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Falscher Millionenerbe: War er selbst Opfer einer Masche?

Kiel/Norderstedt Falscher Millionenerbe: War er selbst Opfer einer Masche?

Von einem Millionenbetrug ist nach der Beweisaufnahme gegen einen 55-jährigen Norderstedter am Kieler Landgericht keine Rede mehr. Von der filmreifen Story, in der sich der Angeklagte 3,5 Millionen Euro erschlichen haben soll, bleibt kaum etwas übrig.

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Betrugsprozess am Landgericht unter Vorsitz von Richter Michael Scheck (2.v.r.). Links: Verteidiger Peter Meyer-Grage.

Kiel/Norderstedt. Zur Prozesseröffnung im Oktober schien der Fall glasklar zu sein: Unter dem Vorwand, von einem Londoner Geschäftsmann zwölf Millionen US-Dollar geerbt zu haben, soll sich Günter T. (Name geändert) von mehreren Investoren insgesamt mehr als 3,5 Millionen Euro erschlichen haben. Mehrere der Geschädigten sagten im Verlauf des Prozesses vor dem Kieler Landgericht aus – darunter Ärzte, eine Buchhalterin, eine Rechtsanwältin. Sie alle glaubten die Geschichte von den vielen Millionen auf einer Londonder Bank, für deren Freigabe immer neue Gebühren und kostspielige Bedingungen fällig wurden. Die Investoren sprangen dem mittellosen T. bei, überwiesen teilweise sechsstellige Summen auf Konten auf Zypern, in Hongkong und London. Bei der Auszahlung des Erbes sollten sie dafür beteiligt werden.

„Gier macht blind. Es gibt auch eine Mitverantwortung der Opfer." Peter Meyer-Grage, Verteidiger

Doch hat T. die Geschädigten tatsächlich betrogen? Von dem Geld fehlt jede Spur. Die Beweisaufnahmen ergab keine Hinweise darauf, dass T. je Zugang zu den Auslandskonten hatte, sagte der Anklagevertreter gestern in seinem Plädoyer. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Angeklagte zunächst selbst auf eine Masche hereingefallen ist.“ Er hat offenbar tatsächlich geglaubt, Erbe des Vermögens zu sein. Trotzdem habe T. zumindest später billigend in Kauf genommen, dass es womöglich gar kein Erbe gibt. Dafür spräche unter anderem ein gefälschter Erbschein. Trotzdem habe er die Investoren im Glauben gelassen, dass eine Auszahlung unmittelbar bevorstehe.

Bereichert aber habe sich T. nicht. Es gebe nicht einmal Hinweise darauf, dass T. wisse, wer hinter dem Betrug steht. Deshalb sei er in diesen Punkten freizusprechen. Übrig bleiben private Darlehen in Höhe von 110000 Euro, die T. für die Sicherung seines Unterhalts abgeschlossen hatte – ohne diese je zurückzahlen zu können. Dabei habe er die „gesteigerte Bereitschaft“ der Geldgeber ausgenutzt – die auf eine Rückzahlung mit Zinsen hofften. Zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung forderte die Anklage für diese 27 Fälle gewerbsmäßgen Betruges.

Mysteriöses Millionenerbe: Zu absurd um wahr zu sein

T.s Verteidiger Peter Meyer-Grage beantragte einen Freispruch in allen Punkten. Die Darlehen habe sein Mandant zurückzahlen wollen. Dieser habe selbst fest mit dem Erbe gerechnet und eigenes Geld investiert. Zudem verwies Meyer-Grage auf eine Mitschuld der Geschädigten. „Gier macht blind“, so der Anwalt. „Es gibt auch eine Opfermitverantwortung“.

Über mehrere Jahre ließen sich die Investoren mit immer absurderen Erklärungen blenden und überwiesen Geld auf Auslandskonten – in der Hoffnung auf noch mehr nach der Auszahlung des Erbes, das nun auf über 22 Millionen Dollar angewachsen sein sollte durch den zwischenzeitlichen Tod der Frau des Londoner Unternehmers. Die Erklärung der vermeintlich zuständigen Stellen seien derweil so abstrus gewesen, dass sich die Geschädigten nicht hätten irren dürfen, argumentierte der Anwalt. Das Urteil wird am Donnerstag, 8. Februar, verkündet.

 Nadine Materne

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