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Segeberg Es ist amtlich: Name der Dr.-Gerlich-Schule ist gelöscht
Lokales Segeberg Es ist amtlich: Name der Dr.-Gerlich-Schule ist gelöscht
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16:23 15.11.2016
Es ist amtlich: Der Name Dr. Gerlich ist aus der Schulbezeichnung gelöscht. Der Schriftzug wird aber erst im Januar abgenommen.
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Trappenkamp

Es war ein langer Prozess, doch nun ist es offiziell: Die Dr.-Gerlich-Schule gehört der Vergangenheit an. Im August hatte die Gemeinde beschlossen, den Namen des einstigen CDU-Politikers mit NS-Vergangenheit abzulegen. Die Namenslöschung wurde nun von Ministeriumsseite bestätigt. Der Vollzug wird sich aber noch ein paar Wochen hinziehen.

 

„Das Ministerium hat keine Einwände gegen die Namenslöschung.“Sven Teegen, Schulleiter

„Das Ministerium hat keine Einwände gegen die Löschung des Namens Dr. Gerhard Gerlich“, fasst Schulleiter Sven Teegen ein Schreiben des Kieler Ministeriums zusammen und zitiert: „Der Name ist gelöscht.“ Auch im Nachrichtenblatt der Behörde verkündet das Ministerium die Namensgebung, die jetzt allerdings nur noch aus dem sperrigen Namenszusatz „Grundschule Trappenkamp mit Förderzentrumsteil“ besteht. Mit Schulnamen hat die Gemeinde in der Vergangenheit kein glückliches Händchen bewiesen, daher wollten die Kommunalpolitiker auf eine neue Diskussion verzichten.

Aus der Macht der Gewohntheit schleiche sich im Alltag immer noch das „Dr. Gerlich“ ein, wenn man von der Schule spreche, sagt Teegen. Der Name Gerhard Gerlichs prangt auch noch über der Schultür.

Und die Homepage der Grundschule, die 1950 als Zweigstelle der Volksschule Bornhöved gegründet wurde, ziert ebenfalls noch den Namen des Mannes, der in den vergangenen Jahren für viel Gesprächsstoff gesorgt hatte: Es begann 2012 mit der Veröffentlichung eines Aufsatzes der Schülerin Christina Schubert über die NS-Zeit der Landtagsabgeordneten in der Nachkriegszeit. Darin taucht der Sudetendeutsche Gerhard Gerlich als NSDAP- und SS-Mitglied auf.

Gerhard Gerlich, der sich in den Nachkriegsjahren politisch für die Unabhängigkeit der Gemeinde Trappenkamp eingesetzt hatte, ist 1962 verstorben. Die Schule der Gemeinde war inzwischen mit einem neuen Gebäude eigenständig geworden. Und im März 1969 beschlossen die Trappenkamper Kommunalpolitiker, die Schule nach Gerlich zu benennen, der es bis in den CDU-Landesvorstand geschafft hatte.

Doch wie ein Gutachter bereits 2013 – beauftragt vom Sudentendeutschen Kulturwerk – feststellte, hatte Gerlich seine SS-Mitgliedschaft im Entnazifizierungsverfahren verleugnet. In handschriftlichen Dokumenten seiner SS-Akte hatte Gerlich angegeben, an der Säuberung des Schulwesens von „untragbaren Elementen“ beteiligt gewesen zu sein.

Die Schule hatte sich frühzeitig positioniert, wollte den Namen ablegen. Die Politik haderte, als das Gutachten 2015 endlich veröffentlicht wurde. Ein zweites Gutachten über Gerlichs Verdienste nach dem Krieg wurde bestellt, zeichnete aber kein einsichtiges Bild von Gerlich. Gegen den Widerstand der Trappenkamper Bürgerinitiative, die an dem Namen festhalten wollte, beschloss die SPD mit ihrer Mehrheit schließlich die Streichung des Namens.

„Der Vollzug ist für Januar 2017 geplant“, sagt Bürgermeister Harald Krille. Schulleiter Teegen kann damit gut leben, organisatorisch müsse einiges erledigt werden. Die Homepage, Schulstempel, neue Briefköpfe – alles muss angepasst werden. Im Januar soll auch der Schriftzug über dem Schuleingang abgeschraubt werden. Dann ist der Name Gerlichs Geschichte – und kommt ins Gemeindemuseum.

 Nadine Materne

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