Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Gönnebeker Gartensiedlung: Wirtschaftlich in voller Blüte
Lokales Segeberg Gönnebeker Gartensiedlung: Wirtschaftlich in voller Blüte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 15.09.2018
Besuch der Landwirtschaftskammer SH im Gärtnerei-Betrieb von Hartwig und Ulrike Bull Quelle: Oliver Vogt
Gönnebek

Mit gewöhnlichen Stauden und Topfpflanzen war kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Das hatte Hartwig Bull schnell erkannt, als er gemeinsam mit seiner Frau Ulrike vor zehn Jahren den väterlichen Betrieb in der Gönnebeker Gärtnersiedlung übernahm. Steigende Energiekosten für die wärmeliebenden Exoten in den Gewächshäusern fraßen die ohnehin knappen Gewinnspannen wie nichts auf. Und auf den Außenanlagen reichte schon ein durchschnittliches Sommergewitter, um fünfstellige Euro-Schäden unter den sensiblen Pflanzen anzurichten. Ein Übriges zu den schlechten Aussichten trug die immer stärkere Konkurrenz bei, die den Markt mit Pflanzen und Blumen zum Teil zu Dumpingpreisen überflutete. Es bedurfte neuer Ideen, den Betrieb zu retten und auf dem hart umkämpften, globalisierten Blumenmarkt zu bestehen. Aber vor allem bedurfte es neuer Pflanzen.

Zehntausende Zierpflanzen wachsen im Gartenbetrieb Bull in Gönnebek. Selbst den blumenverliebten Holländern können Ulrike und Hartwig Bull mit ihren Züchtungen inzwischen das Wasser reichen.

Die fanden die USA-Fans in Nordamerika. Echinacea, besser bekannt als „Sonnenhüte“, und Rudbeckia wuchsen fortan während der Hauptsaison in den Gewächshäusern und den Außenanlagen der Bulls. Später ergänzten sie das Sortiment durch eine besondere Zucht der Helianthus, der Sonnenblume, die in der Lage ist, auch strenge Winter zu überstehen. „Bei der sind wir inzwischen Marktführer, bei Echinacea und Rudbeckia liegen wir unter den ersten Fünf“, sagt Hartwig Bull. Die bunten, robusten Gewächse kommen bei Gartenfreunden in Deutschland und inzwischen auch darüber hinaus gut an. Selbst in den blumenverliebten Niederlanden, hinter den USA weltgrößter Erzeuger von Zierpflanzen, sind Bulls Pflanzen inzwischen zu kaufen. Anfang des Jahres konnte das Gärtnerpaar sogar den benachbarten Betrieb übernehmen, ihre Anbaufläche fast verdoppeln. Insgesamt verfügen sie jetzt über elf Hektar Fläche, 2,5 davon unter Glas.

Ein Selbstgänger sei das nicht gewesen in einem Markt, in dem Gartenpflanzen schon für 2,99 Euro der Topf beim Discounter zu haben sind. Die Firmenchefs ziehen die Pflanzen nicht nur auf, sondern entwickeln sie stetig weiter, durch Kreuzungen entstehen immer wieder neue Farben und Blütenformen. Die Schönsten und Besten werden patentrechtlich geschützt und kommen in den Verkauf. „Diese Anforderung erfüllt dann aber vielleicht einer von 100 000 Versuchen“, sagt Ulrike Bull und präsentiert eine Echinacea-Variante mit pink leuchtenden Blütenblättern, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Bull-Blumen aus Gönnebek werden inzwischen auch schon in Lizenz von zwei anderen Gartenbaubetrieben in Europa produziert. Und selbst in den USA, wo die Pflanzen eigentlich heimisch sind, will das Paar mit seinen Zuchtformen demnächst Fuß fassen, von amerikanischen Gärtnereien in Lizenz produzieren lassen.

