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Fachtagung in Rickling: Wenn Arbeit krank macht

Rickling Fachtagung in Rickling: Wenn Arbeit krank macht

130 Experten befassten sich mit Maßnahmen gegen die Last der Arbeitswelt.

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Von links: Klaus Leuchter (Handwerker-Fonds Suchtkrankheit), Bodo Haßler (Kompass-Fachstelle), Udo Handrack (Mitbegründer LSA), Hans-Jürgen Tecklenburg (ATS), Natalie Syring (LSA), Holger Zeidler (Ameos-Klinikum Kiel) und Bernd Heinmann (früherer Geschäftsführer Landesstelle für Suchtfragen).

Quelle: Foto: Ov

Rickling. Die heutige Arbeitswelt macht immer mehr Menschen krank oder treibt sie in gefährliche Süchte. Studien zufolge seien fünf Prozent aller Beschäftigten in Deutschland alkoholabhängig, weitere zehn Prozent gelten als gefährdet. Darüber wurde gestern bei einer Fachtagung der „Leitstelle Suchtgefahren am Arbeitsplatz der Landesverwaltung“ (LSA) in Rickling beraten. 130 Personen aus öffentlicher Verwaltung sowie Privatunternehmen nahmen teil.

Alkoholsucht sei aber nur ein Aspekt der Herausforderungen. „In Zukunft werden wir noch stärker Probleme mit dem Konsum leistungssteigernder Stimulanzien bekommen“, prognostiziert Dr. Holger Zeidler vom Ameos-Klinikum in Kiel. Auch Medienabhängigkeit und Spielsucht seien zunehmend Thema. Die Gründe dafür, sich in ungesunde Abhängigkeiten zu begeben, seien zwar nicht ausschließlich am Arbeitsplatz zu suchen. Auch individuelle Neigung und Verfügbarkeit von Suchtmitteln spielten eine Rolle, stellt Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg, Leiter der Ambulanten und Teilstationären Suchthilfe (ATS) in Bad Segeberg klar. Die zunehmenden Belastungen, denen Arbeitnehmer heute ausgesetzt seien, trügen aber deutlich dazu bei. Fehlende Wertschätzung, das Gefühl, nichts bewegen zu können, Arbeitsverdichtung, Stress, Druck und ständige Erreichbarkeit über den Feierabend hinaus, das alles setze Beschäftigten zu. „Und selbst im Sportverein nach der Arbeit geht das weiter. Denn auch dort soll man sich doch bitteschön mehr ehrenamtlich einbringen“, beschreibt Tecklenburg die Situation vieler.

Bei einigen gehe das bis zum völligen Zusammenbruch. „Mit Erkältung und Kopfschmerzen schleppen sich die meisten noch zur Arbeit“, sagt Bernd Heinemann, ehemaliger Geschäftsführer der Landesstelle für Suchtfragen. Bei psychischen Erkrankungen, zu denen auch Süchte zählen, gehe aber irgendwann nichts mehr. Schon aus Eigeninteresse sollten sich Arbeitgeber darum bemühen, ihren Angestellten Hilfe zukommen zu lassen. In Zeiten des Fachkräftemangels ließen sich Beschäftigte nicht mehr ohne weiteres ersetzen.

„Man wird aber auch nicht umhin kommen, Belastungen abzubauen“, ergänzt Bodo Haßler von der Fachstelle Arbeitsfähigkeit des Landesvereins für Innere Mission. Die Hilfe in bestehenden Notlagen sei nur ein Teil der Erfordernisse. Vorstöße von Unternehmen, die zum Beispiel nach 19 Uhr ihre E-Mail-Server abschalten, um Mitarbeiter nicht nach Feierabend mit Arbeitspost zu behelligen, seien Schritte in die richtige Richtung.

Die LSA feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Nach Angaben von Sprecherin Natalie Syring habe sich ihre Arbeit in dieser Zeit von der reinen Beschäftigung mit Alkoholabhängigkeit hin zu Fragen der psychischen Gesundheit und des betrieblichen Gesundheitsmanagements erweitert.

Infos: www.lssh.de

Oliver Vogt

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