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Segeberg „Fantasiebild eines Idealrinds“
Lokales Segeberg „Fantasiebild eines Idealrinds“
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20:21 22.08.2017

Bereits beim letzten Verhandlungstag im Prozess um Tierschutzvergehen gegen Landwirt Horst P. stand die Arbeit des Kreisveterinäramts in der Kritik. Gestern legte der Hoftierarzt des Angeklagten nach. Bis heute könne er nicht verstehen, was passiert sei.

P. soll seinen Tieren in 13 Fällen langanhaltende Leiden zugefügt, ihnen eine medizinische Behandlung verweigert haben. Nach einer Kontrolle im Juni 2011 wurden auf Anweisung des Kreisveterinäramts fünf Bullen eingeschläfert. Bei dieser Kontrolle war auch der Hoftierarzt zugegen. P. hatte bereits seit längerem mit den Behörden zu tun, war in der Vergangenheit wegen anderer Ordnungswidrigkeiten ins Visier der Kontrolleure geraten. Sein damaliger Anwalt hatte den Termin in der Hoffnung auf Klärung der Angelegenheit vereinbart. Kurz bevor die beiden Kreisveterinäre und das Ordnungsamt eintrafen, habe er sich den Hauptstall angeschaut, berichtet der Hoftierarzt. Und nichts außergewöhnliches festgestellt. „Ich hätte dem Betrieb die Schulnote drei gegeben.“ Nie hätte er erwartet, was dann passierte: Vier Stunden lang hätten die Kreisveterinäre jede Kuh den Laufgang hinuntergeschickt. Er habe dabei mit dem damaligen Chef des Kreisveterinäramts auf einer Seite gestanden, die zuständige Amtstierärztin am Futtertisch. Von dort aus habe sie jede Auffälligkeit notiert – mit dem „Fantasiebild eines Idealrindes“ im Kopf. Der Hoftierarzt schilderte eine „frostige“ Stimmung im Stall. Eine Unterhaltung habe es nicht gegeben, die Einschätzung des Behördenchefs sei nicht gefragt gewesen, auch seine nicht. Im Gegenteil: Am Ende habe die Veterinärin ihn „fast angeschrien“, wie es zu dieser Mängelliste kommen könne.

26 bis 30 Tieren habe er danach untersuchen sollen. „Vielleicht zehn Tiere waren tatsächlich diagnosewürdig“, sagt der Zeuge vor Gericht. Da kenne er andere Betriebe, die deutlich schlechter abschnitten. Auch mit der Entscheidung, die Bullen einzuschläfern, sei er nicht einverstanden gewesen.

Inzwischen sei von der Kreisbehörde auch gegen ihn Beschwerde bei der Tierärztekammer eingereicht worden, in deren Vorstand besagte Amtsveterinärin sitze, so der Zeuge. „Die Staatsanwaltschaft soll gegen mich ermitteln.“ Das Verfahren befinde sich in der Schwebe, da die Befangenheit der Kammer zu klären sei.

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