Weniger Betriebe, mehr Fläche

18 MillionenBeet- und Balkonpflanzen sowie Staudengewächse wurden 2017 nach Angaben des Statistikamtes Nord in Schleswig-Holstein herangezogen. Besonders häufig davon waren Stauden (4,4 Millionen), Veilchen und Stiefmütterchen (4,1 Millionen) sowie Geranien, Primeln und Begonien (jeweils 1,1 Millionen). Landesweit bauten 126 Betriebe auf einer Fläche von 195 Hektar Blumen und Zierpflanzen an. Gegenüber 2012 sank die Zahl der Betriebe um neun Prozent, während die Anbaufläche seitdem um vier Prozent zunahm.

Der Gartenbaubetrieb Bullproduziert jährlich rund 1,5 Millionen Zierpflanzen und beschäftigt zwölf feste Mitarbeiter sowie zehn Saisonkräfte. Im Frühjahr werden Frühjahrsblüher wie Viola und Primeln angebaut, im Sommer Beet- und Balkonpflanzen wie Petunia oder Verbena. Der Spätsommer gehört Rudbeckia, Echinacea und Helianthus. Zu Neujahr wachsen dazu im Betrieb 300 000 Stück Glücksklee.

Dazu tragen auch griffige Markennamen bei. Ihre Sonnblumen vertreiben die beiden zum Beispiel unter der Bezeichnung „Suncatcher“, zu deutsch: Sonnenfänger; die Bullschen Rudbeckia sind als „Sunbeckia“ zu haben. Für die neue, pinke Zuchtlinie der Echinacea ist der Name zwar noch geheim. Aber etwas mit „Sun“ dürfte es wahrscheinlich sein. „Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln bemühen wir uns mittlerweile, Marken zu etablieren“, sagt Hartwig Bull. Das könne man natürlich nicht auf dem Niveau tun, wie ein großer Betrieb mit millionenschwerem Marketing-Etat. Aber einheitliche, große Etiketten und vor allem das Schlagwort „bienenfreundlich“ darauf kommen bei den Konsumenten gut an. Letzteres ist nicht nur ein Werbegag, wie ein Blick ins Gewächshaus beweist: Bienen mit dick gefüllten Pollenkörbchen umschwirren die bunten, im Gegensatz zu den meisten heimischen Gewächsen noch immer in voller Blüte stehenden Pflanzen. Das gefällt auch der Bundeskanzlerin: Seit inzwischen fünf Jahren ordert das Bundeskanzleramt jedes Jahr 250 Sonnenhüte bei den Bulls in Gönnebek.

Landwirtschaftskammer-Präsident Claus Heller, der den Gönnebeker Betrieb im Rahmen einer Kreisbereisung in dieser Woche gemeinsam mit einer Delegation besuchte, zeigte sich beeindruckt davon, wie der Familienbetrieb den Strukturwandel gemeistert habe. Von den einstmals 21 Gönnebeker Gärtnereien seien inzwischen nur noch zehn übrig geblieben. Ihre Flächen wurden jedoch vollständig von den anderen übernommen.

Oliver Vogt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Segeberg 70. Landesturnier auf der Rennkoppel - Großer Pferdesport in Bad Segeberg

Endspurt beim 70. Landesturnier der Reiter und 20 000 Euro Förderung: Im Pferdesportland Schleswig-Holstein spielt Bad Segeberg eine große Rolle, sind sich Politik und Veranstalter einig.

15.09.2018

Sieben Autoren aus der Region stellten sich bei einer Non-Stop-Lesung am Bad Segeberger Marktplatz mit ihren Werken vor.

15.09.2018

Seit fast 40 Jahren wird der Bad Segeberger Schweinemarkt in bester Stadtlage nur als holpriger Parkplatz genutzt. Der Eigentümer kassiert Parkgebühren, zögert aber seit Jahren damit, das Gelände mit einem Geschäfts- und Wohnhaus zu bebauen.

14.09.2018