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„Es ist nicht in Ordnung, wenn Grundschulen vor G 8 warnen“

„Es ist nicht in Ordnung, wenn Grundschulen vor G 8 warnen“

Schulleiter Bähr zieht Bilanz nach kräftezehrendem, aber erfolgreichem Schuljahr am Städtischen Gymnasium.

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Nachdem Frank Ulrich Bähr die Schulsekretärin in die Ferien verabschiedet hat, hält er noch als Letzter die Stellung im verwaisten Gymnasium. Aber nun ist Schluss, Akten zu – die Ferien beginnen jetzt auch für den 60-Jährigen, der 14 Jahre lang Schulleiter im „Städtischen“ ist.

Quelle: Glombik

Schüler und Lehrer sind schon lange in den Ferien, was machen Sie denn jetzt noch in der Schule, Herr Bähr?

LN-Bild

Schulleiter Bähr zieht Bilanz nach kräftezehrendem, aber erfolgreichem Schuljahr am Städtischen Gymnasium.

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Frank Ulrich Bähr: Es sind noch dienstliche Beurteilungen zu schreiben und Anfragen von Eltern zu Zeugnisnoten und Schrägversetzungen zu beantworten.

Vielfach wird in den Schulen, insbesondere in den Gymnasien, über Lehrermangel in bestimmten Fächern geklagt. Wie ist die Situation bei Ihnen im kommenden Schuljahr?

Bähr: Bei uns ist die Lehrerversorgung gut, wir haben ohne Probleme die Unterrichtsverteilung für das kommende Schuljahr hinbekommen. Ich bin sehr froh, dass wir uns auch Planstellen in Mangelfächern sichern konnten.

Mit 14 Jahren sind Sie einer der dienstältesten Schulleiter in und um Bad Segeberg. Ich hatte Sie, als Sie 2002 die Nachfolge von Hans-Günther Sieh antraten, eher als konservativ empfunden. Habe ich mich da getäuscht?

Bähr: Für mich ist damals wie heute wichtig, dass gymnasiale Standards erhalten bleiben. Das ist Leitmotiv meines Handelns als Schulleiter.

Sie achten also darauf, dass die Ansprüche nicht zurückgeschraubt werden?

Bähr: Ja, soweit wir das hier leisten können. Deshalb bin ich auch kein großer Freund der vielen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen. Es ist politischer Wille, das muss ich akzeptieren. Aber der Standort Bad Segeberg hat zwei Gymnasien mit Oberstufen und einer weiteren an den Beruflichen Gymnasien. Deshalb war ich mit anderen Kollegen gegen eine weitere Oberstufe an der Gemeinschaftsschule Am Burgfeld. Das Reifezeugnis soll man als qualifizierten Ausweis zur Studierfähigkeit sehen. Es gibt eine hohe Abbrecherquote an den Hochschulen, deshalb scheint heute ein Abiturzeugnis nicht immer ein Nachweis dafür zu sein, auch erfolgreich studieren zu können.

Ihre Oberstufe scheint trotz hoher Ansprüche der Renner zu sein, viele wechselten deshalb zum kommenden Schuljahr die Schule.

Bähr: Wir haben von außerhalb 15 Schüler in unsere Oberstufe dazu bekommen. Unser Sportprofil zieht schon. Die Sportlehrer haben sich sehr dafür eingesetzt. Wir haben tolle Sportanlagen, gute Kontakte zum Gesundheitsstandort Bad Segeberg. Es geht ja auch um Sporttheorie, Biologie und Gesundheit.

Noch nie schienen Lehrer so sehr Ferien herbeizusehnen.

Bähr: Es war eine Riesenaufgabe, den Doppeljahrgang G 8/G9 durchzubringen. Die Lehrkräfte hatten viele Korrekturen zu bewältigen, eine enorme Anzahl an mündlichen Prüfungen. Wir haben organisatorisch seitens der Oberstufenleitung einen Mammutjob machen müssen. Da hatten sich Schüler als nette Geste bei den Kollegen und mir mit kleinen Geschenken bedankt. Das habe ich vorher so noch nicht erlebt.

Dann waren die Schüler auch mit den Zensuren zufrieden?

Bähr: Es waren zwei sehr erfolgreiche Jahrgänge. Wir hatten 194 Prüflinge, davon sind 189 durch das Abitur gekommen. Fünf Duchgefallene gab es in der Vergangenheit schon manchmal bei normalen Abi-Jahrgängen. Es standen zwar einige Schüler nach den schriftlichen Arbeiten auf der Kippe, die haben dann aber ganz hervorragend die mündlichen Prüfungen gemeistert. Die Schüler haben zum Schluss richtig Gas gegeben.

Viele Oberstufenlehrer finden es schade, dass jetzt mit G 8 jüngere Schüler das Reifezeugnis bekommen, dass sie nicht mehr mit erwachsenen Schülern auf Augenhöhe sind.

Bähr: Tatsächlich, das ist auch meine persönliche Einschätzung. Ich habe es als Deutschlehrer immer genossen, dass man mit älteren, reifen Schülern über Literatur und Werte philosophieren konnte.

