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Segeberg Falscher Rettungsassistent freigesprochen
Lokales Segeberg Falscher Rettungsassistent freigesprochen
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16:27 10.04.2019
Die Verteidigung hatte bei Gericht eine detailreiche Stellungnahme abgegeben. Quelle: Christian Müller/Fotolia
Bad Segeberg

 Laut Anklage soll er von Januar 2016 bis Mai 2017 an einen Sanitätsdienst Rechnungen mit einem erhöhten Satz gestellt haben. Zwar hatte er sich zum Rettungsassistenten ausbilden lassen.

Ihm fehlte jedoch das Anerkennungsjahr, somit das nötige Zeugnis für diese Berufsbezeichnung. Das soll er verschwiegen haben, um mehr Geld zu bekommen, als ihm als Rettungssanitäter zustand. Insgesamt ging es um einen Betrag von 1600 Euro.

Im Einsatz für andere: Trotz Einschränkung

Im Gerichtssaal stellte sich die Situation jedoch weitaus fataler dar. Der junge Mann ist seit vielen Jahren Dialyse-Patient. Auf eine Nierentransplantation folgte eine zweite. Seine Ausbildung musste er abbrechen und bemühte sich vergeblich, beruflich Fuß zu fassen. Einen Lichtblick gab es durch die Ausbildung zum Rettungssanitäter, doch die Genehmigung für das Anerkennungsjahr bekam er aus gesundheitlichen Gründen nicht.

Diverse Fortbildungen im Bereich Erste Hilfe folgten. „Er versuchte im Rettungswesen eine dauerhaft gesicherte Zukunft zu finden“, erklärte sein Verteidiger Ralph-Dieter Briel. Er beendete sie erfolgreich, engagierte sich viele Jahre ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz im Bereitschaftsdienst. Um den Titel als Rettungsassistent tragen zu dürfen, fälschte er 2011 eine Urkunde, was sofort entdeckt wurde – und ihn das Ehrenamt kostete.

Er erwarb weitere Zertifikate, wobei er den Inhaber eines Sanitätsdienstes aus Ostholstein kennenlernte. „Er beschäftigte mich auf Honorarbasis. Eine schriftliche Vereinbarung habe ich nie erhalten“, ließ der Angeklagte verlesen. „Das ist in dem Unternehmen nicht üblich, keiner hat dort schriftliche Verträge.“

„Lächerliche Bezahlung“

Verteidiger Ralph-Dieter Briel brachten die Zustände im Gerichtssaal auf die Palme. 450 Euro seien „eine so lächerliche Bezahlung“ als Zuverdienst für einen Berufsunfähigkeitsrentner. „Er hat dem Staat damit die Grundsicherung erspart.“ Zudem sei sein Mandant nie nach seiner Berufsbezeichnung gefragt worden.

Erst Monate später, Mitte 2017, sei die Frage im Betrieb aufgekommen. Eine erneute versuchte Fälschung nahm der 33-Jährige sofort zurück. Man versuchte sich zu einigen. Am Ende hielten sich die Beträge in etwa die Waage: Das Geld, was er zu Unrecht ausgezahlt bekommen hatte sowie Geld, das sein Arbeitgeber ihm laut Verteidigung noch schuldete.

„Ich muss einräumen, dass ich moralisch nicht einwandfrei gehandelt habe“, räumte der Bad Segeberger ein. „Doch ich war mit der geringen Bezahlung einverstanden, um meinen gewählten Beruf auszuüben.“

Es seien sicher besondere Umstände, die hier gegriffen haben, sagte Richter Alexander Schmücker. „Sie waren gesundheitlich nicht in der Lage, die Ausbildung abzuschließen.“ Die Beschäftigungsverhältnisse seien skandalös. „Doch das ist heute nicht unser Thema.“ Das Verfahren wurde eingestellt.

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Irene Burow

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