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Segeberg „Fahrradhölle“ Bad Segeberg: Kommt jetzt die Rettung?
Lokales Segeberg „Fahrradhölle“ Bad Segeberg: Kommt jetzt die Rettung?
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22:13 09.10.2017
Bad Segebergs Radwege – hier an der Hamburger Straße – sind eine Katastrophe. Die Stadt braucht hier dringend Fördermittel. Quelle: Foto: Glombik
Bad Segeberg

Eine Million Euro soll es zusätzlich für Radwege an Kreisstraßen geben. Die Förderrichtlinie sei in Ausschüssen empfohlen worden. Arne Hansen (Grüne), Vorsitzender im Ausschuss für Umwelt, Natur und Klimaschutz, geht davon aus, dass auch der Kreistag sie beschließen wird. Es gehe hier nicht nur um neue Radwege, sondern auch um Sanierung, betont Hansen. Segeberg möchte „Fahrradfreundlicher Kreis“ werden. Doch seine Kreisstadt Bad Segeberg ist noch weit von diesem Prädikat entfernt. Bei einer bundesweiten Untersuchung des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) kam Bad Segeberg auf einen der letzten Plätze – der 354. von 364. Plätzen bei den Städten mit bis zu 50 000 Einwohnern.

Die Kreisstadt hätte es also besonders nötig, hier bezuschusst zu werden: Jahrzehntelang haben die Politiker hier Radwegbau und -sanierung schleifen lassen. Dafür war nie Geld da. Entsprechend katastrophal sieht in der der Kreisstadt das Radwege-„Netz“ aus. Doch Bad Segebergs Bauamtsleiterin Antje Langethal, selbst oft auf dem Rad unterwegs, hat schon einen Teil der Hamburger Straße im Bereich Höhe der Theodor-Storm-Straße/Bahnübergang im Blick. Hier soll der Radweg, der in einem schlimmen Zustand ist, saniert werden. Die genaue Länge mit den Kosten werde noch ermittelt. Langethal:

„Wenn wir die Fördermittel bekommen, dann wird es keine Frage mehr sein, dass das Thema angepackt werden soll.“ Auch den Radweg an der Kurhausstraße werde man ab 2020 angehen. Hier müsse man aber die Umgestaltung der gesamten Straße mit in Betracht ziehen. Man müsse hier die Straße „ völlig neu denken“. Langethal: „Es gibt verschiedene Varianten, die wir prüfen werden.“ Es sei in Bad Segeberg nie ausreichend Geld vorhanden gewesen, um Radwege zu sanieren. Lockten nun Fördermittel vom Kreis sei die Motivation bei der Politik größer, das Thema anzupacken, glaubt Langethal.

Darauf setzt auch der emsige Radfahrer und Kreistagspolitiker Arne Hansen. Es gibt vom Kreis eine 75 prozentige Sockelförderung plus zehn Prozent für Kommunen mit unterdurchschnittlicher Finanzkraft.

Dazu würden Bad Segeberg oder auch Trappenkamp zählen. Es können auch andere Fördertöpfe angezapft werden. Wichtig sei nur, „dass die Kommune wenigstens zehn Prozent an den Radwegekosten beisteuert“.

Neben diesen zwei Millionen Euro für Gemeinde-Radwege solle es auch noch eine Million Euro extra für Radwege an Kreisstraßen vom Kreis geben, so Hansen. Dass das aber trotzdem nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, macht eine weitere Rechnung deutlich: Mit den zwei Millionen Euro könnten acht Kilometer Radwege gebaut werden – eventuell nötige Landkäufe oder der Bau von Brücken nicht eingerechnet. Wichtig sei auch, dass die Trägerschaft für die Radwege, also die Pflege von kommunaler Seite übernommen werde.

Im Nachbarkreis Stormarn sei man bei der Radwegeförderung schon weiter, dort gehe man daran, alte Kleinbahntrassen zu Radwegen auszubauen, mit dem Ziel Netzstrukturen zu bilden. Hansen: „Die Kommunen hier imKreis Segeberg müssen dafür besser zusammenarbeiten.“ Jüngstes Beispiel sei die Kleinbahntrasse zwischen Bad Segeberg und Tensfeld. Das wäre eine ideale Veloroute für Pendler, Schüler Ausflügler – wenn man sie für den Radverkehr asphaltieren würde. Zurzeit sei das ein besserer Reitweg, der nur zu bestimmten Jahreszeiten mit dem Rad befahren werden könne. Groß Rönnau sei da eher skeptisch. Und wenn sich die Gemeinden uneins seien, ist der Kreis auch eher unwillig hier Fördergelder auszugeben.

Neue Velo-Routen

Vorgezogen wird der Bau länger geplanter Radwege. Den Gemeindeanteil übernimmt der Kreis bei Verabschiedung der Förderrichtlinie. 2018 wäre dann mit dem K4-Projekt Weede (Steinberg –Geschendorf) zu rechnen. Auch ein Radweg bei Ellerau/Henstedt-Ulzburg (K 24) soll gebaut werden. Ein Lückenschluss im Radwegenetz soll es bei Großenaspe Richtung Bad Bramstedt an der K 111 geben. So blieben bei diesen Beschlüssen für 2018 aus dem Radwege-Gemeindemittel-Topf nur noch 800 000 Euro für andere Kommunen über.

 Wolfgang Glombik

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