Das 13. Schuljahr wird uns Lehrkäften hier sicher fehlen.

Hat sich die Einführung von G 8 bewährt?

Bähr: Nach meiner Ansicht ist die Umstellung von G9 auf G8 ohne Not erfolgt. Es wird nicht mehr kritisch hinterfragt, weil man keine Systemumstellung mehr will. Wir haben quasi als Kompensation die Offene Ganztagsschule bekommen. Die hat aber bei Weitem nicht die Funktionsfähigkeit einer Gebundenen Ganztagsschule. Die Offene Ganztagsschule bürdet dem Schulträger, der Stadt, enorme Kosten auf. Wenn aber Bad Segeberg nicht mehr die Schuldenhilfe aus Kiel bekommt, ist zweifelhaft, wie der Schulträger die Hunderttausende an Euro aufbringen soll.

Erstaunlich war die Abstimmung mit den Füßen für ihre Schule. Die Fünftklässler rennen Ihnen ja geradezu die Bude ein.

Bähr: Wir haben 140 Anmeldungen zum neuen Schuljahr, sind sechszügig. Es gibt in Schleswig-Holstein nur sehr wenige Schulen, die mit einem so großen Jahrgang starten. Dieser enorme Zustrom war für uns erfreulich, aber auch überraschend. Die Wahrnehmung des positiven Schulklimas und unserer Lernangebote kam bei Eltern und Schülern sehr gut an.

Sind das denn nun alles Schüler, die für das Gymnasium geeignet sind? Eine Schulartempfehlung von der Grundschule gibt es ja nicht mehr.

Bähr: Diese Befürchtung teile ich nicht. Nein, das sind viele Kinder mit tollen Zeugnissen.

Von Politikern ist behauptet worden, die Schulartempfehlungen seien ja ohnehin meist falsch.

Bähr: Das stimmt so nicht, ich habe immer großen Respekt vor den Einschätzungen der Grundschulen – Irrtum nicht ausgeschlossen – gehabt. Im Großen und Ganzen kennen die Grundschullehrerinnnen ihre Schüler nach vier Jahren. Der Wegfall der Empfehlungen für die weiterführenden Schulen bedeutet fehlende Orientierung für die Eltern. Ich habe aber jetzt den Eindruck, dass Grundschulen die Schwierigkeit haben, G 8 richtig einzuschätzen. Es ist nicht in Ordnung, wenn man davor warnt. G 8 hat G 9 abgelöst und ist dadurch nicht ein schwierigeres Gymnasium geworden.

Herr Bähr, Sie sind 14 Jahre Schulleiter am Städtischen Gymnasium und damit einer der besonders erfahrenen Direktoren. Die Lehrkräfte sind das wesentliche Potenzial einer Schule. Wie hält man heutzutage sein Kollegium zusammen?

Bähr: Schwierige Frage, ich habe mich um wertschätzenden Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen bemüht. Gefreut habe ich mich, wenn unsere Referendare nach der guten Ausbildung hier das Städtische Gymnasium als tolle Schule empfanden und gerne geblieben wären. Von meinen 70 Kollegen sind etwas mehr als ein Drittel in den 14 Jahren meiner Schulleiterzeit dazugekommen. Ich habe schon gemerkt, als ich meinen Vorgänger Hans Günther Sieh ablöste, dass es hier ein gutes Miteinander gibt. Keine Ränkespiele und keine Zerwürfnisse. Das soll auch so bleiben.

Nun ist das kräftezehrende Schuljahr vorbei. Wo verbringen Sie Ihre Ferien?

Bähr: Wir planen einen Besuch in London. Dort macht unsere jüngste Tochter gerade ein Praktikum.

Interview: Wolfgang Glombik

Moderne Klassenräume und ein vielfältiges Lernangebot am Städtischen Gymnasium

820 Schülerinnen und Schüler werden nach den Sommerferien das Städtische Gymnasium besuchen. Das Schulgebäude wurde 1970 gebaut, ein Anbau erfolgte 1990. Erneut erweitert wurde die Schule vor wenigen Jahren durch ein großes Klassenhaus mit acht Klassenräumen und moderner technischer Ausstattung. Zahlreiche Fachräume wurden vom Schulträger, der Stadt Bad Segeberg, inzwischen auf einen hochmodernen Stand gebracht. Die Schule verfügt außerdem über hervorragende sportliche Anlagen und bietet einen insgesamt guten Zustand.

Offene Ganztagsschule mit Hausaufgabenbetreuung ist hier Standard. An Angeboten können Schüler Wahlpflichtunterricht „Sport und Gesundheit“ belegen. Es gibt Arbeitsgemeinschaften für Naturwissenschaften. Schon in der Orientierungsstufe werden Arbeitsgemeinschaften nach Neigung angeboten, die in der Mittelstufe weitergeführt werden und schließlich zu den Oberstufen-Profilen hinführen. Ansonsten gibt es im Städtischen Gymnasium auf Wunsch bilingualen Unterricht im Fach Geographie. In Integrationsklassen werden zudem Kindern, die den Förderbedarf Lernen und geistige Entwicklung haben, unterrichtet.

LN

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