und gibt so ihr Wissen an Interessierte weiter. „Es ist der dritte Workshop, wir ehrenamtlichen Fledermauspfleger wollen das Netzwerk in Schleswig-Holstein ausbauen, so dass etwa alle 20 Kilometer ein Pfleger zu finden ist“, betont Britta Wesche. Derzeit gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein etwa 40 bis 50 Freiwillige.

LN-Bild

In Britta Wesches Workshop richtet man gebrochene Flügel und päppelt unterernährte Flattermänner auf.

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Angefangen habe alles mit Luna, einem Großen Abendsegler, der der Industriekauffrau von einem Angler schwer verletzt gebracht wurde. Das ist elf Jahre her, Luna ist zutraulich und stubenrein und liebt es, sich unter Britta Wesches Kragen zu verstecken. „Luna hat mich dazu bewogen, mich auch um andere Fledermäuse zu kümmern, ich hoffe, ihr helft mir.“ Das tun einige der Kursteilnehmer bereits. Als Babysitter am Wochenende oder Urlaubsvertretung haben sie erste Erfahrungen in der Fledermauspflege gemacht. Noctalis-Mitarbeiterin Andrea Walter macht mit, weil das Fledermauszentrum eine eigene Pflegestation einrichten will. „Wir bekommen häufig verletzte Fledermäuse, mussten sie bisher zu Britta bringen. Nun wollen wir sie selbst versorgen.“

Britta Wesche hat einen Holzkasten mitgebracht. „Das ist die geräumige Zweizimmer-Wohnung von Mäuschen, einem etwa neun Monate alten Zwergfledermaus-Weibchen.“ Das Tier scheint im vergangenen Jahr gegen ein Kippfenster geflogen zu sein und sich dabei den Unterarm gebrochen zu haben. „Ich habe versucht, den Arm zu schienen, mit einem Wattestäbchen und Hautkleber, so wie es mir eine Tierärztin aus Hannover am Telefon erklärt hat“, schildert die Nabu-Fledermausexpertin die Prozedur. Leider nicht so erfolgreich, der Flügel ist verkrüppelt, Mäuschen kann nicht fliegen. Doch dafür ist sie schnell im Fressen. Mehlwurm auf Mehlwurm verschwindet im Maul. „Die Mehlwürmer reichere ich an, damit die Fledermaus über ihre Nahrung Vitamine und Mineralien bekommt“, erklärt die Fledermauspflegerin. So laben sich die Würmer einige Stunden an Cornflakes, Mohrrüben und Löwenzahnblättern, bevor sie verfüttert werden.

Oberstes Gebot bei der Fledermauspflege, ist Handschuhe zu tragen oder das Tier mit einem Lappen anzufassen. „Wildtiere werden generell nicht mit der bloßen Hand angefasst, ein Biss einer Fledermaus kann zu Tollwut führen“, so Britta Wesche. Wird nun eine Fledermaus gefunden, sind Adresse des Finders, Fundort und -umstände von Interesse. Zum einen ist eine Auswilderung am Fundort sinnvoll, zum anderen kann er Hinweis auf ein Quartier geben. „So haben wir ein großes Quartier von seltenen Teichfledermäusen entdecken können.“

Nächster Punkt ist ein stressfreier Transport, zum Beispiel ein Pappkarton mit Luftlöchern und Deckel — mit Küchenkrepp ausgelegt. Auch ein Stoffbeutel ist möglich. Ist das Tier körperlich okay, kann anhand eines vorgegebenen Protokolls Art und ungefähres Alter ermittelt werden. Ist die Fledermaus verschmutzt oder verletzt, sind weitere Maßnahmen nötig. Britta Wesche hat diese zusammengestellt und gibt spezielle Tipps. Weitere Themen des Workshops sind Medikamente und Flugübungen. So sei es wichtig, den Flugraum fledermaustauglich zu gestalten. „Ich nehme alte Gardinenstores, verhänge damit mein Wohnzimmer. Die Tiere brauchen Landeplätze und dürfen nicht hinter dem Wohnzimmerschrank verschwinden“, sagt Britta Wesche.

Auch im kommenden Jahr will Britta Wesche wieder den Erste-Hilfe-Kursus für Fledermäuse anbieten. Wer Hilfe und Rat bei der Fledermauspflege benötigt, kann sich an Britta Wesche unter Telefon 0 4551/8964330 wenden. Infos gibt es auch unter www.NABU-SH, Unterpunkt Tiere und Pflanzen.

Von Silvie Domann

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