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Feine Verse und dazu eine tolle Musik

Bad Segeberg Feine Verse und dazu eine tolle Musik

Auch zum siebten Poetry Slam kamen wieder rund 100 Besucher ins Bad Segeberger Jugendzentrum „Mühle“.

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Die Bühne wie immer liebevoll dekoriert — so kennt man die Poetry Slams in der Segeberger „Mühle“. Das Moderatorenduo Jacques Götzmann und Katharina Kurschat führte humorvoll durch den Abend.

Quelle: Fotos: Kullack

Bad Segeberg. Tiefer, tiefer Weltschmerz und dazu eine düstere Philosophie, die einen frieren lässt. Fast schon Stand-up-Komik, wenn eine fiese Kunstlehrerin durch den Kakao gezogen wird. Und dazwischen natürlich immer wieder Liebe, Liebe, Liebe . . . so geht es zu, wenn Jugendliche zum Poetry Slam zusammentreffen. So auch dieses Mal beim nunmehr siebten Dichterwettstreit in der „Mühle“ am Freitagabend. Und eine Zugabe dazu: Die Oldesloer Sängerin Hanna Dreu nebst Gitarrist Hauke Möller, die ihr Programm zwischen den Poetry-Blöcken präsentierten.

Mit diesem Duo hatten die Veranstalter um Thomas Minnerop einen wahren Glücksgriff gelandet: Gleich ob Hanna und Hauke eigene Songs vortrugen, sich Ed Sheerans „You need me, I don't need you“

zuwandten oder Gloria Gaynors „I will survive“ — das war musikalische Unterhaltung vom Feinsten. Gerade 17 Jahre alt sind Sängerin wie Gitarrist gleichermaßen — zeigten sich aber allen Stilen, die sie anstrebten, gewachsen.

Hanna Dreu hat im vergangenen Herbst beim Wettbewerb „Voice of Germany“ mitgemacht, wohlgemerkt „bei den Großen“ und nicht etwa bei den „Voice Kids“. Sie ist in den „blind auditions“ in Berlin zwar nicht weitergekommen, zeigte aber auf der kleinen Bühne der „Mühle“ das, was sie auf der großen Showbühne gelernt hat: Sie spielt mit dem Publikum, hat ihre Zuhörer in jedem Moment in der Hand, kann zwischen den Songs locker Witze machen — die volle Aufmerksamkeit ist ihr gewiss. Und wenn man an der Seite dann noch einen so souveränen Gitarristen wie Hauke Möller hat, kann nichts Böses passieren. Ist ja auch nicht.

Doch zur Hauptsache, zu den Poetry Slamern: Vier Kandidatinnen und nur ein junger Mann waren dieses Mal angetreten — ergänzt um den Schlussauftritt von Dominik. Der ist Lehrer, war schon mehrfach beim Poetry Slam in der „Mühle“ dabei und am Freitag wohl zum letzten Mal. Sein „Wort zum Zeugnistag“ (so Moderatorin Katharina Kurschat) kam beim Auditorium an, vor allem die Zeile „Ich werde wissen, wer Ihr seid. . . wenn Ihr das Abi habt“.

Überhaupt, es sind die Sprüche, die hängenbleiben sollen beim Publikum. Und bei der vom Publikum gewählten Jury, die nach jedem Beitrag Tischtennisschläger mit aufgemalten Zahlen von „6“ bis „10“

hochhält. Die jeweils beste und die schlechteste Note werden gestrichen, dann wird addiert. Am meisten, nämlich 57 Punkte nach zwei Durchgängen kamen dieses Mal für Lena zusammen. Sie hatte sich auf satirisch, wirklich freche wie auch schmerzhafte Art dem Schulalltag zugewandt. Binomische Formel? „Ich scheiß‘ auf Mathe — ich werde Stripperin“, erklärte sie im ersten Teil. Und in Durchgang zwei musste dann die angesprochene Kunstlehrerin herhalten, deren Namen die Slamerin wirklich nicht verriet, wohl aber deren offenbare Eigenschaften und die Art, durch den Unterricht zu führen . . .

Nichts gegen die Leistungen der anderen vier Kandidaten (Dominik startete außer Konkurrenz), aber offenbar war der Freitag eher ein Tag für humorvoll dargestellte Schüler-Wirklichkeit als für die großen Menschheits- oder selbst erfahrene Liebeskonflikte. So siegte Lena mit einigem Abstand.

Thomas Minnerop vom Jugendzentrum freute sich, dass auch dieses Mal um die 100 Besucher kamen. So zwischen 80 und 150 sind es mittlerweile bei jedem Slam in der Mühle. Der nächste findet am 29. April statt. Und dann hoffentlich wieder so humor- wie lustvoll moderiert wie dieses Mal von Katharina Kurschat und Jacques Götzmann, der bei der Siegerehrung sogar seine „Muttersprache“ einsetzte, das Schwyzerdütsch.

Lothar Hermann Kullack

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