Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Feuer im Dachgeschoss: Bewohner in Lebensgefahr
Lokales Segeberg Feuer im Dachgeschoss: Bewohner in Lebensgefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:46 06.07.2017
Auch ihren Leiterwagen setzt die Feuerwehr Bad Segeberg ein. Atemschutzträger dringen in die brennende Wohnung vor. Quelle: Foto: Feuerwehr
Bad Segeberg

Wer wie Liane Holst zu nachtschlafender Zeit aufstehen muss, bekommt bisweilen Sachen mit, die den meisten „Neun-bis-fünf“-Arbeitnehmern verborgen bleiben.

Acht Bewohner gerettet – Zeitungsausträgerin verhinderte Schlimmeres.

„Ohne Warnung hätte es für den Bewohner wohl wesentlich schlimmer ausgehen können", Axel Pottkamp Einsatzleiter.

Und manchmal kann das – so wie gestern früh – sogar Leben retten: Die LN-Zeitungsausträgerin klingelte bei einem Feuer in der Gorch-Fock-Straße einen ganzen Wohnblock wach.

Kurz vor halb vier war es, als die 39-Jährige wie üblich die vor ihrer Haustür angelieferten Zeitungsstapel zum Packen in ihre Wohnung holen wollte. „Draußen habe ich dann den Rauchmelder vom Haus gegenüber gehört und mir schon gedacht, dass irgendwas nicht stimmt“, sagt Holst. „,Meine Güte, das brennt in der 18’, habe ich bei mir gedacht.“

Und tatsächlich: In einer Dachgeschoss-Wohnung in der Gorch-Fock-Straße 18 war ein Zimmerbrand ausgebrochen, während die Bewohner allesamt noch schliefen. „Ich habe sofort die 112 gewählt und der Feuerwehr Bescheid gesagt. Die haben mich gebeten, alle Bewohner rauszuklingen – und das habe ich dann auch gemacht.“

Als sie die Klingelknöpfe in der 18 nacheinander drückte, um die Bewohner vor der Gefahr zu warnen, sei ihr bereits der Wohnungsbesitzer durch das Treppenhaus entgegen gekommen. Noch in Unterwäsche.

„,Bei mir brennt es’, hat er gerufen. Das hat mich richtig erschrocken“, berichtet Liane Holst.

Kurz danach seien Feuerwehr und Polizei gekommen. Alle Nachbarn waren da bereits wach. Diejenigen, die nicht schon selbst nach draußen gelaufen waren, wurden von der Polizei aus dem Gebäude geführt.

„Als wir eintrafen, hatte starker Rauch bereits den oberen Teil des Treppenhauses ausgefüllt und uns den Zugang zur Brandwohnung sehr erschwert“, sagt Einsatzleiter Axel Pottkamp. Deshalb seien mehrere Atemschutz-Trupps in das Gebäude vorgedrungen. Die hatten das Feuer zwar schnell im Griff, allerdings hatten die Flammen in der Wohnung bereits heftig gewütet. „Scheiben waren gesprungen und Kunststoffteile zerschmolzen“, so der stellvertretende Wehrführer. Er ist überzeugt: „Ohne die Warnung des Rauchmelders hätte es für den Bewohner wohl wesentlich schlimmer ausgehen können oder er wäre gar nicht mehr herausgekommen.“

Unbeschadet hat er das Feuer jedoch nicht überstanden: Er musste mit einer schweren Rauchvergiftung in die Lübecker Uni-Klinik gebracht werden. Nach Angaben der Polizei schwebe er in Lebensgefahr.

Die anderen acht Bewohner kamen mit dem Schrecken davon. Während sie wieder zurückkehren konnten, ist die Brandwohnung zunächst unbewohnbar.

 Die Polizei hat die Ermittlungen zu den Ursachen des Feuers aufgenommen, bislang ist die Ursache unklar. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass der Brand durch fahrlässiges Verhalten ausgelöst worden sei, sagte Polizeisprecherin Seyma Stephan.

Das Ende des Einsatzes hat Zustellerin Liana Holst schon nicht mehr mitbekommen. Sie musste ihre Zeitungen austragen. Heute ein Foto von sich selbst darin sehen, wollte sie aber nicht. „Was ich gemacht habe, ist schließlich etwas Selbstverständliches“, sagt die 39-Jährige. „Ich würde von meinen Nachbarn auch erwarten, dass sie mich warnen.“

 Oliver Vogt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige