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Segeberg Falscher Schöffe: Tierschutzprozess erneut geplatzt
Lokales Segeberg Falscher Schöffe: Tierschutzprozess erneut geplatzt
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20:37 20.06.2017
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Bad Segeberg

Drei Jahre lässt das Gerichtsverfahren gegen Landwirt Horst P. inzwischen auf sich warten. Dem 57-Jährigen wird vorgeworfen, seine Tiere – Rinder und Schweine – vernachlässigt, ihnen billigend Leid und Schmerzen zugefügt zu haben. Einige Tiere sollen dabei auch zu Tode gekommen sein. Zweimal war der Prozess vor dem Schöffengericht in Bad Segeberg bereits gescheitert. Gestern dann der nächste Versuch am Amtsgericht. Kurz nach der Verlesung der Anklageschrift jedoch stellte sich heraus: Der falsche Schöffe wurde zum Termin geladen. Damit war das Gericht nicht verhandlungsfähig.

Die Staatsanwältin hatte die Anklageschrift – inklusive zahlreicher Ohrmarkennummern der betroffenen Tiere – umsonst verlesen: In 13 Fällen soll P. Wirbeltieren anhaltende Schmerzen zugefügt und damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. Lahmheit, starke Entzündungen an den Gliedmaßen sollen bei P.s Rindern festgestellt worden sein. Seit 2003 sei der Landwirt den Behörden bei Kontrollen immer wieder aufgefallen. Eine tierärztliche Behandlung soll P. gar nicht oder zu spät veranlasst haben. Einige Rinder seien deshalb gestorben, außerdem Ferkel verhungert.

Die Hauptvorwürfe stammen vorwiegend aus 2011, als P. noch bis zu 400 Rinder gehalten haben soll, außerdem Schweine zur Mast. Furore machte der Fall im April 2014, als eine behördliche Großkontrolle auf P.s Hof anrückte mit Transportern für 400 Tiere – die waren aber schon verkauft. Lediglich 17 Katzen fanden die Veterinäre damals vor – abgemagert, verwurmt, ein Tier tot – laut Anklage, die nächsten Mittwoch, 28. Juni, erneut verlesen werden muss. Dann startet der Prozess neu. Grund ist eine Gerichtspanne. Der falsche Schöffe war zum Termin geladen worden – zum Unwissen von Richterin Sabine Roggendorf, die den Mann zu Beginn der Verhandlung noch mit falschem Namen vorstellte. Das Missverständnis klärte der Laienrichter erst später im Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und der Verteidigung hinter verschlossenen Türen auf.

Die Verwirrung bei den wartenden Zuschauern und Zeugen klärte Roggendorf nach einer Stunde auf, nachdem sie vergeblich versucht hatte, den richtigen Schöffen zu erreichen. Das Verfahren wurde erneut ausgesetzt: Bereits im August 2015 kam das Verfahren nicht in Gang, weil beide Wahlverteidiger des Angeklagten keine Zulassung haben, P. wegen des möglichen Strafmaßes aber von einem Anwalt verteidigt werden muss. Der zweite Versuch im April scheiterte, weil der bestellte Pflichtverteidiger sein Mandat niedergelegt hatte – einen Tag vor Prozessbeginn. Inzwischen sitzen vier Verteidiger an P.s Seite. Gestern beantragten alle die weitere Aufschiebung des Prozesses, um sich in die Akten einlesen zu können, die mittlerweile einen Umzugskarton füllen. Die bereitgestellten Kopien seien lückenhaft. Roggendorf lehnte ab. Auch das seit nun drei Jahre geltende Tierhalteverbot für P. bleibt zunächst bestehen.

Nadine Materne

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